Alles ist Liebe

Ein richtiger Weihnachtsfilm mit Starbesetzung: ein bisschen witzig, ein bisschen melancholisch, ein bißchen albern, vor allem mit ganz viel Herz. Das können nicht nur die Amerikaner (was zu beweisen war). Man sieht eine ganze Riege deutscher Schauspieler der ersten Reihen äußerst liebevoll miteinander spielen, während ein auf Herzenswärme bedachter Regisseur das alles wohldosiert ineinander verschachtelt. Die Kamera liefert mächtig-gewaltige Bilder dazu und fertig ist die Weihachtsüberraschung, die nur leider wenig Überraschendes bietet, wenn auch einige wirklich witzige Situationen. Für einen Familienfilm ist zuviel Erwachsenenpsycho, für einen Kinderfilm zu wenig Kindersicht, aber wenigstens ist genug Weihnachten drin. Alles ist Liebe und alles ist gut. Klingeling.

Webseite: www.allesistliebe-film.de

Deutschland 2014
Regie: Markus Goller
Darsteller: Nora Tschirner, Tom Beck, Heike Makkatsch, Wotan Wilke Möhring, Elmar Wepper, Christian Ulmen, Katharina Schüttler
Dauer: 120 Min
Start: 04.12. 2014
 

FILMKRITIK:

Es ist Weihnachten, das Fest der Liebe.
Wer hat sich das eigentlich ausgedacht? Mal abgesehen davon, dass vor langer Zeit einmal an einem 24. Dezember ein Kindlein geboren worden sein soll, das sich mit seiner Liebe für die Sünden der anderen … und so weiter. „An Weihnachten“ also ist Liebe, aber warum eigentlich nur an diesem und nicht an allen anderen 364 Tagen des Jahres auch? Und dann hat sich noch dieser alte Mann mit dem weißen Bart und dem roten Mantel in das  Fest intrigiert, allerdings mit einer sehr viel kürzeren Tradition. An den glauben alle unter sechs, alle über sechs sollen an ihn glauben, um im Tausch gegen ein Gedicht oder Lied die erhofften Geschenke einzusammeln. Das größte Geschenk bekommt dabei der Einzelhandel, und darum geht es. Aber zurück zum Film, der freilich nichts Böses will, ganz im Gegenteil.
 
Hannes (Wotan Wilke Möhring) hat seine Liebste Clara (Heike Makatsch) mit der Grundschullehrerin ihres gemeinsamen Sohnes betrogen und nun will er kitten, was nicht zu kitten ist. Die Verkäuferin Kiki (Nora Tschirner) witzelt sich durchs Leben und läßt niemanden wirklich an sich heran, obwohl sie immer noch an den Märchenprinzen glaubt, der sie vor 10 Jahren verlassen hat – oder sie ihn? Und genau den trifft sie unverhofft wieder: er ein Hollywoodstar, sie ein wackelndes Weihnachtspaket in der Weihnachtsshow ihres Kaufhauses. Klaus (Friedrich Mücke) wiederum will seinen Freund Viktor (Christian Ulmen) am Heiligen Abend heiraten, und plötzlich verläßt ihn der Mut – die klassische Hochzeitsszene, in der einer in letzter Sekunde Nein sagt, nur in schwul. Die einzig glücklichen scheinen Kerem (Fahri Yardim) und Simone (Katharina Schüttler) zu sein. Sie sind liebevolle Eltern zweier süßer Kinder, das dritte ist unterwegs. Bloß dass Kerem entlassen worden ist, was Simone nicht weiß, und dass ihm gerade die Weihnachtsmaskottchen, die er auf dem Weihnachtsmarkt gewinnbringend an ahnungslose Japaner verkaufen will, geklaut worden sind, wovon Simone ebenfalls nichts weiß.

Und da ist da noch der Weihnachtsmann, ein unsympatischer Möchtegernschauspieler,  der kurz vor seinem Auftritt stirbt. Schnell muss ein Neuer her, und das ist dann Martin alias Elmar Wepper. Dem gefällt es zwar, dass er erstmal irgendwo unterkommt, aber immer wenn es stressig wird, haut er ab. Wie damals, als er Frau und Sohn verließ. Nun, in die Jahre gekommen, hat ihn offenbar die Reue gepackt, und außerdem liegt seine Frau im Sterben. Deshalb war er losgefahren, um sie noch einmal zu sehen. Leider kommt er zu spät. Doch weil es ein Weihnachtsfilm ist, trifft er dafür seinen Sohn wieder, der – Stichwort Bindungsangst – nur deswegen seinen Freund  Victor nicht heiraten kann, weil eben dieser Vater die Familie damals so schnöde im Stich gelassen hatte.

Nun dürfen Sie raten, wie sich letztlich alles fügt und ich wette, Sie raten richtig.

Und natürlich tauchen auch Kerems absurde weiße Plüschhasen mit Weihnachtsmannmütze wieder auf und retten gemeinsam mit den Japanern, die sie kaufen, die Familie. Die Grundschullehrerin läßt Hannes in Ruhe, auf dass auch diese Familie wieder ihren Frieden finden kann. Das Weihnachtspaket Kiki läßt sich – nach ein wenig Gezicke – doch noch von ihrem Traumprinzen auf dem weißen Pferd ins Glück entführen, und alle Kinder, die immer noch an den Weihnachtsmann glauben oder es wenigstens vorgeben zu tun von wegen der Geschenke, dürfen dem entflohenen und wiedergefundenen Ersatzweihnachtsmann ihre Wunschbriefe übergeben. Denn bei aller Liebe, ein bisschen Konsum muss schon sein, und das hilft ja auch dem Einzelhandel, gell!

Das alles ist hübsch echt gespielt und manchmal sogar berührend, weil die Schauspieler dem weihnachtlich geschönten Drehbuch denn doch ab und an echte Konflikte und tiefe Gefühle entlocken können.

Caren Pfeil