We Love To Dance

Die Story vom Maori-Jungen, der lieber tanzen will, als zur Army zu gehen, bietet neben cooler Musik und tollen Dance Moves leichte, aber dennoch intelligente Unterhaltung für ein tanzbegeistertes, jüngeres Publikum. Die Handlung ist dabei, wie im Genre üblich, weniger von Bedeutung als die spektakuläre Choreographie, die von der Hip-Hop-Tanzweltmeisterin Parris Goebel geschaffen wurde. Da geht richtig die Post ab!

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Originaltitel: Born to dance
Neuseeland 2015
Regie: Tammy Davis
Drehbuch: Steve Barr, Hone Kouka, Casey Whelan
Darsteller: Tia-Taharoa Maipi, Stan Walker, Kherington Payne, Jordan Vaha'akolo, Parris Goebel, John Tui
Soundtrack: P-Money
96 Minuten
Verleih: Capelight, Vertrieb: Central
Kinostart: 24. März 2016
 

FILMKRITIK:

Tu ist begeistert vom Street Dance, und er träumt von einer Karriere als Tanzprofi. Seine Truppe besteht aus einem zusammengewürfelten Haufen von Leuten, die meist deutlich weniger ehrgeizig sind als er, aber immerhin sind sie gute Kumpels und Kumpelinen. Eines Tages kommt Tus große Chance: Er kann probeweise in der besten Tanzgruppe des Landes, in der K-Crew, mittanzen, bewirbt sich heimlich und wird aufgenommen. Nun könnte er direkt mit seiner Karriere loslegen, gäbe es da nicht diverse Hindernisse: seinen Vater, der ihn zur Army holen will, seine Tanztruppe, die keine Ahnung von seinen Aktivitäten hat, und schließlich ist da noch Sasha, die talentierte, wunderschöne Freundin des K-Crew-Chefs. Es kommt, wie es kommen muss: Tu verliebt sich in sie …
 
Ehrgeiz, Widerstände, Liebe, Neid und Eifersucht – all das gehört zum Tanzfilm wie die Pirouette. Die Geschichte vom armen Außenseiter, der sich gegen arrogante Schnösel behaupten muss, ist ebenfalls wenig originell. Aber das Besondere an diesem Film ist nicht das Drehbuch, sondern zum einen die Kombination mit Hip-Hop und zum anderen der Bezug zu Neuseeland. Denn Tu ist ein Maori und gehört damit dem indigenen Volk an, das im Film bisher eher mit schweren dramatischen bis tragischen Inhalten als mit flotter Unterhaltung hervortreten durfte. Tammy Davis schafft es, der Story auf diese Weise so viel Lokalkolorit zu geben, dass sie deutlich interessanter wird. Der athletische Hauptdarsteller Tia-Taharoa Maipi als Tu wirkt anfangs noch etwas steif, lockert sich dann aber merklich und zeigt eine glaubwürdige Darstellung als Junge an der Schwelle zum Erwachsenwerden. Kherington Payne spielt die Sasha mit elfenhafter Grazie, und Stan Walker hat als Kane beinahe die beste Rolle. Er ist nicht nur Tus Rivale um Sashas Gunst, sondern auch der unangefochtene Anführer der berühmten K-Crew. Einige Nebenfiguren, wie Tus beste Freundin (Alice Arapai) oder sein Vater (John Tui) peppen die Geschichte zusätzlich auf. So richtig dynamisch wird es dann im letzten Drittel, wenn Tus Truppe gegen die K-Crew antritt. Die Battles zwischen den beiden Tanzgruppen sind absolut sehenswert, machen Spaß und schaffen gute Laune. Parris Goebel, selbst Neuseeländerin und Erfinderin des extravaganten Tanzstils „Polyswagg“, ist die Choreographin und tanzt selbst mit: sehr dynamisch, sexy, selbstbewusst und mit viel Leidenschaft. Tatsächlich: Die junge Dame, ein Star der internationalen Tanzszene, macht aus den Battles sensationelle, mitreißende Nummern, jede für sich ein eigener kleiner Film.
 
Das ist dann ein bisschen wie bei Star Wars: Die liebenswerten, unscheinbaren Underdogs kämpfen gegen die imperialen Truppen. Eigentlich haben sie keine Chance, aber sie geben ihr Bestes, halten zusammen und das Publikum fiebert mit. Auf der Berlinale (Sektion: Generation 14plus) gab es für die einfallsreich choreographierten und temporeich geschnittenen Bilder viel Szenenapplaus von den tanz- und musikbegeisterten jungen Kinofans. Zu Recht!
 
Gaby Sikorski