Alles eine Frage der Zeit

Als eine romantisch-melancholische Zeitreise-Romanze könnte man Richard Curtis „Alles eine Frage der Zeit“ beschreiben, ohne Frage einer der merkwürdigsten, aber auch schönsten Filme des Jahres. Wobei es weniger darum geht, ob und wann sich das Paar – gespielt von Domhnall Gleeson und Rachel McAdams – findet, sondern um geradezu philosophische Fragen nach dem Weg zur Zufriedenheit, der Vergänglichkeit des Lebens, der Besonderheit von spontan erlebten Augenblicken.

Webseite: www.alleseinefragederzeit-film.de

About Time
Großbritannien 2013
Regie, Buch: Richard Curtis
Darsteller: Domhnall Gleeson, Rachel McAdams, Bill Nighy, Lydia Wilson, Lindsay Duncan, Tom Hollander
Länge: 125 Minuten
Verleih: Universal
Kinostart: 24. Oktober 2013

PRESSESTIMMEN:

"Alles eine Frage der Zeit" ist nach "Tatsächlich … Liebe" und "Notting Hill" ein weiterer Geniestreich von Drehbuch­autor und Regisseur Richard Curtis. …Curtis feiert noch einmal das Glück der kleinen Dinge – ein bewegendes Kinoerlebnis, das den Zuschauer verzaubert und verwandelt."
Cinema

FILMKRITIK:

Kurz nach seinem 21. Geburtstag wird Tim (Domhnall Gleeson) von seinem Vater (Bill Nighy) beiseite genommen und in das Familiengeheimnis eingeweiht: Sämtliche männlichen Vertreter der Familie sind in der Lage, durch die Zeit zu reisen: Einfach in einen dunklen Raum gehen, die Hände zu Fäusten ballen und schon ist man an einem Punkt seiner persönlichen Vergangenheit. Großartige Möglichkeiten bieten sich Tim fortan. Momente, die er lieber anders gestaltet hätte, kann er jetzt einfach noch mal durchspielen, Fehler vermeiden, Situationen verbessern.

Doch nicht für Geld oder beruflichen Erfolg will der angehende Anwalt Tim seine Gabe einsetzen, sein größter Traum ist die Liebe. Inzwischen lebt er in London bei seinem Onkel und lernt bald die zauberhafte Mary (Rachel McAdams) kennen. Nach einigen verunglückten Versuchen sind die beiden ein Paar und glücklich verheiratet.

Dass der Film zu diesem Zeitpunkt kaum mehr als ein Drittel vorbei ist, deutet an, dass „Alles eine Frage der Zeit“ nicht einfach „nur“ eine weitere romantische Komödie von Richard Curtis ist, der als Drehbuchautor von „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ und „Notting Hill“ berühmt wurde und bei „Tatsächlich Liebe“ das erste Mal selbst Regie führte. Denn während in all diesen Filmen die Dramatik daraus resultierte, dass das Paar erst kurz vor Ende zusammenfand, ist „Alles eine Frage der Zeit“ praktisch vollkommen undramatisch.

Und doch erzählt Curtis weit mehr als das, wozu ihm das Zeitreise-Konzept als Mittel zum Zweck dient. Dabei muss man akzeptieren, dass hinter den Zeitreisen wie sie hier gezeigt werden, keinerlei Logik steckt: Die Regeln der Zeitreisen ändern sich nach Belieben, gerade so wie es Curtis gefällt. Doch was eigentlich ärgerlich sein müsste, ist hier eine lässliche Sünde. Denn das Konzept der Zeitreise, die Möglichkeit, Tage oder Wochen noch mal zu durchleben, eröffnet Curtis die Möglichkeit, eine Vielzahl von Themen anzureißen.

Geradezu manisch wirkt Tim etwa, wenn er immer wieder in der Zeit zurückreist, um ohnehin schon schöne Momente noch perfekter zu gestalten. Bei jeder Runde wird er „besser“, verhält er sich perfekter – und merkt nicht, dass durch die Perfektion die Spontaneität verloren geht. Und darum geht es Curtis: Zu zeigen, dass man sich zwar manches Mal wünschen würde, Dinge zu ändern, etwas gesagt oder nicht gesagt, etwas gemacht oder nicht gemacht zu haben, dass das Leben aber gerade auch durch solche „Fehler“, durch nicht ideal verlaufene Situationen besonders wird.

Dass es Curtis gelingt, solche Aspekte anzudeuten, ohne kitschig oder rührselig zu werden, macht seinen Film so schön. Lektionen über das Leben werden erteilt, ohne zu predigen, über verschiedene Wege zur Zufriedenheit erzählt, ohne andere Möglichkeiten auszuschließen. So sprunghaft und willkürlich Curtis Drehbuch bisweilen wirkt, zusammengehalten wird sein Film durch seine Ideen und seine enorm sympathische Darstellerriege. Zu bemängeln, dass hier ohnehin wohl situierte Briten der oberen Mittelschicht Glück haben, Kinder kriegen und heile Familien haben, wäre ungerecht. „Alles eine Frage der Zeit“ ist dezidiert kein Problemfilm, sondern ein trotz seiner zwei Stunden Länge jederzeit fesselnder Film, eine melancholische Komödie, die mit ihrem Zeitreise-Konzept mehr über die kleinen Dinge des Lebens erzählt, als so manches bedeutungsschwere Drama.

Michael Meyns