2 Tage Paris

Das französische Mulititalent Julie Delpy legt mit Zwei Tage Paris ihre bislang gelungenste Arbeit als Regisseurin vor. Mit ihr selbst in der Hauptrolle erzählt sie auf leichte, amüsante Weise von Beziehungen und den Unterschieden zwischen Amerikanern und Europäern. Deutlich beeinflusst wurde sie dabei von Richard Linklater, mit dem sie die ähnlich gelagerten Beziehungsfilme Before Sunrise und Before Sunset gedreht hat.

Webseite: www.2tage-paris.de

OT: Deux jours à Paris
Frankreich 2006
Regie und Buch: Julie Delpy
Kamera: Lubomir Bakchev
Schnitt: Julie Delpy
Musik: Julie Delpy
Darsteller: Julie Delpy, Adam Goldberg, Daniel Brühl, Albert Delpy, Marie Pillet, Adan Jodorofsky
96 Minuten, Format 1:1,85
Verleih: 3L Filmverleih
Kinostart: 17. Mai 2007

PRESSESTIMMEN:

 

Eine herrlich gemeine Kulturschock-Komödie, bei der es am Ende nur einen Gewinner gibt: den Zuschauer.
Stern

Eine amüsante Melange aus Komödie und Stadtporträt. Mit ungezügelter kindlicher Häme und großem Sprachwitz nimmt sie sich Paris-Klischees vor.
Der Spiegel

Temporeiche Liebeskomödie mit pointierten Dialogen, zugleich eine bissige Gesellschaftssatire über die Unterschiede zwischen Amerika und dem „alten“ Europa. Ein intelligentes Filmvergnügen als Regiedebüt der überzeugenden Hauptdarstellerin. – Sehenswert.
film-dienst

Ein Pointen-Feuerwerk von der ersten bis zur letzten Minute. …eine spritzige Komödie über die Liebe, mit viel französischem Charme.
3SAT

Wie ein früher Woody Allen.
Frankfurter Allgemeine Zeitung

"…eine hinreißende Komödie um die kulturellen Eigenheiten von Amerikanern und Franzosen.“
Schnörkellos, mit beeindruckendem Timing und Hintersinn illustriert Julie Delpy den Culture-Clash.
tip berlin

"… eine herrlich obszöne Pärchen-Komödie.
Stern

FILMKRITIK:

An einem schönen Sommertag kommen Marion (Julie Delpy) und Jack (Adam Goldberg) in Paris an. Es soll ein kurzer Besuch in Marions Heimatstadt werden, bevor sie weiter nach New York reisen, wo sie seit Jahren zusammenleben. Bislang hat sich ihr gemeinsamer Urlaub als schwierig herausgestellt, der Traumurlaub in Venedig förderte nicht das Verliebtsein, sondern brachte kleine Probleme und Missverständnisse an die Oberfläche. Ob Paris allerdings der richtige Ort für eine gründliche Aussprache ist, scheint fraglich, trifft Marion doch an jeder Ecke Exfreunde und –Geliebte, die Jacks Vorstellungen vom lüsternen Leben in Europa zu bestätigen scheinen. Er selbst ist das Paradebeispiel eines neurotischen New Yorkers, und somit ideale Projektionsfläche für Klischeevorstellungen aus europäischer Perspektive.

Und genau dieses Wechselspiel der gegenseitigen (falschen) Wahrnehmung spielt Julie Delpy lustvoll aus. Während Marion ein in Jacks Augen viel zu enges Verhältnis zu ihren Exfreunden pflegt und ohnehin schon viel zu viele gehabt hat, muss Jack mit den Vorurteilen von Marions Eltern leben, die eine übersteigerte Version des französischen Antiamerikanismus sind. Aus deutscher Sicht interessant ist schließlich Daniel Brühl in einer kleinen Rolle als eine Art globalisierungskritischer Götterbote, der Jack in einem Schnellimbiss dazu rät, bei Marion zu bleiben, bevor er einen Anschlag auf das Symbol des Kapitalismus verübt.

Schon bei Before Sunset arbeitete Julie Delpy zusammen mit ihrem Filmpartner Ethan Hawke und Regisseur Richard Linklater am Drehbuch mit, mit dem Ergebnis einiger der pointiertesten Dialoge über Lust und Leid von Beziehungen der jüngeren Vergangenheit. Ihr eigener Film ist wesentlich leichter und humorvoller als Linklaters eher melancholisch, ernsthafter Blick und auch in Form und Struktur kommt Delpy als Regisseuren (noch) nicht an Linklater heran. Besonders, dass sie sich zu Beginn und am Ende einer ausufernden Erzählerstimme bedient, um die Situation und die Figuren einzuführen, bzw. zu einem Ende zu bringen zeugt davon, dass es ihr nicht wirklich gelungen ist das Spiel aus Streit und Versöhnen zu einem organischen Ende zu führen. Doch das ist der einzige Schwachpunkt des Films.

Optisch bedient sich Delpy einer mobilen Handkamera, die den beiden Darstellern durch die engen Gassen und Hinterhöfe Paris folgt, ohne sich in den Postkartenklischees zu ergehen, die ortsfremde Regisseure allzu oft wählen. Inhaltlich wiederum gelingt es Delpy auf ausgesprochen witzige Weise die wechselseitigen Klischees und Vorurteile Amerikas und Frankreichs darzustellen – die sie als in Frankreich geborene und aufgewachsene Schauspielerin, die jedoch auch Jahrelang in Amerika gelebt hat, von beiden Seiten kennt –, ohne dabei die eine Seite gegen die andere auszuspielen. Macken und merkwürdige Eigenheiten sind auf beiden Seiten des Atlantiks vorhanden, doch selten wurden sie so sympathisch geschildert wie in Zwei Tage in Paris.

Michael Meyns

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Marion und Jack verbrachten ein paar Urlaubstage in Venedig. Jetzt, auf der Rückreise, wollen sie sich zwei Tage bei Marions Eltern in Paris aufhalten. Familienpflege und ein wenig Sightseeing. Marion ist Französin, Jack Amerikaner. Die Zeit in Venedig war schon nicht ganz unproblematisch. Doch jetzt in Paris soll es noch dicker kommen. Denn Marion ist völlig anders veranlagt als ihr Freund. Sie liebt Jack, doch früher hat sie anscheinend nichts ausgelassen. Und eine ganze Reihe von ihren Ex-Geliebten trifft sie jetzt wieder. Sie findet ganz und gar nichts dabei. Jack ist da viel puritanischer. Er ist darüber erstaunt, betrübt und empört. Auch darüber, „dass alle Franzosen sowieso ständig nur über Sex oder die Dummheit der Amerikaner reden“. Ist Marion für ihn doch nicht die Richtige?

So geht das die zwei Tage: miteinander schlafen, essen und Schwätzchen mit den Eltern, Touristenprogramm, Ausstellungsbesuch, Party, Trennung. Vielleicht doch noch Happy End?

Julie Delpy kannte man bisher nur als Schauspielerin, als gute noch dazu. Nun hat sie für „Zwei Tage Paris“ das Drehbuch geschrieben, Regie geführt, die Musik mit arrangiert und eine der Hauptrollen (Marion) übernommen. Auch ihre wirklichen Eltern (Marie Pillet und Albert Delpy) sowie ihre Freundin (Alexia Landeau im Film als Marions Schwester) spielen mit. Aus Deutschland ist Daniel Brühl dabei. Adam Goldberg als Jack zieht sich sehr gut aus der Affäre.

Das Ganze ist ein sehr unterhaltsamer Cocktail geworden, belanglos, aber amüsant. Rasch lösen sich originelle und bunte Ideen, Situationen, Wendungen und Repliken ab. Viele Dialoge wirken – auch mit politischen Seitenhieben – gelungen platziert. Man lässt sich’s gefallen und verbringt angenehme anderthalb Stunden. Formal und regiemäßig läuft alles glatt ab. Kein Meisterwerk, aber in seinem Genre so etwas wie ein kleines Meisterstück.

Thomas Engel