A Man Can Make a Difference

Eine unglaubliche Biographie: Es geht um Benjamin Ferencz, Jahrgang 1920, Jurist und bis heute Anwalt gegen das Vergessen. Als junger Mann wurde er zum Chefankläger in Nürnberg und Mitbegründer der rechtlichen Basis für internationale Kriegsverbrecherprozesse. Er berichtet mit sprudelnder Intelligenz und pfiffigem Witz aus seinem Leben und von seiner Arbeit, denn er ist immer noch aktiv. Dank Ben Ferencz und vielen Originalbildern aus 95 Jahren Weltgeschichte wird der Film von Ullabritt Horn zu einem ungeheuer verdichteten Appell für den Frieden und ist gerade für junge Leute ein wunderbar Mut machendes Beispiel für einen konsequenten Humanismus.

Webseite: www.wfilm.de

Deutschland 2015 – Dokumentation
Regie: Ullabritt Horn
89 Minuten
Verleih: W-Film
Kinostart: 12. November 2015
 

Pressestimmen:

"Regisseurin Ullabritt Horn zeichnet in ihrem Film nicht nur das Bild des letzten noch lebenden Chefanklägers, sondern gibt einen Einblick in das Leben des noch immer sehr engagierten Mannes, der sich unbeirrt für das Völkerrecht einsetzt.2
ARD titel these temperamente

FILMKRITIK:

Als Säugling kam Benjamin Ferencz mit seinen ungarisch-rumänischen Eltern nach New York, wo er in dem berüchtigten Viertel „Hell’s Kitchen“ aufwuchs. Klein, zäh und schlau, wie er war, gelang es ihm, sich aus allen Auseinandersetzungen herauszuhalten und zwischen den rivalisierenden Gangs zu überleben. Ein Stipendium ermöglichte ihm das Jurastudium. 1944 kam er als Soldat nach Europa und wurde damit beauftragt, Nazikriegsverbrecher zu verfolgen und anzuklagen. Tatsächlich gab es damals noch keine Gesetzgebung für diese Zwecke. Die Verfolgung der NS-Verbrechen war Bestandteil der alliierten Vereinbarungen nach der deutschen Kapitulation, aber niemand hatte sich Gedanken darüber gemacht, dass es gesetzliche Grundlagen dafür geben musste. Auf diese Weise wurde Ferencz zum Mitbegründer eines internationalen Völkerrechts, das die Verfolgung von Kriegsverbrechen und die Verurteilung der Täter erlaubte.
 
Er hat alles gesehen, dieser freundliche alte Herr, der so locker, lustig und weise aus seinem Leben erzählt. Nur selten, aber dafür umso einprägsamer sind die Schockbilder aus KZ’s, von verfolgten und leidenden Menschen oder von den Schlachtfeldern dieser Erde seit dem 2. Weltkrieg, von denen es leider viel mehr gibt, als man wahrhaben möchte. Als unermüdlicher Kämpfer für den Frieden macht Ben Ferencz keinen Unterschied zwischen Vietnam und Syrien, zwischen dem Irak und dem Kossovo – für ihn ist jeder Krieg unmenschlich. Mit Herz und Verstand kämpft er seit 70 Jahren für die Opfer. Er spielte eine große Rolle in der Entwicklung des UN-Völkerrechts, bleibt aber dennoch bescheiden. Ben Ferencz ist dankbar für sein Leben und für die Möglichkeiten, die er hatte, beinahe demütig wird er angesichts des Elends, das ihm erspart geblieben ist.
 
Der alte Mann erzählt lebhaft und sehr unterhaltsam von seinem Leben, das prall gefüllt ist mit schönen und schrecklichen Erlebnissen. Nur selten wird er von seinen Gefühlen eingeholt – dann aber umso heftiger. Sein klarer Verstand ist ebenso beeindruckend wie sein unermüdlicher Idealismus. „Ich bin ja erst 95“, sagt er. Und er kämpft weiter friedlich gegen Krieg, Gewalt und Unrecht.
 
Ullabritt Horn lässt den kleinen, klugen Mann reden, sie unterstreicht seine Worte mit passenden Zeitdokumenten – ganz klassisch schlicht, aber sehr einprägsam. Mehr ist auch nicht nötig, denn Ben Ferencz ist offenbar ein grundsympathischer Mensch, der sowohl mit Empathie als auch mit einem scharfen Verstand gesegnet ist. Der Film ist großartig geeignet für junge Leute, die sich angesichts der aktuellen Entwicklung vor Augen führen lassen können, dass es tatsächlich möglich ist, konkret Hilfe zu leisten. Ganz nebenbei können sie auch erkennen, wie gut es ihnen geht, ganz im Gegensatz zu vielen anderen Menschen, die jede noch so kleine Unterstützung gebrauchen können. Und vielleicht – hoffentlich! – lässt sich der eine oder andere von der positiven Energie des unermüdlichen Friedensstifters und Kriegsgegners Benjamin Ferencz anstecken!

Gaby Sikorski