About a girl

Wenn erwachsene Filmemacher von den Leiden von Teenagern erzählen, ist das immer etwas heikel. Den richtigen Tonfall zu treffen, sich aber nicht anzubiedern ist nicht leicht. Mit Ironie und Melancholie, Gefühl und vielen Filmideen versuchen Mark Monheim und sein Co-Autor Martin Rehbock in ihrer Dramödie "About a Girl" der 15jährigen Hauptfigur gerecht zu werden. Sehr gefallen wird der sympathische Film dabei vor allem einem erwachsenen Publikum, das die Wirren der Teenager-Zeit schon überstanden hat.

Webseite: www.aboutagirl-derfilm.de

Deutschland 2014
Regie: Mark Monheim
Buch: Mark Monheim, Martin Rehbock
Darsteller: Jasna Fritzi Bauer, Heike Makatsch, Aurel Manthei, Simon Schwarz, Sandro Lohmann, Nikolaus Frei
Länge: 105 Minuten
Verleih: NFP, Vertrieb: Tobis
Kinostart neu: 6.8.2015
 

Pressestimmen:

"Der Jugendfilm "About a Girl" über eine lebensmüde 15-Jährige ist schon vor dem Kinostart mit Preisen ausgezeichnet worden. Was macht den Reiz aus? Vor allem sein ungewöhnliches Tempo und der rabenschwarze Wortwitz…"
Deutschlandradio Kultur

Auszeichnungen:

Bernhard Wicki-Preis und NDR-Nachwuchspreis Interntionales Filmfest Emden-Norderney Juni 2015
Bayerischer Filmpreis 2014 für Jasna Fritzi Bauer als beste Nachwuchsschauspielerin
Young Audien Award Internationales Filmfestival Gijon
Emdener Drehbuchpreis

FILMKRITIK:

Charleen (Jasna Fritzi Bauer) hat wenig Spaß am Leben und beschließt, ihrem Dasein ein Ende zu bereiten. Doch dem Vorbild allerlei Rockstars nachzueifern erweist sich als schwierig: Der Selbstmordversuch, der vielleicht gar keiner war, scheitert und das maulfaule, notorisch mürrische Mädchen landet beim Psychiater (Nikolaus Frei). Der ist allerdings auch nicht so ganz normal – wie überhaupt das gesamte Figurenpersonal von "About a Girl" einen mehr oder weniger großen Sprung in der Schüssel hat: Charleens Mutter Sabine (Heike Makatsch) ist Powersellerin bei ebay, ihr Ex-Mann Jeff (Aurel Manthei), der die Familie früh verließ und Charleen nur seine Gitarre hinterlassen hat, Sabines aktueller Freund (Simon Schwarz), ein eingefleischter Vegetarier und zu allem Überfluss auch noch Charleens Biolehrer. Ihr Bruder Oscar (Lauritz Greve) verbringt seine Zeit vorm Computer und Oma Emmi (Dorothea Walda) gibt gute Ratschläge. Dann ist da noch Charleens beste Freundin Isa (Amelie Plaas-Link), die an ihren rasant wachsenden Brüsten und der damit verbundenen Aufmerksamkeit der Jungs leidet, und schließlich der Klassen-Streber Linus (Sandro Lohmann), mit dem Charleen zwar seit Jahren in der Klasse ist, den sie im Wartezimmer des Therapeuten aber zum ersten Mal richtig kennen lernt.
 
Ein buntes Figurenpersonal haben Mark  Monheim und sein Co-Autor Martin Rehbock da zusammengetragen, ein Eklektizismus, der sich auch sonst fortsetzt: Mal wirkt "About a Girl" wie eine Teenager-Klamotte, mal wie ein Familiendrama, dann wieder wie ein Problemfilm, in dem jeder seine Macken hat und am Ende die Erkenntnis steht, dass Normalität relativ ist. Dies macht "About a Girl" zu einem sehr deutschen Film, der lieber zu viel macht, als irgendetwas zu verpassen: Was bedeutet, dass es nicht nur ein ausgiebiges Voice-Over gibt, in dem Charleens Gefühle punktgenau ausgebreitet werden, sondern auch noch zahlreiche Montagesequenzen, in denen melodische Gitarren Popsongs die Stimmungen der Figuren spiegeln.
 
Gerade die beiden jungen Hauptdarsteller Jasna Fritzi Bauer und Sandro Lohmann überzeugen mit Authentizität und Charme. Welche Zielgruppe „About a Girl“ aber eigentlich ansprechen will, ist nicht deutlich zu entscheiden: Teenager spielen zwar die Hauptrolle, die nostalgische Melancholie, mit der die Filmemacher auf Leben und Leiden von Teenagern blicken, scheint dagegen mehr einem erwachsenen Publikum geschuldet zu sein. Dieses dürfte sich bei den zahlreichen Familienstreitigkeiten, die sich am Ende allesamt in Wohlgefallen auflösen, vor allem deswegen amüsieren, gerade weil sie dem Teenager-Alter schon entwachsen sind.
 
Michael Meyns