Affenkönig

20 Jahre nach ihrer letzten Begegnung treffen sich vier Schulfreunde wieder. Wolfi wird 45 und ruft zur Party, schon folgen Victor, Ralph und Martin mit Kind und Kegel der Einladung in die traumhafte Villa nach Südfrankreich. Im Gepäck haben sie neben Frauen, Kindern und gemeinsamen Erinnerungen auch ein großes Bündel Lügen, mit denen sie sich selbst und anderen etwas vormachen. Dank Wolfi entwickelt sich das Treffen der vier midlifekrisengebeutelten Kerle zum chaotischen Abenteuer, bei dem es vor allem um Sex, Drogen und Rock’n Roll geht. Bis zum nicht ganz überraschenden Ende hangelt sich die turbulente Handlung von Gag zu Gag, ohne Rücksicht auf Verluste wird in alle Richtungen ausgeteilt. Da kracht es manchmal nicht nur zwischen den Jungs, sondern auch im dramaturgischen Gebälk. Nur wer’s rustikal bis ungehobelt mag und deftige Späße statt feinsinnigen Wortwitz schätzt, kann eine solch schräge Männerkomödie mögen.

Webseite: www.port-prince.de

Deutschland 2016
Regie: Oliver Rihs
Drehbuch: Oliver Rihs, Michael Sauter, Thomas Ritter, Thomas Hess
Darsteller: Hans-Jochen Wagner, Samuel Finzi, Oliver Korittke, Marc Hosemann,
Jule Böwe, Jytte-Merle Böhrnsen
98 Minuten
Verleih: Port au Prince Pictures
Kinostart: 13. Oktober 2016
 

FILMKRITIK:

Männer haben’s schwer. Das weiß nicht nur Herbert Grönemeyer, sondern offensichtlich auch Oliver Rihs, der nach „Schwarze Schafe“ und „Dating Lancelot“ den Drehort Berlin und damit die Großstadt verlassen hat, um aufs Land zu gehen, genauer gesagt nach Südfrankreich. Die Schönheit und Eleganz der Landschaft konkurriert hier durchaus mit der offen zur Schau gestellten Plumpheit der männlichen Charaktere, die im Mittelpunkt der Handlung stehen: Da ist zunächst mal der Affenkönig selbst, Wolfi, ein in die Jahre gekommener Berufsjugendlicher (Hans-Jochen Wagner), der mit seiner Villa genauso protzt wie mit den beiden wunderschönen Model-Mädels, die seinen Pool und sein Bett schmücken. Seine drei Kumpels – Victor, Ralph und Martin – haben alle ihr Päcklein zu tragen und führen ein Leben, das geprägt ist von sexuellem Frust, finanziellen Problemen bzw. genereller Unzufriedenheit. Martin ist ein erfolgloser Rockmusiker, Ralph ein unterdrückter Hausmann und Victor ist als Manager für Projekte in der 3. Welt vollkommen überarbeitet und als werdender Vater komplett überfordert.

Hier kommt also alles zusammen, was Männer zwischen 40 und 50 beschäftigt. Alte Träume, halb vergessene Ideale und die nun schon länger dauernde Begegnung mit einer realen Welt, die ihnen nicht gefällt; das sind nur einige der hässlichen Nebenwirkungen des Erwachsenenlebens, das sich die vier Jungs früher mal ganz anders vorgestellt haben. In der Hitze des französischen Sommers tritt allerhand zutage, was vielleicht besser verborgen geblieben wäre, darunter ein paar spektakuläre Fehlleistungen der Vergangenheit. Alte und neue Sehnsüchte erwachen, alte und neue Lügen finden ebenso zusammen wie alte und neue Paare, und ein paar längst fällige Wahrheiten werden ausgesprochen.
 
Oliver Rihs hatte vermutlich vor, das Thema „Männer in der Midlife Crisis“ mit einem ebenso hemmungslosen wie komischen Rundumschlag zu bewältigen. Doch ihm ist mit seinen vier spätpubertären Helden eine nur zeitweilig überzeugende Variante zu „Hangover“ & Co. gelungen, die bei aller Originalität irgendwie ziemlich artig bleibt. Dies gilt auch für die Sexszenen, die freizügig sein wollen, aber letztlich doch wenig zeigen – eher RTL II am Nachmittag als pralles Unterhaltungskino. Sogar der Sexismus hält sich in Grenzen, und wenn vier Männer in sexy Damendessous auf Rennrädern eine Bergetappe fahren, dann ist das komische Potential dabei durchaus überschaubar: Es erschöpft sich im Wesentlichen auf die Optik und auf ein paar kess sein wollende Sprüche, die weniger homophob als dämlich sind und sich dicht unter der Stammtischkante bewegen.

Abgesehen davon, dass hier gelegentlich ein Humor bedient wird, der eher provinziell als weltstädtisch wirkt und an schon beinahe vergessen geglaubte Schülerfilme erinnert, ist der Film natürlich eine ziemlich schonungslose Abrechnung mit Männer- und Frauenbildern, mit der Kleinfamilie und mit dem Spießertum. Vieles ist dann doch komisch, allerdings eher rumpelig als elegant und manchmal auch ein bisschen eklig. Aber wenn man sich daran gewöhnt hat, dass es nicht um Philosophie, sondern um Klamauk geht, dann gibt es was zu lachen.
 
Gaby Sikorski