2 Tage New York

Vor sechs Jahren verbrachte Julie Delpy als neurotische Marion mit ihrem Freund aus New York zwei chaotische Tage bei ihrer Familie in Paris. Jetzt kehrt der verrückte französisch-amerikanische Clan zurück auf die Leinwand. Diesmal spielt die Geschichte im Big Apple, Stand-Up-Comedian Chris Rock ist neu dabei. Die Beziehungen haben sich weiter verkompliziert, das Tempo verschärft. Insofern spürt die Fortsetzung intuitiv der sich immer weiter steigernden Hektik unserer Zeit nach. Schade nur, dass sie nicht mehr den Charme des ersten Teils erreicht.

Webseite: www.senator.de

USA 2012
Regie: Julie Delpy
Drehbuch: Julie Delpy, Alexia Landeau, Alex Nahon
Darsteller: Julie Delpy, Chris Rock, Alexia Landeau, Alex Nahon, Albert Delpy, Emily Wagner, Dylan Baker
Laufzeit: 91 Minuten
Verleih: Senator
Kinostart neu: 5. Juli 2012

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

In sechs Jahren kann viel passieren: Marion (Julie Delpy) hat sich von ihrem Freund Adam getrennt und lebt nun in New York mit dem Journalisten und Radiomoderator Mingus (Chris Rock) zusammen. Beide haben Kinder mit ihren vorherigen Partnern, was regelmäßig für Stress sorgt. Der wahre Belastungstest für die junge Beziehung steht allerdings in Form von Marions Familie vor der Tür. Die Mutter ist inzwischen verstorben und Papa Jeannot (Albert Delpy) gebärdet sich exzentrischer denn je; außerdem hat er Marions neurotische Schwester Rose und deren haschrauchenden Freund Manu im Schlepptau. Und während die Sippe mit Verve Besitz des Appartements ergreift, versucht Marion auch noch so ganz nebenbei, ihre erste Foto-Ausstellung vorzubereiten, bei der sie als PR-Gag ihre Seele versteigern lässt…

Eine Patchwork-Familie taumelt am Rande des Burnout – Julie Delpy nimmt den Faden von „Zwei Tage in Paris“ wieder auf und spinnt ihn in unsere noch stärker verdichtete Gegenwart weiter. Dabei greift sie auf die bekannten Zutaten zurück: Das Figurenarsenal besteht aus Stadtneurotikern von dies- und jenseits des Atlantiks, deren liebenswerte Verrücktheit durch den Zusammenprall der Kulturen bei einem Familientreffen wie in einem Druckkochtopf hochkocht. Diesmal geschieht das in New York, der Heimatstadt von Woody Allen, dessen Werk natürlich Pate stand für Delpys Filme. Während der Altmeister nun sein sanftes Spätwerk in Europa dreht, macht sich die rauere Atmosphäre von Manhattan auch in der hektischen Gestaltung von „Zwei Tage in New York“ bemerkbar. Von französischem Esprit ist jedenfalls nichts mehr übrig, und das bekommt dem Film leider nicht gut.

„Zwei Tage in New York“ ist vor allem eins: hysterisch. Und das von Anfang an. Die Geschichte bekommt in Delpys Inszenierung nie Luft zum Atmen: Es wird gleich zu Beginn wild gefuchtelt, gestikuliert und nach Luft geschnappt. Der Adrenalinspiegel liegt schon vor der Ankunft von Marions Familie so hoch, dass er sich danach kaum noch steigern lässt und sich der Einfall der Franzosen in eine stellenweise besinnungslose Kakophonie steigert. Der Eindruck verstärkt sich noch durch Gags, die auf den immer gleichen kulturellen Klischees herumreiten, und ihre Diskrepanz zum Tohuwabohu auf der Leinwand. Auch die Führung der Schauspieler will Delpy nicht gelingen, vor allem Chris Rock spielt fast immer gehemmt und selten natürlich. Am besten sind noch seine Szenen, in denen er sich in Stand-Up-Comedy-Manier mit einem Pappkameraden von Barack Obama unterhält, aber diese sind wiederum nicht organisch in die Geschichte eingebunden.

Man kann erahnen, dass Delpy ein mit leichter Hand inszeniertes Chaos vorschwebte, aber das Ergebnis ist leider schwerfällig und ohne Witz. Immerhin gibt es gegen Ende noch einen sehenswerten Auftritt von Vincent Gallo, der sich über sein eigenes Künstler-Image als Schauspieler/Regisseur/Model lustig macht. Und Julie Delpy bringt im Finale etwas Warmherzigkeit in ihren Film zurück, indem sie die Familie, diesen anstrengenden, aufreibenden Haufen dann doch noch einmal hochleben lässt.

Oliver Kaever

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