Was Männer wollen

Ob es wirklich ein Remake zum Mel-Gibson-Hit „Was Frauen wollen“ gebraucht hat, sei dahingestellt, mit „Was Männer wollen“ gibt es nun aber die Gender-Swap-Variante, die in Zeiten von #metoo eigentlich etwas auszusagen gehabt hätte, sich aber stattdessen in altbackenen Klischees ergeht. Taraji P. Henson ist eine Agentin für Athleten, wird in ihrer Firma aber bei jeder Beförderung übergangen. Erst als sie auf wundersame Weise die Gabe erhält, die Gedanken von Männern zu hören, läuft es prächtig, aber dabei droht sie, die Liebe ihres Lebens zu verlieren.

Webseite: WasMaennerWollen-Film.de

What Men Want
USA 2019
Regie: Adam Shankman
Darsteller: Taraji P. Henson, Aldis Hodge, Brian Bosworth
Länge: 117 Minuten
Verleih: Paramount
Kinostart: 14. März 2019

FILMKRITIK:

Ali (Taraji P. Henson) arbeitet seit Jahren erfolgreich bei einer Agentur, die Sportler vertritt. Sie rechnet fest mit der Beförderung zum Partner, wird aber wieder einmal übergangen. Durch einen fast schon abstrusen Zufall erhält sie dann die Fähigkeit, die Gedanken von Männern hören zu können. Erst ist das nervig und sie will es wieder loswerden, dann zeigt sich, dass das im Geschäftsleben durchaus Vorteile hat. Aber je besser sie in ihrem Job wird, während sie einen neuen aufstrebenden Basketballspieler umgarnt, desto mehr gerät ihr eigenes Leben aus dem Lot.
 
Die Idee ist ja eigentlich nicht schlecht und bietet sich gerade in heutiger Zeit an, die Umsetzung funktioniert aber gar nicht. Denn die Hauptfigur hätte niemals ihre Fähigkeit des Gedankenlesens benötigt, um Männer zu verstehen. Sie ist in der Charakterisierung und dem Gehabe ohnehin weniger eine Frau als vielmehr die weibliche Version eines Alpha-Männchens. Das ist ihr aber nicht klar, den Menschen in ihrem Umfeld aber schon. Das denkt auch einer der Männer: Denn wenn Ali ein Mann wäre, dann wäre sie ein Arsch. Da sie aber eine Frau ist, muss das natürlich anders sein, aber das macht die Wandlung vom Saulus zum Paulus, die bei „Was Frauen wollen“ noch nachvollziehbar gewesen ist, völlig zunichte.
 
Der Film ist in keiner Sekunde clever – oder für die heutige Gesellschaft relevant. Weil er in der Dekonstruktion der Frau-Mann-Dynamik zerstörerisch ist und sich einzig und allein auf klischierte Chiffren verlässt. Alle Männer sind Schweine. Darauf lässt sich der Film herunterbrechen, da die Ausnahmen von der Regel die andere Seite des Spektrums darstellen. Da ist zum einen Alis schwuler Assistent, zum anderen der Love-Interest, der von Aldis Hodge sympathisch gespielt wird, bei dem aber auch nicht darüber hinweggetäuscht werden kann, dass die Figur so angelegt ist, wie das bei anderen Filmen mit weiblichen Charakteren der Fall wäre. Das mag man schon als größten Coup dieser lauten und schrillen Komödie ansehen, es ist aber wohl eher ein Zufall, dass diese Lesart erlaubt ist.
 
Denn ansonsten hat der Film nichts zu sagen. Wo er die Chance gehabt hätte, einen interessanten Kontra-Punkt zu „Was Frauen wollen“ zu setzen, ist er nur ein lauwarmer Aufwasch, der sein Heil in unflätigem Humor sucht. Dieser Film ist im Grunde das weibliche Äquivalent eines Furz-Witzes.
 
Peter Osteried