What Happened to Monday?

Eine überbevölkerte Welt imaginiert „What Happened to Monday?“, in der Eltern nur noch ein Kind bekommen dürfen, von Siebenlingen ganz zu schweigen. Ein tolles, gleichermaßen futuristisches wie zeitgemäßes Konzept verwandelt sich unter der Regie von Tommy Wirkloa in eine durchwachsene, inkonsequente Dystopie.

Webseite: einefamilie-einkind.de/

OT: Seven Sisters
GB/ F/ Belgien/ USA 2017
Regie: Tommy Wirkola
Buch: Max Botkin & Kerry Williamson
Darsteller: Noomi Rapace, Glenn Close, Willem Dafoe, Robert Wagner, Marwen Kenzari, Tomiwa Edun
Länge: ca. 120 Minuten
Verleih: Splendid Film, Vertrieb: Paramount
Kinostart: 12. Oktober 2017

FILMKRITIK:

Die Überbevölkerung der Welt hat immer mehr zugenommen, so dass die Weltregierung nur noch eine Lösung sah: Eine strikte Ein-Kind-Politik, die den Bevölkerungswachstum zumindest mindern soll. Davon ist im Jahre 2073 allerdings nicht viel zu sehen, die Straßen sind drückend voll, das Ministerium für Kinderzuweisung wacht über die Ordnung und versetzt überschüssige Kinder, deren Eltern sie verstecken wollten, in künstlichen Schlaf. Geleitet wird die Organisation von Nicolette Cayman (Glenn Close), die der Menschheit eine Lösung aller Probleme versprochen hat.

Kein Wunder also, dass sie das Problem Karen Settman möglichst ohne großes Aufsehen lösen will: Denn Karen Settman (Noomi Rapace) gibt es siebenfach. In einer großen Wohnung leben die Schwestern, benannt nach den Wochentagen und trotz des gleiche genetischen Codes mit völlig unterschiedlichen Interessen und Fähigkeiten. Und genau so hat sich das ihr alleinerziehender Großvater Terrence (Willem Dafoe) auch vorgestellt. Immer nur eine der Schwestern kann vor die Tür gehen, kann ein relativ normales Leben führen. Abends müssen die anderen Schwestern auf den selben Stand gebracht werden, damit sie sich nicht verraten. Über 30 Jahre lang hat dieser Plan funktioniert, doch an einem Montag Abend, kommt Montag nicht mehr nach Hause, zur großen Sorge ihrer Schwestern Dienstag bis Sonntag.

Ein tolles Konzept ist die Basis des dystopischen Science-Fiction-Film von Tommy Wirkola, dessen Grundidee gar nicht so weit hergeholt ist: Jahrelang praktizierte die chinesische Regierung eine Ein-Kind-Politik, deren Folgen war, dass inzwischen die Anzahl der heiratswilligen Männer, die der potentiellen Frauen um einiges übersteigt. Nicht unbedingt eine sinnvolle Lösung des fraglos drängenden Problems der Überbevölkerung, dass schon in Filmen wie „Kingsmen- The Secret Service“ oder „Inferno“ mit radikalen, um nicht zu sagen, massenmörderischen Methoden, angegangen werden sollte.

Auch in „What Happened to Monday?“ ist die von Glenn Close gespielte Antagonistin also nicht von finsterer Bosheit angetrieben, sondern verfolgt ein durchaus nachvollziehbares Ziel. Doch die möglichen Ambivalenzen dieser Figur werden ebenso verschenkt wie andere Ansätze, die nur potentiell spannend bleiben. Was etwa die erzwungene Isolation mit den sieben Schwestern macht, wie es sich auf deren Psyche auswirkt, nicht ein einzelnes Individuum zu sein, sondern nur der Teil eines Ganzes wären Fragen gewesen, die ein besserer Science-Fiction-Film nicht nur angedeutet hätte.

Doch Wirkola ist vor allem ein Handwerker, ein Genrefilmer, der mehr Interesse an oberflächlichen Spannungsmomenten hat, als an Substanz. Um wirklich überzeugendes, bildgewaltiges Genre-Kino zu filmen fehlte bei dieser internationalen Co-Produktion jedoch augenscheinlich das Geld. Noch viel mehr allerdings eine Haltung zu einem an sich spannenden Thema, dass die Menschheit in den nächsten Jahrzehnten zwangsläufig beschäftigen wird, allerdings mit hoffentlich anderen Lösungen als in dieser durchwachsenen Dystopie.
 
Michael Meyns