A Bigger Splash

Erstaunlichen Kultstatus hat Jacques Deray "Der Swimmingpool" seit 1969 bekommen und ist nun nach François Ozons "Swimming Pool" erneut Vorlage für ein Remake: Luca Guadagninos "A Bigger Splash" folgt der Vorlage genau, eine nur bedingt gute Idee. Den Vergleich zum Duo Alain Delon/ Romy Schneider kann man kaum gewinnen und so ist diese sinnliche, wilde Neuverfilmung immer dann gut, wenn sie eigene Wege geht.

Webseite: www.a-bigger-splash.de

Italien 2015
Regie: Luca Guadagnino
Buch: David Kajganich
Darsteller: Ralph Fiennes, Tilda Swinton, Matthias Schoenaerts, Dakota Johnson, Aurore Clement, Elena Bucci
Länge: 124 Minuten
Verleih: Studiocanal
Kinostart: 5. Mai 2016
 

Pressestimmen:

"Eifersuchtsdrama, Krimi und Komödie in einem – und eine wunderbare Hommage an einen Klassiker. (…) Regisseur Guadagnino hätte an seinem großen Vorbild ("Der Swimming-Pool" mit Romy Schneider und Alan Dailon; Anm.d.Red.) scheitern und 'A Bigger Splash' als Bauchklatscher enden können. Tatsächlich hat er den nächsten Klassiker geschaffen."
DER SPIEGEL

FILMKRITIK:

Ganz still ist es zu Beginn, noch stiller als in der abgelegenen Landschaft der kleinen sizilianischen Insel Pantelleria ohnehin. Hierhin haben sich der Kameramann Paul (Matthias Schoenaerts) und die Sängerin Marianne (Tilda Swinton) zurückgezogen, hier wollen sie sich erholen, hier sollen die frisch operierten Stimmbänder Mariannes genesen, die sie zum fast vollständigen Schweigen verdammen. So harmonisch ist das Paar, so offensichtlich auch nach sechs Jahren noch verliebt, dass Worte auch gar nicht nötig scheinen.

Um so extremer der Kontrast, als mit Mariannes Ex-Produzent und vor allem Ex-Lover Harry (Ralph Fiennes) ein Mann hineinplatzt, der kaum einmal den Mund halten kann. Als wäre er konstant auf Drogen bewegt sich Harry durchs Leben, scheinbar vollständig überzeugt von seiner Brillanz und seinem Charme. Zu allem Überfluss hat er auch noch seine halbwüchsige Tochter Penelope (Dakota Johnson) mitgebracht, womit es mit der Ruhe endgültig vorbei ist.

Auch wenn man Jacques Derays Original nicht kennt, wird angesichts der Figurenkonstellation schnell klar, worauf die Geschichte hinausläuft: Harry, der Marianne einst zu ihrem Schutz verlassen hat, will seine Ex-Geliebte zurück. Dass er es war, der Marianne mit Paul verkuppelte, macht die Situation nur noch delikater, zumal Harry und Marianne berühmte Stars sind, während Paul sich mehr schlecht als recht als Kameramann durchschlägt und sich inzwischen augenscheinlich von Marianne aushalten lässt. Fragen von verletzter männlicher Eitelkeit, dem Kontrast zwischen wildem Rockstarleben und beschaulichen, geradezu bürgerlichem Dasein scheinen Guadagnino zu interessieren. Scheinen, denn kaum das er ein Thema angedeutet hat, lässt er es für das nächste links liegen, in seiner unkonzentrierten Sprunghaftigkeit die Figur des Harry spiegelnd, dem eigentlichen Zentrum des Films.

Inhaltlich wirkt "A Bigger Splash" bisweilen zerfahren, doch immer wenn Ralph Fiennes zu sehen ist, kann man sich der Energie, dem Exzess seiner Darstellung nicht entziehen. Oft spielte Fiennes bislang Variationen des distinguierten Briten, zurückhaltend, vornehm, ja, fast snobistisch. So wurde er im "Englischen Patient" berühmt, so stolzierte er zuletzt durch das "Grand Budapest Hotel", doch hier zeigt er eine ganz andere Seite. Gerade in den ersten 30, 40 Minuten, wenn Guadagnino die Figurenkonstellation etabliert, vor allem das hedonistische Leben beobachtet, dass das Quartett und sie besuchende Freunde in und um den zentralen Swimmingpool zelebrieren.

Hier kommt auch der Titel "A Bigger Splash" ins Spiel, eine Anspielung an das gleichnamige Pop-Art Gemälde des britischen Künstlers David Hockney. Wie so vieles in Luca Guadagnino erotischem Reigen wird auch dieser Verweis in den Raum gestellt, deutet Bezüge an, die aber nicht weiter ausgeführt werden. Eine gleißende, bunte Oberfläche aus Bildern, Körpern, Emotionen und viel Musik entsteht, die eine ganze Weile mitreißend zu beobachten ist (und im Fall von Ralph Fiennes bis zum Ende), die aber auf Dauer nicht kaschiert, dass unter der Oberfläche wenig Substanz ist. Doch genau das könnte der eigentliche Punkt eines Films sein, der das Leben der Schönen und Reichen zunächst mit ganzer Inbrunst zelebriert – um es dann zu zerstören.
 
Michael Meyns