972 Breakdowns – Auf dem Landweg nach New York

Was früher der Dia-Abend war ist heute die private Reisedokumentation. Im Fall von „972 Breakdowns – Auf dem Landweg nach New York“ bedeutet das: Fünf Freunde bei ihrer Motorradtour zu begleiten, die allerdings nur in Momenten aus tatsächlicher Bewegung besteht, sondern – wie der Titel schon andeutet – vor allem aus Reparaturen der Motorräder.

www.aufdemlandwegnachnewyork.com

Deutschland 2019 – Dokumentation
Regie: Daniel von Rüdiger
Länge: 115 Minuten
Verleih: leavinghomeproduktion/ Die Filmagentinnen
Kinostart: 3. September 2020

FILMKRITIK:

In Halle lernten sie sich während ihres Kunststudiums kennen: Die Deutschen Anne, Elisabeth und Johannes, Efy aus Zypern und Kaupo aus Estland. Von Motorrädern haben sie zwar keine Ahnung, die entsprechenden Führerscheine sind noch druckfrisch, dennoch machte sich das Quintett nach dem Studium auf eine kleine Tour: Auf dem Landweg nach New York soll es gehen, ein Vorhaben, bei dem jeder mit Geographie vertraute stutzen dürfte, denn zwischen dem asiatischen und dem amerikanischen Kontinent liegt bekanntermaßen die Beringstraße und die ist schon seit tausenden Jahren eisfrei.

Ob dem abenteuerlustigen Quintett dieses kleine Hindernis bewusst war ist nicht ganz klar, angesichts der oft auch bewusst zur Schau gestellten Naivität, mit der man sich auf den Weg gemacht hat, scheinen Zweifel durchaus angebracht. Auf die über 40.000 Kilometer (und eine eisige Meerenge) lange Reise hat sich das Quintett offenbar nicht allzu gut vorbereitet, mal überrascht der Regen, mal das Fehlen von vernünftigen Straßen, mal der harte Winter in Sibirien.

Und auch mit den Fahrobjekten kennt man sich nur bedingt aus: Ural 650 Motorräder wurden gewählt, besonders einfach gebaute Räder, deren besondere Qualität vor allem darin liegt, dass sie keine speziellen Einzelteile benötigen, sondern sich auch durch Improvisation reparieren lassen. Und das ist immer und immer wieder nötig.
Gerade die unwegsamen Straßen, Schotterpisten und Wege, die das Quintett auf seine Reise passiert, lassen fast täglich dies oder jenes Teil defekt werden. Mal ist es die Kurbelwelle, mal der Vergaser, mal eine Kette und mal wird auch einfach nur das Nummernschild verloren. Oft können die dank ihres Kunststudiums auch handwerklich nicht ungeschickten Protagonisten ihre Maschinen selbst reparieren, oft verlassen sie sich auf die Hilfe von freundlichen Einheimischen.

Und das diese gerne und oft helfen ist roter Faden eines gewissermaßen statischen Road-Movies, dass gefühlt die meiste Zeit seiner Spieldauer in Werkstätten gefilmt wurde. Helfende Hände in der Mongolei, Russland, Kanada und den USA greifen zu, so dass der Zuschauer am Ende der überlangen 115 Minuten fast selbst zu einem Experten für die Ural 650 geworden ist.

Der Erkenntnisgewinn über Land und Leute, die auf den über 40.000 Kilometer passiert werden hält sich dagegen in Grenzen. Die ersten Länder werden gar ohne Bilder abgehakt, möglicherweise waren die Straßen in den osteuropäischen Ländern noch so gut, dass die Reise schnell, ohne Pannen und damit ohne Drehpause voranging. Erst in Russland beginnen die filmischen Aufnahmen und die Probleme.

Ein durch und durch subjektiver Film ist dabei herausgekommen, mit einfachen Digitalkameras gefilmt, im Schnitt vom Debütregisseur Daniel von Rüdiger in Form gebracht. Aus den über 500 Stunden Material hat er einen Film über die Lust am Abenteuer geschnitten, die vor allem Freunde von waghalsigen Motorrad-Touren ansprechen dürfte.

Michael Meyns