Thomas und seine Freunde – Große Welt! Große Abenteuer!

Basierend auf den englischen Kindergeschichten rund um den Titelhelden „Thomas, die kleine Lokomotive“ kommt mit „Thomas & seine Freunde – Große Welt! Große Abenteuer!“ nun ein Spielfilm in die Kinos, in dem es die beliebte Lok einmal rund um den Erdball verschlägt. Für Kinder im Kindergarten- und Vorschulalter ist das eine schöne Möglichkeit, fremde Länder und Kulturen kennenzulernen.

Webseite: www.thomas-derfilm.de

OT: Thomas & Friends: Big World! Big Adventures! The Movie
UK 2018
Regie: David Stoten
Verleih: justbridge entertainment GmbH
Länge: 81 Min.
Start: 2. Januar 2020

FILMKRITIK:

Thomas ist ganz vernarrt in den schnellen gelben Flitzer Ace, der der freundlichen Lokomotive regelmäßig von seinen halsbrecherischen Abenteuern auf der Autorennbahn erzählt. Das nächste Rennen steht bereits kurz bevor: Über fünf verschiedene Kontinente erstreckt sich die Veranstaltung, an der auch Thomas selbst gern teilnehmen würde um als erste Lokomotive überhaupt die ganze Welt zu bereisen. Obwohl ihm Ace zu verstehen gibt, dass es an den entlegenen Orten des Rennens keine Schienen gibt, beschließt Thomas, sein Glück selbst in die Hand – oder besser: die Räder – zu nehmen. Seine Reise führt ihn durch entlegene Wüsten, den gefährlichen Dschungel, asiatische Regenbogenberge und vereiste Wipfel. Und weil jeder irgendwann in seinem Leben einmal Hilfe braucht, knüpft er auch recht schnell neue Kontakte. Insbesondere die sympathische Nia erweist sich auf Thomas‘ Reise als sehr nützliche Begleiterin…
 
Das ikonische Grinsegesicht von Thomas, der Lokomotive schaffte es vor einigen Jahren sogar ins US-amerikanische Blockbusterkino, als Paul Rudd alias Ant-Man im Finale seines gleichnamigen Solo-Abenteuers aus Versehen ein Modell der beliebten Dampflock in eines in Originalgröße verwandelte. Dass die Abenteuer der vielen verschiedenen Züge auf der Insel Sodor auf ein Buchreihe zurückgeht, die ihren Ursprung bereits im Jahr 1945 nahm, wissen wohl nur die wenigsten. Ursprünglich sollten Wilbert Vere Awdrys in Großbritannien entwickelten Geschichten ihrem jungen Publikum eisenbahntechnische Abläufe zielgruppengerecht aber nicht kindlich wiedergegeben werden. Seinen ganz großen Siegeszug trat Thomas allerdings erst in den späten Siebzigern an. Erschien bis dato nahezu jährlich ein neuer Band der Reihe, versetzte man „Thomas & seine Freunde“ 1979 erstmals ins Fernsehen. Bis heute erschienen in Großbritannien über 550 Folgen der Serie in insgesamt 23 Staffeln. Eine 24. Ist bereits bestätigt. Ein Großteil der Episoden wurde später auch im deutschen Fernsehen ausgestrahlt.
 
„Thomas & seine Freunde – Große Welt! Großes Abenteuer“ ist beileibe nicht der erste auf der Serie entstandene Film, allerdings der erste, der es zumindest hierzulande zu einer größeren Kinoauswertung bringt. Den im Jahr 2000 veröffentlichten (und kolossal gefloppten) Realfilm „Thomas, die fantastische Lokomotive“ klammern wir an dieser Stelle einmal aus. Der mit der Materie bestens vertraute Regisseur David Stoten, der 2014 regelmäßig Folgen für die TV-Serie inszeniert, bedient dabei sämtliche Erwartungen der sehr jungen Zielgruppe, in dem er ein harmloses Welterkundungsabenteuer erzählt, das den Kleinen spielerisch die vielen unterschiedlichen Facetten unseres Planeten näherbringt. Thomas, die kleine Lokomotive verschlägt es auf seiner Reise an so unterschiedliche Orte wie China, Indien sowie Afrika und kommt hier insbesondere mit der abwechslungsreichen Flora und Fauna in Berührung. Dass das Ganze visuell nicht den Wert großer Animationsstudioproduktionen hat, ist allein schon aufgrund der deutlich beschränkteren, finanziellen Mittel selbstverständlich. Gleichwohl werden die Kinder in der Optik des Films jene aus der Serie wiedererkennen; und schließlich ist diese ja auch eines der nicht unwichtigen Alleinstellungsmerkmale.
 
Doch „Thomas & seine Freunde – Große Welt! Großes Abenteuer!“ erzählt nicht nur von Thomas‘ Eskapaden auf seiner Weltumrundungstour, sondern – ganz wie man es aus diesem Segment der Animationsunterhaltung gewohnt ist – auch über Freundschaft; insbesondere darüber, wie man wahre Freundschaft von vorgegebener unterscheiden kann. Thomas bewundert das kernige Rennauto Ace zwar sehr, doch diese Bewunderung beruht nicht auf Gegenseitigkeit. Erst ganz langsam muss Thomas auf seiner Reise erkennen, dass die zunächst von ihm verstoßene Nia die einzig wahre Freundin für Thomas ist – und ihn eben nicht nur dann ausnutzt, wenn sie ihn gerade braucht. Ohne allzu viele erzählerische Schlenker dürfte diese behutsame, zeitlose Message bereits beim ganz jungen Publikum ankommen. Und ein wenig was zum Mitsingen gibt es natürlich auch.

„Thomas & seine Freunde – Große Welt! Großes Abenteuer!“ ist ein optimal auf die Bedürfnisse von Kleinstkindern zugeschnittenes Filmabenteuer, das mit seinen beliebten Figuren, Kurzweil und einer abwechslungsreichen Kulisse besticht.
 
Antje Wessels