Alfons Zitterbacke – Das Chaos ist zurück

1966 wurde Gerhard Holtz-Baumerts DDR-Kinderbuch „Alfons Zitterbacke“ als DEFA-Film adaptiert, 1986 folgte eine sechsteilige Fernsehserie. Die aktuelle Neuversion von Regisseur Mark Schlichter („Zorn – Tod und Regen“) bewegt sich zwischen Remake und Fortsetzung, wobei der junge Protagonist als Sohn des alten Alfons etabliert wird und dessen chaotisches Verhalten wiederholt. Die Technikbegeisterung der Hauptfigur kann das angepeilte Kinderpublikum zu eigenen Experimenten inspirieren.

Webseite: www.x-verleih.de

Deutschland 2019
Regie: Mark Schlichter
Drehbuch: John Chambers, Anja Flade, Mark Schlichter nach dem Roman von Gerhard Holtz-Baumert
Darsteller/innen: Tilman Döbler, Leopold Ferdinand Schill, Lisa Moell, Ron Antony Renzenbrink, Devid Striesow, Alexandra Maria Lara, Devid Striesow, Thorsten Merten, Katharina Thalbach, Louis Held
Laufzeit: 90 Min.
Verleih: X Verleih
Kinostart: 11. April 2019

FILMKRITIK:

Nur sein Schulfreund Benni (Leopold Schill) steht Alfons bei. Gemeinsam planen die Freunde den Bau einer Wasserrakete, mit der sie an einem Flugobjekte-Wettbewerb teilnehmen wollen. Doch als sich Alfons immer mehr mit der neuen Mitschülerin und Nachbarin Emilia anfreundet, fühlt sich Benni zurückgesetzt. Und auch der fiese Nico will den Wettbewerb mit Hilfe seines reichen Opas (Wolfgang Stumph) gewinnen.
 
Alfons geht lieber in den Baumarkt als ins Schwimmbad. Damit ist im Grunde schon viel über den Jungen gesagt, der davon träumt, als Astronaut in die Fußstapfen seines Idols Alexander Gerst zu treten. Doch Alfons ist keineswegs ein trockener Streber, sondern ein erfinderischer Junge, der nach der elterlichen Meinung „zu viel Fantasie“ besitzt. Von einem im Kinderzimmer aufgehängten Poster sprechen Gerst und sein russischer Kollege Alfons Mut zu, wenn er mal wieder Ärger hat – und als er einmal an allem zweifelt, funkt ihn der ISS-Commander Gerst prompt an.
 
Der simpel arrangierte Plot variiert die typische Kinderfilm-Erzählung, in der es darum geht, dass die Hauptfigur lernen muss, eigenen Ideen und Wünschen zu folgen. Der Tagträumer Alfons eckt bei den Eltern und Lehrern an und wird nach einem explosiven Chemie-Experiment sogar vom Unterricht ausgeschlossen. Natürlich zweifelt Alfons zwischendurch an sich selbst und will ein „ganz normaler Junge“ werden, am Ende steht aber die Erkenntnis, dass Alfons aller Unkenrufe zum Trotz komplett richtig tickt.
 
Mark Schlichter inszeniert den kindgerechten Film mit aufgeräumten Bildern und vielen Farben. Der Titelheld Alfons schildert seine Gefühlslage ab und an aus dem Off, so dass auch das jüngste Publikum nicht den Anschluss verpasst. Der Fokus liegt auf den jungen Figuren, während die Erwachsenen als Karikaturen erscheinen, die sich letztlich ebenso chaotisch benehmen wie die Kinder, bei denen sie dieses Verhalten kritisieren. Immerhin wurden die überzeichneten Erwachsenenrollen mit vielen prominenten Gästen besetzt, darunter Katharina Thalbach als missgelaunte Rektorin, Olaf Schubert von der „Heute Show“ als fahriger Chemielehrer und der aus den „Bibi & Tina“-Filmen bekannte Louis Held als ramponierter Sportlehrer.
 
Erst beim Finale zieht Schlichter das Tempo des ruhig erzählten Films an und beschließt die Geschichte mit einer kleinen Portion Slapstick und Tumult. Bis dahin bietet der humorvolle Kinderfilm einiges zum Schmunzeln, nimmt die Probleme des kleinen Alfons aber durchaus ernst.
 
Christian Horn