Abgedreht

Ein dummer Zufall sorgt dafür, dass sämtliche Videokassetten in der Videothek von Mike gelöscht werden. Zusammen mit seinem Freund Jerry macht sich Mike daran, das Geschäft vor dem Ruin zu bewahren: Indem sie die Hollywood-Hits auf eigene Faust und mit originellen Einfällen nachdrehen. Michel Gondrys Film ist eine anachronistische Hommage an die Videokassette, vor allem aber an ein Maß an Phantasie, dass im Mainstream-Kino nicht mehr oft zu finden ist.

Webseite: www.abgedreht.senator.de

OT: Be Kind Rewind
USA 2007.
Regie: Michel Gondry
Buch: Michel Gondry
Darsteller: Jack Black, Mos Def, Danny Glover, Mia Farrow, Melonie Diaz, Sigourney Weaver
101 Minuten, Format: 1:1.85
Verleih: Senator
Kinostart: 3. April 2008

PRESSESTIMMEN:

 

Eine wunderbare Liebeserklärung ans Kino und an den Jazz, die durch Michel Gondrys Ideenreichtum und spielfreudige Darsteller dramaturgische Holprigkeiten schnell vergessen lässt, sich komödiantisch gegen Konformismus wendet sowie Kreativität und Solidarität feiert. – Sehenswert.
film-dienst

…beschwört mit Schwung und Witz die Kraft des Kinos.
Stern

Eine phänomenal witzige und warmherzige Hommage an die Liebe zum Kino und zum Filmemachen. Gondry = Genie.
Der Tagesspiegel Berlin

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FILMKRITIK:

Im kleinen Ort Passaic, umweit von New York gelegen, scheint die Zeit still gestanden zu sein. Dass in der lokalen Videothek „Be Kind Rewind“ keine DVDs sondern nur vorsintflutliche Videokassetten verliehen werden, scheint die Kundschaft nicht weiter zu irritieren. Dennoch läuft das Geschäft schlecht und zu allem Überfluss sieht sich der alternde Besitzer Mr. Fletcher (Danny Glover) auch noch mit der Räumung bedroht. Das abbruchreife Haus soll einem modernen Wohnblock Platz machen. Als wäre all das nicht genug, sorgt der tollpatschige Jerry (Jack Black) für die nächste Katastrophe. Nach einem nächtlichen Einsatz gegen die Fronten des Kapitalismus ist Jerry magnetisiert und löscht binnen Sekunden sämtliche Videokassetten. Sein Freund Mike (Mos Def) – Ziehsohn von Fletcher und Mitarbeiter des Geschäfts – will schon verzweifeln, da kommt der rettende Einfall. Kurzerhand beginnen die Freunde die Filme nachzudrehen. Mit Pappkostümen und dem Einsatz von viel Improvisation und Phantasie entstehen so neue, kurze Versionen von Hollywood-Filmen wie Ghostbusters, Rush Hour oder Robocop. Alle Rollen werden dabei von Mike und Jerry und einigen Helfern gespielt und das Ergebnis ist ein voller Erfolg. Plötzlich können sie sich vor Kundschaft nicht mehr retten, werden zu Lokalhelden und kleinen Berühmtheiten. Alles könnte gut werden, wenn da nicht Hollywood und seine Anwälte wären. Denn das ihre Filme eine einzige, große Urheberrechtsverletzung sind, haben Mike und Jerry nicht bedacht.

Nach „Science of Sleep – Anleitung zum Träumen“ schrieb Michel Gondry zum zweiten Mal sein eigenes Drehbuch, dieses Mal mit durchwachsenem Erfolg. Die Grundidee von „Abgedreht“ ist hinreißend, auch die Ausführung der einzelnen selbst gedrehten Filme zeugt von jenem verspielten, visuellen Ideenreichtum für den Gondry bekannt geworden ist. Doch viel weiter führt Gondry die Geschichte nicht. Andeutungsweise wird zwar ein Gegensatz zwischen modernem, von Computertechnologie geprägtem Blockbuster-Kino (Symbolisiert durch die gleichnamige Videoverleih-Kette) und dem alten, quasi handgemachten Kino aufgebaut. Doch abgesehen davon, dass handgemachtes nicht automatisch origineller oder besser ist, entwickelt Gondry diesen Gedanken auch nicht weiter. So bleibt „Abgedreht“ eine sehr hübsche Nummernrevue, die in erster Linie von ihrer originellen Grundidee und den Darstellern lebt. An die Brillanz des frühen Gondry-Films „Eternal Sunshine of the Spotless Mind – Vergiss mein nicht“ kommt dieser Film allerdings nicht heran. Damals schrieb allerdings auch Charlie Kaufmann das Drehbuch und nicht Gondry selbst.

 

Michael Meyns 

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Mike und Jerry leben in einer Kleinstadt westlich von New York und sind seit Jahren dicke Freunde. Mike arbeitet im Videoladen von Mr. Fletcher, der zwei Charakteristika aufweist: Er ist halb verfallen, vom Abriss bedroht, und es gibt ausschließlich VHS-Kassetten, keine DVDs, denn Fletcher hält auf Tradition.

Mit Jerry hat Mike, der derzeit den Laden verwaltet, weil sich Mr. Fletcher angeblich auf Geschäftsreise begibt, in Wirklichkeit aber nur Konkurrenzläden ausspioniert, kein leichtes Leben. Denn der Kriegsveteran Jerry leidet unter Paranoia. Er fühlt sich durch Strahlen aus dem nahen Kraftwerk geschädigt, physikalische und chemische Bedrohungsformeln schwirren nur so in seinem Kopf herum. Er unternimmt gegen das Kraftwerk einen Sabotageakt, wird dabei aber derart stark magnetisiert, dass, als er Fletchers Laden betritt, alle Videobänder mit einem Schlag gelöscht werden.

Was also denen noch anbieten, die die „Ghostbusters“ oder „Rush Hour 2“ ausleihen wollen? Guter Rat ist teuer. Doch nicht lange. Denn die beiden kommen auf den Gedanken, von diesen Filmen rasch Kurzfassungen selber zu drehen, damit sie rechtzeitig liefern können.

Die Geschichte schlägt ein. Jetzt kommen „2001 – Odyssee im Weltraum“, „King Kong“, „Des Satans jüngste Tochter“, „Carrie“, „Men in Black“ und „When We Were Kings“ an die Reihe. Riesenerfolg und plötzlicher Reichtum. Die Bewohner der Stadt werden als Schauspieler und Statisten angeheuert. Und als Mike, Jerry und der zurückgekehrte Fletcher von den Hollywood-Studios der Verletzung der Urheberrechte angeklagt werden, gründen sie fortan ihre Filme einfach auf eigene Ideen. 

Erstaunlich, wie lustig das alles geworden ist: der viele wortreiche und hitzige Ausbrüche veranlassende persönliche Gegensatz zwischen Jerry und Mike; die turbulenten und teils wirklich komischen Dreharbeiten; das Verspielte von Michel Gondrys Regiearbeit; die Ideenvielfalt und der rasante Rhythmus; die Sache mit der Mitwirkung der Einwohner des Städtchens und der Urheberrechtsverletzung; die gut funktionierende formale Bewältigung des Films; das einnehmende Spiel der sympathischen Darsteller Jack Black (Jerry), Mos Def (Mike), Melonie Diaz (Alma) oder Danny Glover (Mr. Fletcher).

Thomas Engel