Ai WeiWei – The Fake Case

Am 3. April 2011 wurde der international bekannte chinesische Künstler Ai Weiwei am Pekinger Flughafen verhaftet und verschleppt. 81 Tage lang blieb er an einem unbekannten Ort eingesperrt. Nach seiner Entlassung begann der dänische Dokumentarfilmer Andreas Johnsen, ihn auf Schritt und Tritt zu begleiten. Sein Film zeigt Weiweis Rückkehr ins Leben, vor allem aber seinen ungebrochenen Mut im Kampf gegen die chinesischen Autoritäten, die ihn weiterhin drangsalieren. Der Film wurde 2013 mit dem Kritikerpreis Bodil als bester dänischer Dokumentarfilm ausgezeichnet.

Webseite: www.mindjazz-pictures.de

Dänemark 2013
Buch und Regie: Anders Johnsen
Produktion: Katrine A. Sahlstrøm
Länge: 86 Minuten
Verleih: Mindjazz Pictures
Kinostart: 8. Mai 2013

PRESSESTIMMEN:

"Ai Weiwei als Gegenstand eines äußerst gelungenen Dokumentarfilms. Es ist ein Erlebnis"
taz
 
"THE FAKE CASE macht die Wahrheit zur Waffe. Unbedingt anschauen."
Frankfurter Allgemeine Zeitung

FILMKRITIK:

Als Ai Weiwei am 22. Juni aus der Haft entlassen wird, darf er nicht mit Journalisten sprechen und Peking ein Jahr lang nicht verlassen. Auch sein Pass bleibt weiterhin von den Behörden eingezogen. Der dänische Filmemacher Andreas Johnsen bekommt trotzdem Zugang zu dem Künstler und dokumentiert, wie Weiwei langsam ins Leben zurückfindet. Er ist körperlich und seelisch sichtlich angegriffen, genießt aber die Nähe zu seiner Mutter, seiner Frau und seinem Sohn. Weiwei beginnt damit, seine Entführung, wie er die Festnahme nennt, künstlerisch zu verarbeiten. Und er nimmt den Kampf gegen die Behördenwillkür erneut auf. Es kommt zu einem Verfahren gegen ihn wegen angeblicher Steuerhinterziehung. Weiwei gibt ihm den Namen „The Fake Case“, in Anspielung auf die Anschuldigungen gegen seine Firma „FAKE Design“.
 
Dies ist der zweite Dokumentarfilm, der innerhalb kurzer Zeit in die deutschen Kinos kommt. 2012 lief „Ai Weiwei – Never Sorry“ an, der den Künstler und seinen eskalierenden Kampf bis zu seiner Verhaftung zeigte. „Ai Weiwei The Fake Case“ setzt direkt danach ein. In der Zusammenschau ergibt sich ein erschreckendes Bild des Ausmaßes der Unterdrückung freier Meinungsäußerung in China. Beide Male dient der imposante und doch so sanft wirkende Künstler als unmittelbare Identifikationsfigur. Insgesamt wirkt der neue Film fragiler, nachdenklicher. Die harten Haftbedingungen haben bei Ai Weiwei Spuren hinterlassen. Seine Mutter warnt ihn, wenn er weitermache, könne er jederzeit wieder verhaftet werden, diesmal vielleicht für immer. In berührenden Aufnahmen vom Künstler und seinem kleinen Sohn wird deutlich, was für ihn auf dem Spiel steht.
 
Umso erstaunlicher ist der Mut, mit dem Weiwei sich doch weiterhin widersetzt. Gegen seine ständige Bewachung, gegen die Schikanen, gegen den undurchsichtigen Prozess, der ohne einen einzigen Beweis gegen ihn geführt wird. Anfangs hat Weiwei mit Gedächtnislücken zu kämpfen, kann sich an einzelne Details seiner Haft nicht mehr erinnern. Aber die Repressionen scheinen ihn eher zu stärken. Wieviel Druck auf ihm lastet, zeigt jedoch eine Szene, in der er fast auf einen vor seinem Haus parkenden Polizisten losgeht. Schon während seines Hausarrestes gibt er wieder Interviews und begibt sich damit in große Gefahr. Vielleicht, und das macht diesen Film besonders brisant, sieht er in seiner medialen Präsenz im Westen auch eine Lebensversicherung für sich.
 
Mehr als das zeigt „Ai Weiwei The Fake Case“ aber vor allem einen Künstler, der sich vorbehaltlos für Meinungsfreiheit und sein Recht auf persönlichen Ausdruck einsetzt. Insofern ist seine Kunst jederzeit hochpolitisch. Der Film gibt nicht vor, die Situation in China verallgemeinernd darzustellen. Wir sehen sie ausschließlich durch Weiweis Augen. Dabei entsteht das Bild eines Staates, der Angst vor seinen Bürgern hat. Zu seiner bisher größten Ausstellung, die ab dem 3. April in Berlin gezeigt wurde, durfte Ai Weiwei nicht reisen. Dafür empfahl er Staatschef Xi einen Besuch während seines Staatsbesuches in Deutschland.
 
Oliver Kaever