Animals in Love

Der Erfolg der Natur-Doku „Unsere Erde“ zeigte auf eindrucksvolle Weise, wie groß das Interesse an solchen Formaten ist. So wundert es nicht, dass sich der Verleih auch zu einer Kinoauswertung von „Animals in Love“ entschlossen hat. Die französische Produktion beobachtet die komischen, bizarren und bisweilen sehr vertraut wirkenden Balz- und Liebesspiele unterschiedlicher Tierarten. Statt eines erklärenden Off-Kommentars setzt Naturfilmer Laurent Charbonnier ganz auf den Charme seiner tierischen Hauptdarsteller und atmosphärische Klänge aus der Feder von Altmeister Philip Glass.

Webseite: universumfilm.de

OT: Les animaux amoureux
F 2007
Regie & Kamera: Laurent Charbonnier
Produktion: Jean-Pierre Bailly
Musik: Philip Glass
Laufzeit 86 Minuten
Kinostar: 31.7.2008
Verleih: Universum

PRESSESTIMMEN:

…auf film-zeit.de

FILMKRITIK:

Die Natur ist eine große Bühne auf der schon seit Millionen von Jahren das immergleiche Stück aufgeführt wird. Da wird um die Gunst des potenziellen Partners mit allen Tricks und Kniffen, die sich die Evolution hat einfallen lassen, geworben. Verführerische Tänze, männliches Imponiergehabe, lautes Kreischen und sanftes Zwitschern sind nur einige der „Waffen“, die dabei zum Einsatz kommen. Rund 80 verschiedene Tierarten, darunter viele Vogelarten, Säugetiere, Amphibien und sogar Insekten beobachteten der französische Naturfilmer Laurent Charbonnier („Nomaden der Lüfte“) für „Animals of Love“. Verteilt auf über 500 Drehtage und zwei Jahren Produktionszeit trugen Charbonnier und sein Team 80 Stunden Bildmaterial zusammen, aus dem letztlich 86 Minuten für den Film ausgewählt wurden. 

Als roter Faden dienen dabei die einzelnen Stationen bis zur Geburt und Aufzucht des Nachwuchses. Von den ersten Annäherungsversuchen, über die Balz bis zur Paarung springt der Film fortlaufend zwischen den unterschiedlichen Schauplätzen hin und her. Eben noch befinden wir uns im tiefsten Dschungel und sehen dem sehr vertraut wirkenden Liebesspiel der Orang-Utans zu, schon wechselt Charbonnier in die afrikanische Steppe zu einer Herde Antilopen. Zwar bietet der Film damit reichlich Abwechslung, gleichzeitig wirkt er aus dem gleichen Grund recht oberflächlich und unstetig. Lediglich bei den Menschenaffen und einem Löwenpärchen scheint der treibende Rhythmus für kurze Zeit unterbrochen. Ansonsten versucht Charbonnier über Parallelmontagen und schnelle Ortswechsel, Gemeinsamkeiten im Verhalten aufzuzeigen und so den Gesetzmäßigkeiten des Lebens auf die Spur zu kommen.

Natürlich spielt „Animals of Love“ auch mit dem Abgleich von tierischem zu menschlichem Verhalten. Der bemitleidenswerte Verlierer, der im Kampf um seine Angebetete das Schlachtfeld räumen muss oder der eitle Schönling, der sich voller Stolz vor seiner Partnerin aufplustert, findet sich nicht nur im Tierreich. So angenehm es ist, dass der Film auf eine weiter gehende Vermenschlichung seiner Hauptdarsteller verzichtet – sprechende Pinguine sucht man bei Charbonnier vergeblich –, hätte man sich dennoch einen ergänzender Off-Kommentar gewünscht. Wie der Verleih mitteilte, soll dieser in der deutschen Kinofassung enthalten sein. Alles in allem kann es „Animals in Love“ nicht mit der Erfolgs-Doku „Unsere Erde“ aufnehmen. Dafür sind seine Bilder zu unspektakulär und seine Komposition zu sprunghaft.

Marcus Wessel

——————————————————————————————————————

Tierfilme sind in. Hier ist wieder ein schöner. Nicht weniger als 80 Tierarten werden gezeigt, in 16 Ländern wurde an 500 Tagen gedreht.

Vögel und anderes Gefieder, Libellen, Fische, Krabben, Affen, Hirsche, Kängurus, Löwen, Giraffen, Elefanten und vieles mehr. Die „Liebe“ der Tiere ist das Thema. Den Jahreszeiten folgend wird ihr Verhalten gezeigt: das Werben um den Partner, die Brunft, der Nestbau, die Paarung, die Geburt, die Fütterung der Jungen, die Aufzucht. Und alles was dazugehört: die Natur, der Wald, das Wasser, der Regen, der Schnee.

Beinahe wie die Menschen sind die Tiere – ebenso zärtlich wie grausam. Erstaunlich, zu welchen Verführungskünsten es kommt, wenn es um das Liebeswerben geht: Küsse, Tänze, „Gesang“, Geschenke und betörende Düfte. 

Ein mit Liebe, Mühe, Sorgfalt und Reichhaltigkeit zusammengestellter Tierfilm. Eines Kommentars bedurfte es nicht. Die Musik ist als eine Art Programmmusik angepasst.

Für Tierliebhaber sicherlich ein Genuss.

Thomas Engel