Allein gegen die Zeit

Fünf Teenager müssen sich gegen einen Geheimbund zur Wehr setzen, der durch ein altes Ritual nichts weniger als die Herrschaft über die Menschheit anstrebt. „Allein gegen die Zeit“  beruht auf der gleichnamigen KIKA-Serie und mixt Elemente aus Thriller und Fantasy mit Sci-Fi- und Coming-of-Age-Versatzstücken. Trotz einiger Unglaubwürdigkeiten in der Handlung und manch einem Darsteller, der zum Overacting neigt, versorgt der leicht verdauliche Film sowohl männliche, als auch weibliche Teenager mit solider Unterhaltung. Der rasanten Action und dem hohen Gefühls- und Romantik-Anteil, der sich glaubwürdig gestaltet, sei Dank.

Webseite: www.alleingegendiezeit.x-verleih.de

Deutschland 2016
Regie: Christian Theede
Drehbuch: Michael Demuth & Ceylan Yildrim
Darsteller: Timon Wloka, Jonas Timmi Trinks, Özzi Uğur Ekeroğlu
Janina Fautz, Stephanie Amarell, Stipe Erceg
Länge: 88 Minuten
Verleih: X-Verleih
Kinostart: 27.10.2016

FILMKRITIK:

Ben (Timon Wloka), Jonas (Timmi Trinks), Özzi (Uğur Ekeroğlu), Leo (Janina Fautz) und Sophie (Stephanie Amarell) begeben sich auf eine Klassenfahrt nach Hildesheim. Auf der Busfahrt sind mal wieder alle Schüler vom Lehrpersonal genervt, aber die Stimmung ist insgesamt dennoch gelöst. Im Dom wird die Klasse später von einer heftigen Explosion überrascht und anschließend von zwielichtigen Gestalten an einen geheimnisvollen Ort gebracht. Dort kommen sie bald einem Geheimnis auf die Spur: eine mysteriöse Vereinigung in schwarz gehüllter Personen, die einer Mischung aus Sekte und alt-germanischem Geheimbund angehören, wollen zur bald anstehenden Sonnenfinsternis ein Ritual vollziehen. Gelingt dies, würde es das Ende der Welt bedeuten. Können die Freunde den Sektenführer (Stipe Erceg) und das Ritual stoppen? Ihnen bleibt nicht einmal eine Stunde.

Der Film „Allein gegen die Zeit“ beruht auf der gleichnamigen Serie, die Anfang des Jahrzehnts für ein paar Jahre erfolgreich auf KIKA lief – und mit Preisen und Auszeichnungen überhäuft wurde. So erhielt die im „24“-Echtzeit-Stil gedrehte Thriller-Serie u.a. den Deutschen Kamerapreis und wurde sogar für einen Emmy nominiert. Fast alle Hauptdarsteller des Films haben auch schon in der Serie mitgewirkt und sind mittlerweile zu pubertierenden Teenagern herangewachsen. Regisseur Christian Theede machte sich einen Namen mit Märchenverfilmungen wie „Der gestiefelte Kater“ oder „Till Eulenspiegel".

Als für eine jugendliche Zielgruppe konzipierte Fantasy-/Sci-Fi-Schnitzeljagd im Stile von „Indiana Jones“ mit einer gehörigen Portion Romantik und Gefühl, lässt sich der Film am ehesten beschreiben. Den jugendlichen Darstellern merkt man an, dass sie schon öfter gemeinsam vor der Kamera standen. Die Chemie untereinander stimmt und die Jungschauspieler werden sich gegenseitig gekonnt die (darstellerischen) Bälle zu. Keiner spielt sich mit überzogenem, affektiertem Spiel in den Mittelpunkt. Anders gestaltet sich dies bei den Erwachsenen. Hier tanzt vor allem Violetta Schurawlow als Schurkin und falsche Geschichtslehrerin aus der Reihe. Deren Figur hat nichts Bedrohliches oder Angsteinflößendes, obwohl Schurawlow dies mit aller Gewalt bei ihrer Figur zu erzeugen versucht. Ihre Verkörperung wirkt zu aufgesetzt und wenig glaubhaft, was auch am hölzernen Vortrag ihrer Dialoge liegt.

Starke, kurzweilige Unterhaltung für die Zielgruppe der Zehn- bis Fünfzehnjährigen bietet der Film aber durch seine rasanten Action-Szenen und die Verfolgungsjagden durch die finsteren Gemäuer. Zudem wechselt er immer wieder zwischen den Ereignissen um Leo und Ben, die bei der Explosion von der Klasse getrennt wurden, und den Geschehnissen um die Klasse, die sich in den Händen der Sekte befindet, hin und her. Dadurch entstehen Rasanz und Abwechslung.

Vor allem für die anvisierten weiblichen Zuschauer gestalten sich die dargestellten Gefühlsirrungen und -wirrungen – zwischen den fünf Hauptfiguren untereinander – sehenswert. Vieles davon dürfte ihnen bekannt vorkommen: das hin-und hergerissen sein zwischen zwei Jungs oder auch die Angst, seine Gefühle dem großen Schwarm zu offenbaren. Diese Romantik- und Gefühls-„Ader“, die dem Film jederzeit innewohnt und glaubhaft erscheint, ist ein Pluspunkt und tut dem Film gut.  „Allein gegen die Zeit“ wird in diesen Szenen daher auch zum Coming-of-Age-Film, der die Sorgen seiner Protagonisten ernst nimmt.

Schade ist, dass im Laufe der Handlung zu viele Unglaubwürdigkeiten Teil der Dramaturgie werden. So hat Özzi z.B. „zufällig“ gerade seinen Passwortknacker-USB-Stick dabei, als die Gruppe in die Kommandozentrale der Sekte eingebrochen ist und sich in die PCs hacken will. Und auch das Ende mit den nicht immer überzeugenden CGI-Effekten und Sektenmitgliedern, die – ganz plötzlich und aus schwer nachvollziehbaren Gründen – die Seiten wechseln, wirkt nicht ganz rund.

Björn Schneider