A Perfect Day

Ein würdiger Nachfolger der legendären Kriegssatire "Mash": mit seinem schwarzen Humor und den witzigen Dialogen erzählt diese absurde Groteske von verbissenen Feindbildern und ohnmächtigen Blauhelm-Bürokraten. Nach den Wirren des Balkan-Krieges soll ein überaus ungleiches Quartett einer Hilfsorganisation (darunter Tim Robbins und Benicio del Toro) einen Brunnen säubern, der mit einer Leiche vergiftet wurde. Leider scheitert die Aktion, weil ein Seil reißt – und einen neuen Strick zu organisieren entpuppt sich als Mission voller Tücken…
Bei der Cannes-Premiere in der „Quinzaine des Réalisateurs“ herrschte im übrigen perfekte Stimmung – nicht zuletzt, weil Benicio del Toro seinem Ruf als übercooler Typ von Hollywood mit traditionell lässiger Grandezza gerecht wird.

Webseite: www.aperfectday.x-verleih.de

Spanien 2015
Regie: Fernando León de Aranoa
Darsteller: Benicio del Toro, Tim Robbins, Olga Kurylenko, Melanie Thierry, Fedja Stukan
Filmlänge: 105 Minuten
Verleih: X-Verleih
Kinostart: Herbst 2015
 

FILMKRITIK:

Der Balkan-Krieg diente schon vielfach als Kulisse für Kino-Geschichten. Von Emir Kusturica über Michael Winterbottom bis Hans-Christian Schmid reicht die Liste renommierter Regisseure, die sich mit dem Thema beschäftigten, 2002 holte Danis Tanovic mit „No Man’s Land“ den Oscar. Nun schickt der Spanier Fernando León de Aranoa („Montags in der Sonne“) die Stars Benicio del Toro und Tim Robbins in diesen Krieg. Die beiden Oscar-Preisträger spielen die abgebrühten Mitarbeiter einer Hilfsorganisation, die schon in vielen Krisengebieten humanitäre Hilfe leisteten. Unterstützt werden Mambrú (Del Toro) und „B“ (Robbins) bei ihrer Mission durch die naive Idealistin Sophie (Melanie Thierry), die zum ersten Mal im harten Feldeinsatz ist, sowie durch die hübsche Russin Katya (Ex-Bond-Girl Olga Kurylenko), die als Vorgesetzte auftritt – und deren alte Affäre mit Mambrú so manch’ emotionale Sprengkraft birgt.  
 
An explosiven Gefahren herrscht ohnehin kein Mangel bei dieser Mission. Gerne versperren tote Kühe, die mit Sprengfallen präpariert sind, die enge Straße Der erste tückische Kadaver kann mit einer kühnen Aktion überwunden werden, bei der zweiten Kuh, später in tiefer Nacht, muss der kleine Trupp kapitulieren – bis eine zufällig vorbeikommende Bäuerin mit ihrem Vieh auf wunderbare Weise den Ausweg zeigt.
 
Der eigentliche Auftrag für das Helfer-Quartett klingt relativ einfach: Brunnenvergifter haben mit einer Leiche das Trinkwasser eines Dörfchens kontaminiert. Bei der Bergung des übergewichtigen Toten reißt die Leine – und Ersatz zu finden, ist schwerer als gedacht. Eine Hundeleine böte sich dafür zwar an, doch die wird vom bissigen Tier verteidigt. Nicht minder aggressiv reagiert ein einsamer Patriot, als er die Schnur eines Fahnenmastes abtreten soll. Bleibt als einzige Lösung, einen von verfeindeten Nachbarn erhängten Zivilisten vom Baum seines Gartens zu schneiden. Doch es droht weiteres Ungemach: Kaum hängt die Leiche endlich erfolgreich am Strick, muss die Bergung überraschend abgebrochen werden.
 
„Der Film ist wie eine russische Matroschka-Puppe“, erläutert der Regisseur sein Konzept: „Es ist ein Drama in einer Komödie. In einem Road-Movie. In einem Kriegsfilm“. Die dramaturgische Rechnung geht auf: Dem Chaos dieser Nachkriegswirren samt idealistischer Helfer und ohnmächtigen UN-Soldaten wird diese Freistil-Struktur allemal gerecht. Die vier sehr unterschiedlichen Helden ergeben ausreichend Potenzial für Flirten, Zank und Feixen. Der eingeborene Waisenjunge, den die Helfer in ihrem Auto aufnehmen, sorgt für die erweiterte Perspektive, wie Kinder in diesem Alltag des Schreckens überleben – selbst Knirpse tragen hier Waffen.
 
Mit schwarzem Humor, witzigen Dialogen und reichlich Situationskomik erweist sich diese absurde Groteske über eine humanitäre Katastrophe als würdiger Nachfolger der Kriegssatire „Mash“.

Dieter Oßwald