About Last Night

Zwei Pärchen in Chicago, die zusammenfinden, sich trennen und wieder zusammenkommen. Davon erzählt Steve Pink in „About Last Night“, der lose auf einem Theaterstück des legendären David Mamet basiert, hier jedoch im afroamerikanischen Großstadtmilieu angesiedelt ist – und zwar verbal bisweilen recht explizit, aber doch durch und durch eine klassische romantische Komödie ist.

Webseite: www.about-last-night.de

USA 2013
Regie: Steve Pink
Buch: Leslye Headland, basierend auf dem Theaterstück „Sexual Perversity in Chicago“ von David Mamet
Darsteller: Kevin Hart, Michael Ealy, Regina Hall, Joy Bryant, Christopher McDonald, Paula Patton
Länge: 100 Minuten
Verleih: Sony
Kinostart: 19. Juni 2014

FILMKRITIK:

Während die Affäre von Bernie (Kevin Hart) und Joan (Regina Hall) in erster – und auch in zweiter Linie – auf Sex basiert, fühlen sich ihre Freunde Danny (Michael Ealy) und Debbie (Joy Bryant) auch emotional zueinander hingezogen. Anfangs ist ihre Beziehung zwar noch eher Freundschaft plus – wie es heutzutage so schön heißt – doch bald verbringen sie immer mehr Zeit zusammen und treffen schließlich den entscheidenden Schluss: Sie ziehen zusammen.

Doch nun, wo sich Danny und Debbie jeden Tag und jede Nacht sehen, hält der Alltag Einzug in ihre Beziehung. Kleine, einst ignorierte Eigenschaften beginnen zu nerven, ehemals liebevolle Macken sind auf Dauer nicht mehr ganz so sympathisch und auf einmal scheint das so symbiotische Zusammensein gar nicht mehr so perfekt. Zumal Danny auch noch Probleme im Beruf hat und immer noch an seine Ex denkt, von der er sich einst auf geradezu traumatische Weise trennte.

Man merkt schon: Dem klassischen Muster einer romantischen Komödie, demzufolge sich ein designiertes Paar zwar schon am Anfang des Films kennt, aber mindestens 90 Minuten braucht, um zu realisieren, dass es ideal zusammenpasst, folgt Steve Pink mit „About Last Night“ nicht. Kein Wunder, basiert der Film doch (lose) auf dem Theaterstück „Sexual Perversity in Chicago“, in dem der legendäre Autor David Mamet das Beziehungsverhalten von Paaren in der Großstadt sezierte. So bissig wie bei Mamet geht es in dieser Verfilmung allerdings nicht zu, die sich im Ton eher an der ersten Verfilmung von 1986 orientiert. Damals spielten Demi Moore und Rob Lowe die Hauptrollen, die nun durch die beiden Afroamerikaner Michael Ealy und Joy Bryant ersetzt wurden.

Und so ist „About Last Night“ ähnlich wie der unlängst gestartete „Liebe im Gepäck“ nicht zuletzt eine Darstellung afroamerikanischer Kultur, inklusive viel romantischer Soulmusik auf dem Soundtrack. In seiner gut ein Jahr umfassenden Erzählstruktur, die sich an verschiedenen traditionellen Festen wie Thanksgiving und Neujahr orientiert, erinnert der Film aber noch mehr an „Harry und Sally“, der ebenfalls das auf und ab einer komplizierten Paarbeziehung schilderte. Ganz so pointiert und sympathisch ist „About Last Night“ zwar nicht, aber als Variation der klassischen romantischen Komödie, in der viel über Wohl und Wehe von Beziehungen unterschiedlichster Couleur diskutiert wird, kann Steve Pinks Film überzeugen.
 
Michael Meyns