Anna

Wenn Luc Besson etwas kann, dann Action ansprechend in Szene setzen. Was ihm – im Gegensatz zu seinen frühen Filmen – jedoch mittlerweile weitestgehend fehlt, ist ein Gespür dafür, eine Geschichte zu erzählen, die nicht aus unzähligen Versatzstücken zusammengestoppelt ist. Bei „Anna“ erzählt er von einer unfreiwilligen Agentin des KGB, die als Killerin die Drecksarbeit für den Geheimdienst verrichtet, aber eigentlich nur davon träumt, endlich frei zu sein. Erinnert nicht nur an „Red Sparrow“, sondern ist praktisch ein Klon davon.

Webseite: www.studiocanal.de

Frankreich, USA 2019
Regie & Drehbuch: Luc Besson
Darsteller: Sasha Luss, Luke Evans, Helen Mirren, Cillian Murphy
Länge: 119 Minuten
Verleih: StudioCanal
Kinostart: 18. Juli 2019

FILMKRITIK:

Anna (Sasha Luss) ist ein heruntergekommener Junkie, hat aber Potenzial. Darum wird sie von Alexei (Luke Evans) für den KGB rekrutiert und dort auch ausgebildet. Ihr erster Einsatz könnte zum Desaster werden, Anna erweist sich jedoch als begnadete Killerin und wird auch weiterhin vom KGB in diffizilen Missionen eingesetzt. Aber eigentlich träumt Anna nur davon, endlich aussteigen und ein ganz normales Leben in Freiheit führen zu können. Doch lebend steigt niemand aus dem KGB aus. Das weiß auch Anna, weswegen sie einen Plan benötigt, der ihre Freiheit garantiert.
 
Luc Besson war wohl auch klar, dass er eine Geschichte erzählt, wie sie ausgelutschter nicht sein könnte und von der Hintergrundgeschichte der Superheldin Black Widow bis zum Jennifer-Lawrence-Actionfilm „Red Sparrow“ schon häufig durchexerziert wurde. Darum versucht Besson, Komplexität vorzugaukeln, indem er nicht linear erzählt, sondern munter in der Zeitlinie hin und her springt. Erst 1985, dann fünf Jahre später, dann drei Jahre früher, dann drei Jahre später, dann sechs Monate früher und so weiter und so fort.
 
Die Rückblicke dienen dann dazu, die überraschenden Wendungen zu erklären. Allein, überraschend ist an „Anna“ einfach gar nichts. Im Gegenteil, der Film wandelt auf extrem ausgetretenen Pfaden und hat keinerlei originelle Idee oder Ansatz. Er ist streng nach Baukastenprinzip gestaltet.
 
Das macht ihn mit einer Laufzeit von fast zwei Stunden zu einer langatmigen Angelegenheit, weil man als Zuschauer der Geschichte immer ein bis zwei Nasenlängen voraus ist. Wirklich gelungen sind nur die Actionsequenzen, bei denen sich Hauptdarstellerin Sasha Luss in bester John-Wick-Manier durch eine ganze Legion von Gegnern kämpft. Das Gefühl, dass sie verlieren könnte oder in Gefahr schwebt, kommt hier niemals auf. Das nimmt dem Ganzen Spannung, ästhetisch ist dieses Gewaltballett aber durchaus geworden. An der visuellen Kraft dieser Szenen kann man sich also erfreuen, recht viel mehr als das bietet der Film aber nicht.
 
Zumal die Hauptdarstellerin auch ein Teil des Problems ist. Die gebürtige Russin ist in den Szenen, in denen ihre Figur russisch spricht überzeugend, wenn sie jedoch auf Englisch spielen muss, dann merkt man Luss schon an, dass ihr das Schwierigkeiten bereitet. Sie wirkt dann hölzern, worüber ihr attraktives Äußeres auch nur bedingt hinwegtäuschen kann.
 
„Anna“ ist im Grunde kein Film, den man im Kino sehen muss, zumal er auch noch deutlich besser war, als er noch „Red Sparrow“ hieß …
 
Peter Osteried