Allied – Vertraute Fremde

Robert Zemeckis' während des Zweiten Weltkriegs angesiedeltes, mit Brad Pitt und Marion Cotillard hochkarätig besetztes Spionage- und Liebesdrama – das in vielerlei Hinsicht an den Klassiker "Casablanca" denken lässt, auch wenn Geschichte und Inszenierung ein wenig zu artifiziell geraten sind.

Webseite: www.allied-derfilm.de

USA 2016
Regie: Robert Zemeckis
Buch: Stephen Knight
Darsteller: Brad Pitt, Marion Cotillard, Jared Harris, August Diehl, Daniel Betts, Marion Bailey, Simon McBurney
Länge: 124 Minuten
Verleih: Paramount
Kinostart: 22. Dezember 2016

FILMKRITIK:

Ausgerechnet in Casablanca werden die beiden Agenten Max (Brad Pitt) und Marianne (Marion Cotillard) zusammengebracht. Er Kanadier, sie Französin, vereint im Kampf der Alliierten gegen die Nazis. Wir schreiben das Jahr 1942, der Kriegsausgang ist noch offen, Max und Marianne sollen mit der Ermordung des deutschen Botschafters in Marokko einen kleinen Teil zum Sieg beitragen. Dazu müssen sie sich als Ehepaar ausgeben, was anfangs etwas holprig vonstatten geht, bald jedoch so gut, dass sie sich verlieben.
 
Gemeinsam ziehen sie nach London, in einer Nacht, als der Krieg über der englischen Hauptstadt tobt, wird ein Kind geboren, das Glück scheint perfekt. Doch dann wird Max zu einem Gespräch mit seinen Vorgesetzten zitiert, wo er eine unfassbare Nachricht erhält: Marianne soll eine deutsche Agentin sein. Bewahrheitet sich der Verdacht, soll Max seine Frau eigenhändig beseitigen, auch um seine eigene Unschuld zu beweisen. Hin- und her gerissen zwischen Misstrauen und Unglauben, zwischen Loyalität zu seiner Frau und seiner Mission bewegt sich Max durch die folgenden Tage, verzweifelt einen Ausweg suchend.
 
Nicht nur des Schauplatz wegen muss man bei Robert Zemeckis „Allied“ immer wieder an einen der berühmtesten Filme des klassischen Hollywoods denken: „Casablanca“. Hier wie dort geht es um Liebe und Verrat, agieren makellose Schauspieler in atemberaubenden Kostümen, mit perfekten Haaren in exotischer Kulisse. Doch damit enden die Ähnlichkeiten, denn während Michael Curtiz Film einer der größten Klassiker des Kinos wurde, wird „Allied“ ein anderes Schicksal widerfahren.
 
Allein das Robert Zemeckis einen Film gedreht hat, der während des Zweiten Weltkriegs spielt, der in Kostüm und Ausstattung, aber auch in Mimik und Gestik der Schauspieler nicht im Jetzt angesiedelt ist, sondern durch und durch nostalgisch ist, legt einen dichten Schleier zwischen Publikum und Werk. So gediegen die Inszenierung auch ist, so makellos jedes Detail von Sets, Kostüm und Make Up: Wirklich nah kommt man den Figuren und ihren eigentlich existenziellen Problemen nicht.
 
Dass sich „Allied“ in dem Moment, in dem der Verdacht gegen Marianne geäußert wird, zudem in eine narrative Zwickmühle bewegt, aus der es nur zwei Auswege gibt, trägt nicht dazu bei, überzeugende Emotionen zu inszenieren. Zumal gerade in dieser Phase, in der Pitts Figur an sich, seiner Liebe und seiner Frau zweifelt, zwischen Unglaube und Misstrauen, zwischen Paranoia und Erleichterung hin und her schwankt, viel Potential verschenkt wird, Bezüge zu Schläferagenten und zeitgenössischer Paranoia kaum mehr als angedeutet werden.
 
So bleibt „Allied“ ein allzu kalter Film, der seine Figuren in eine artifizielle Versuchsanordnung steckt, wunderbar ausgestattet ist und vergangene Kinozeiten hinauf beschwört, selbst jedoch nur in Momenten die Emotionalität und das Pathos erzielt, das er eigentlich anstrebt.
 
Michael Meyns