The Sun Is Also a Star

Nicola Yoons Roman „The Sun Is Also a Star“ stand auf der Bestseller-Liste der „New York Times“. Entsprechend schnell wurden die Filmrechte verkauft, weil man hier eine Teenie-Romanze hat, aber eine, die etwas ungewöhnlich ist. Denn die weibliche Hauptfigur Natasha wird am nächsten Tag mit ihrer Familie nach Jamaika deportiert – und das, nachdem sie neun Jahre in New York gelebt hat. Aber am Tag zuvor lernt sie den koreanischstämmigen Daniel kennen, der anders als sie an das Schicksal und die Liebe glaubt. Er ist sicher, dass sie sich innerhalb eines Tages in ihn verlieben wird. Doch über all dem hängt das Damoklesschwert der Abschiebung. Ein Element, aus dem die Romanze ein wenig Tiefgang bezieht.

Webseite: www.warnerbros.de

USA 2019
Regie: Ry Russo-Young
Buch: Tracy Oliver
Darsteller: Yara Shahidi, Charles Melton, Jake Choi
Länge: 96 Minuten
Verleih: Warner
Kinostart: 16. Mai 2019

FILMKRITIK:

Für Natasha ist New York ihre Heimat. Sie kam als kleines Kind her und soll nun neun Jahre später mit ihrer Familie zurück nach Jamaika deportiert werden. Doch sie kämpft bis zum Schluss und hat einen letzten Termin bei einem Anwalt. Auf dem Weg dorthin lernt sie den koreanisch stämmigen Daniel kennen, der eigentlich auf dem Weg zu einem Gespräch ist, das ihm helfen soll, an einer renommierten Universität angenommen zu werden. Als er Natasha trifft, hat er jedoch nur noch Augen für sie, die an die Liebe nicht glaubt. Er ist jedoch von der Magie der Liebe und dem Wirken des Schicksals überzeugt. Und wenn er nur einen Tag haben sollte, damit sie sich in ihn verliebt, dann muss das eben reichen.
 
Der Film mutet wie ein Amalgam aus „Before Sunrise“ und „Ein Sommer in New York“ an. Auf der einen Seite hat man diesen schicksalshaften Tag, an dem sich zwei Menschen kennen lernen und verlieren, auf der anderen den Kampf um das Bleiberecht – und das alles kombiniert mit dem Herzschmerz, der mit einer Teenie-Romanze einhergeht. Die Dialoge sind geschliffen und die Figuren größer als das Leben, aber das macht auch den Reiz von „The Sun Is Also a Star“ aus, da Daniel mit seinem unbedingten Glauben an das Schicksal einen wundervollen Gegenpol zu Natashas nüchterne Art, die Liebe zu betrachten, darstellt. Daraus entspinnen sich ein paar schöne Szenen. Momente unausgesprochenen Glücks innerhalb eines immer weiter zusammenschrumpfenden Zeitrahmens.
 
Die Geschichte greift ein ernstes Thema auf, macht dies aber unaufdringlich. Man hätte hier bestens politisieren können, mit Schuldzuweisungen, was die Abschiebepolitik betrifft, hält sich der Film aber zurück. Das könnte man rückgratlos nennen, weil er nicht riskieren will, einen Teil des Publikums zu verlieren. Es ist aber der einzig gangbare Weg, ohne von dem abzulenken, worum es wirklich geht: Eine Liebe, die auf praktisch unüberwindliche Hindernisse stößt.
 
Zudem muss man „The Sun Is Also a Star“ attestieren, dass er Teil einer Welle von neuen Hollywood-Produktionen ist, die divers besetzt sind. Hier machte es die Vorlage vonnöten, aber eine große Studioproduktion, in der Koreaner und Schwarze die Hauptfiguren sind, sind immer noch eine seltene Angelegenheit, auch wenn sich langsam etwas tut. Das erlaubt aber eben auch andere Perspektiven und andere Erlebniswelten, während die Identifikation für ein junges Publikum so oder so gegeben ist. Weil die Gefühle aufkommender Liebe, aber auch der Tragik, die mit ihrem Ende einhergeht, authentisch und mitreißend gestaltet sind.
 
Die beiden Newcomer Yara Shahidi und Charles Melton sind in ihren Rollen überzeugend und bringen die nötige Frische mit, die Figuren wie die ihren auch benötigen. Alles in allem ein schönes Drama, der zum Streiten darüber auffordert, ob wir alle dem Schicksal oder einfach nur Zufälligkeiten unterworfen sind. Am Ende gerät das Ganze dann aber doch noch zum Märchen, da sich der Film nicht traut, einen Schlusspunkt zu finden, der konsequent ist. Der Epilog ist darum mit Vorsicht zu genießen – oder man akzeptiert ihn als Beleg dafür, dass in der Welt von „The Sun Is Also a Star“ das Schicksal und nicht der Zufall regiert.
 
Peter Osteried