Angry Birds – Der Film

Lose basiert „Angry Birds – Der Film“ auf der beliebtesten Reihe von Computerspielen für Smartphones, die seit 2009 sagenhafte drei Milliarden Mal heruntergeladen wurde! Die Filmversion variiert die minimale Handlung der Spiele, macht mit ihren absurden Figuren und oft anarchischem Humor aber als eigenständiger Film durchaus Spaß.

Webseite: www.angrybirds-film.de

USA/ Finnland 2016 – Animationsfilm
Regie: Clay Kaytis & Fergal Reilly
Buch: Jon Vitti
Länge: 99 Minuten
Verleih: SONY
Kinostart: 12. Mai 2016
 

FILMKRITIK:

2009 veröffentlichte eine finnische Firma das erste „Angry Birds“ Spiel, dessen Konzept simpel ist: Mittels einer überdimensionierten Steinschleuder gilt es, unterschiedliche Vögel auf  Schweine zu schießen, die in zunehmend komplizierten Bauten hausen. In unzähligen Varianten wurde dieses Konzept seitdem zum erfolgreichsten Spiel für Smartphones und anderen Plattformen. Dieser Erfolg zog umfangreiches Merchandising nach sich, unzählige Produkte mit den Visagen der Vögel gibt es zu kaufen, dennoch lag es nicht unbedingt nah, aus diesem Nichts an Handlung einen Film zu machen.

Im Bemühen, Filme mit quasi eingebauter Erfolgsgarantie zu drehen, greift Hollywood aber bekanntermaßen gern auf etabliertes zurück, inzwischen auch zunehmend auf bekannte Spiele. Vor ein paar Jahren war die Schiffe Versenken-Verfilmung „Battleship“ zwar eher ein Misserfolg, doch geplante Verfilmungen von „Monopoly“, „Cluedo“ und „Risiko“ deuten an, dass Hollywood bei der Suche nach Ideen absolut schmerzfrei ist.

Dass die „Angry Birds“-Spiele über eine so rudimentäre Handlung verfügen, erweist sich für die Verfilmung aber erstaunlicherweise als Glücksfall. Hauptfigur ist auch hier ein kleiner, runder, roter Vogel mit dem sinnigen Namen Red. Dieser besticht durch seine enormen Augenbrauen und durch cholerische Wutanfälle, die ihn auf der Vogelinsel erst recht zum Außenseiter machen. Denn hier ist gute Laune Pflicht, alle sind fröhlich und nett und wer wie Red ausschert wird zur Therapie verurteilt. Dort trifft Red auch auf den gelben Chuck, der unfassbar schnell ist, und auf Bombe, der gelegentlich explodiert.

Eines Tages kommt ein Schiff zur Vogelinsel, mit zwei grünen Schweinen an Bord. Voller Begeisterung empfangen die freundlichen Vögel den seltenen Besuch, allein Red ist misstrauisch und ahnt Böses. Doch niemand will ihm glauben, bis die Invasion der Schweine in vollem Gang ist und sämtliche Vogeleier gestohlen. In ihrer Hilflosigkeit wenden sich die Vögel an Red, der zwar eigentlich nur seine Ruhe haben will, nun aber in die Rolle des Helden gedrängt wird. Zusammen mit seinen Freunden schmiedet er einen ambitionierten Plan, bei dem schließlich auch eine große Steinschleuder zum Einsatz kommt.

Nein, „Angry Birds“ schwingt sich nicht in die künstlerischen Höhen auf, die manche Animationsfilme erreichen, auch ästhetisch bewegt sich die Produktion in eher konventionellen Bahnen. Doch als für heutige Verhältnisse eher bescheidene Produktion besinnt sich „Angry Birds“ auf seine merkwürdigen Hauptfiguren, die viel anarchischen Humor versprühen. Auch wenn hier im Kern eine kindgerechte moralische Geschichte erzählt wird, ein Lob auf die Gemeinschaft gesungen wird (und es wird tatsächlich viel gesungen in diesem Film!), bleibt Red doch immer ein Individuum, dessen Eigenarten von seinen Mitvögeln durchaus geschätzt werden.

Dass solch eine eigensinnige Figur im Mittelpunkt steht macht den Spaß von „Angry Birds“ aus, der auf musikalischer Eben eine oft bizarre Hommage an die 80er Jahre ist (Songs von A-ha über Rick Astley bis zu den Scorpions sind zu hören) und nicht mit hübschen Gags geizt, die oft im Hintergrund versteckt sind: Auf der Schweineinsel hängt da etwa ein Poster auf dem Kevin Bacon als Hauptdarsteller in Hamlet angekündigt wird, was dann doch einiges über den Witz dieses am Ende überraschend unterhaltsamen Films verrät.
 
Michael Meyns