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Viel Schwung und Tempo gibt’s in diesem kleinen Dokumentarfilm über zwei junge Leute mit einem großen Traum – die Olympiateilnahme im Breaking: BGirl Joanna in Dresden und BBoy Said in München wollen unbedingt beide in den deutschen Olympiakader. Um in den Ranking Battles dafür die erforderlichen Punkte zu sammeln, müssen sie nicht nur hart trainieren, sondern auch verletzungsfrei bleiben und viele private Herausforderungen bewältigen.
Die Dokumentarfilmerin Maike Conway hat die beiden Sporttalente über mehrere Jahre begleitet, durch Siege und Niederlagen, Verletzungspech und Familienprobleme. Nebenbei stellt Conway die neue olympische Sportart vor. Ihr Film ist eine temporeiche, musik- und bildstarke Reise in eine Sportwelt abseits der Schlagzeilen.

Webseite: https://www.cineglobal.de/break/

Dokumentarfilm
Deutschland, 2023
Buch und Regie: Maike Conway
Kamera: Tobias Tempel
Musik: Ami Warning, Jamaram, FergeXFisherman, BOTY Soundtrack

Länge: 90 Minuten
Verleih: Cine Global
Start: 20. Juni 2024

FILMKRITIK:

Breaking – das ist viel mehr als Breakdance, wobei letzteres ohnehin ein lediglich in den Medien geprägter Begriff ist, der in Breakerkreisen noch nie existiert hat. So etwas wie Lehrersprache also, ein Ausdruck für einen Sport, der nicht nur den ganzen Körper in Anspruch nimmt, sondern auch das gesamte Leben prägt. Denn die BBoys und BGirls, die dazugehören (oder dazugehören wollen), müssen sich ständig in Battles gegeneinander beweisen. Ein bisschen merkwürdig ist es schon, dass das Breaking nun olympisch wird. Denn unter anderem gab es kaum Strukturen, die dafür geeignet waren. Ursprünglich war das Breaking ein Teil der musikalischen HipHop-Subkultur und wurde zuerst in den 1970er Jahren von Jugendlichen in der New Yorker Bronx praktiziert, auch als Alternative zu den damals verbreiteten Straßen-Gangs. Den Touch von Subkultur und Subversivität hat das Breaking bis heute behalten – sie machen neben den unglaublichen körperlichen Anforderungen einen großen Teil der Anziehungskraft aus, die junge Leute mit dem Tanzstil verbinden.

BBoy Said, eigentlich Serhat, aus München träumt davon, mit seiner Olympia-Teilnahme das Breaken in ganz Deutschland bekannt zu machen. Seine Familie, Uiguren aus dem Nordwesten Chinas, kam Ende der Neunziger Jahre nach Deutschland. Er begann als kleiner Knirps mit dem Breaking. 10 Jahre lang hat er immer nur verloren, und trotzdem ist er dabeigeblieben. Das Breaken ist sein Leben. Said/Serhat kämpft in den Breaking-Battles nicht nur für sich alleine, sondern auch für den Erhalt der uigurischen Kultur, die von der chinesischen Regierung seit Jahrzehnten unterdrückt wird. „Beim Breaken ist es egal, woher du kommst“, sagt er. Seine Breaking-Familie, die Sankofa-Crew, gibt ihm den nötigen Rückhalt. Man trainiert zusammen, tritt gemeinsam bei Wettkämpfen an und unterstützt sich.

Auch BGirl Joanna gehört einer Crew an: die Saxonz aus dem Raum Dresden, Chemnitz, Leipzig. Sie hat erst relativ spät – als 15-Jährige – mit dem Breaken angefangen. Auch für sie ist der Sport mehr als ein Hobby, ein wichtiger Teil ihres Lebens, das mit ihrem Psychologiestudium und mit ihrer kleinen Familie eigentlich schon ausgefüllt genug ist.

In lockeren, toll durchgestylten Bildfolgen und mit einem sehr coolen Soundtrack stellt Maike Conway ihre beiden Protagonisten vor und begleitet sie durch ihr Leben – in der Familie, bei den Battles, beim Training und im Beruf, während der Druck auf die beiden angesichts der näher rückenden Olympiaqualifikation immer größer wird. Nebenbei kann man noch eine Menge über das Breaken und die teils ungeschriebenen Regeln dazu erfahren. Im Mittelpunkt des Films steht aber eigentlich Joannas und Serhats unglaubliche Motivation, für ihren Traum buchstäblich alles zu geben.

 

Gaby Sikorski