A Cure for Wellness

Mit dem „Fluch der Karibik“-Franchise avancierte Gore Verbinski zum Goldesel von Hollywood. Nun präsentiert er eine schaurig schöne Gruselgeschichte um Gier und Gesundheitswahn: Ein junger Banker erlebt in einem Schweizer Sanatorium einen unheimlichen Höllentrip, der ihn nicht nur ein paar Zähne, sondern fast den Verstand kosten wird. Der Horror im Heilbad ist hübsch angerichtet, setzt mit eleganten Rückblenden auf Suspense statt auf pure Schockeffekte. Vor allem das visuelle Konzept überzeugt durch Einfallsreichtum. Ein bisschen „Zauberberg“ weht da auf der schwäbischen Burg Hohenzollern. Denn gedreht wurde das Spektakel in Deutschland. Dafür gab es märchenhafte 9,4 Millionen Euro Fördergeld – bleibt abzuwarten, ob sich Verbinski beim „Scheck-is-back“-Termin gleichfalls als Goldesel erweisen wird.

Webseite: CureForWellness-Film.de

USA 2017
Regie: Gore Verbinski
Darsteller: Dane DeHaan, Mia Goth, Jason Isaacs,
Filmlänge: 146. Minuten
Verleih: FOX
Kinostart: 23.2.2017

FILMKRITIK:

Es sieht nicht gut aus für den „Verkäufer des Jahres“. Bis in die Nacht verfolgt er im Büro hektisch die Aktienkurse. Für den versiegelten Brief auf seinem Schreibtisch hatte der Manager noch keine Zeit. Als er ihn endlich öffnet, ist es spät. Für den jungen Börsenmakler Lockhart (Dane DeHaan) läuft es sehr viel besser. Frisch befördert, hat er eines der prestigeträchtigen Eck-Büros in der oberen Etage des Finanzhai-Aquariums bezogen. Noch mehr Macht und Reichtum lockt, wenn er für den Aufsichtsrat einen delikaten Job ausführt: Er soll den abtrünnigen Vorstandschef Pembroke zurückholen, der sich plötzlich in ein luxuriöses Sanatorium in der Schweiz abgesetzt hat und keine Lust mehr auf Big Business hat.
 
Peanuts, denkt sich der ehrgeizige Aufsteiger, mit seinem Verhandlungsgeschick hat noch jeden über den Tisch gezogen. Im hochalpinen Sanatorium angekommen, scheitert er allerdings sogleich an den Besuchszeiten. Unheimliche Dinge gingen hier vor, warnte der Chauffeur bereits bei der Anreise. Keinen der reichen Patienten hätte er je wieder zurückgefahren. Viel mehr beunruhigt den Nachwuchs-Manager allerdings, dass er keinen Handy-Empfang in der abgelegenen Heilanstalt hat – dass dies schon bald sein winzigstes Problem sein sollte, ahnt Lockhart noch nicht.
 
Der überaus freundliche Doktor Volmer (Jason Isaacs) erklärt dem Gast gerne die seltsamen Methoden seiner vornehmen Klinik. Das ganz spezielle Wasser aus seinem besonderen Brunnen würde wahre Wunder vollbringen. Tatsächlich scheinen alle Patienten völlig begeistert von dieser Trinkkur, Pembroke inklusive. Doch der junge Manager muss den Magnaten unbedingt nach New York zurückbringen. Die Mission gerät jedoch zunehmend schwieriger. Als die betörend schöne Patientin Hannah (Mia Goth) auftaucht, nehmen die Dinge eine ganz neue Wendung.
 
Bevor er mit seinen Karibik-Depp-Piraten dreimal in Folge enorm erfolgreich die Charts enterte, hat Regisseur Verbinsiki mit seinem „The Ring“-Remake beweisen, dass er ein gutes Händchen fürs Grusel-Genre hat. Auch bei diesem Horrorstück um ein Heilbad mit mysteriöser Vergangenheit setzt er auf eine raffinierte Konstruktion der Story sowie ein ausgefeiltes visuelles Konzept. Weil Wasser den zentralen Kern der Geschichte darstellt, dient dessen reflektierende Oberfläche vielfach für verblüffende Effekte der eleganten Art. Für krude wissenschaftliche Experimente lässt sich das flüssige Elemente gleichfalls bestens nutzen, erst recht in einem schaurig schönen Frankenstein-Laboratorium, dessen düster museale Einrichtung aus einem Tim Burton-Film stammen könnte.
 
In Sachen Schauwerte und Ausstattung können sich die deutschen Drehorte allemal sehen lassen. Sei es das ehemalige Militärkrankenhaus Beelitz-Heilstätten nahe Potsdam. Oder die imposante Burg Hohenzollern, die schon Regie-Genie Stanley Kubrick für sein Opus „Barry Lyndon“ nutzte. Den Stammsitz der Preußen verlegt Verbinski tricktechnisch in die Alpen, was für eine eindrucksvolle Kulisse sorgt – künftige Touristen freilich desillusionieren dürfte, bietet sich ihnen dort in Wirklichkeit lediglich ein karger Blick auf die Schwäbische Alb.
 
Eine geringere Dosis an verquaster Philosophie hätte dieser Mad-Scientist-Schauergeschichte kaum geschadet, ebenso wie eine Überlängen-Diät. Bei der Stil-Note holt Verbinski indes unbestritten die volle Punktzahl.
 
Dieter Oßwald