Antonio, ihm schmeckt’s nicht!

Nach Jan Weilers „Maria, ihm schmeckt’s nicht“ nun also "Antonio, ihm schmeckt's nicht!", die Verfilmung von Weilers Folgebuch "Antonio im Wunderland". Die beiden Liebenden Jan und Sara wollen die Hochzeitsreise nachholen, und zwar möglichst schnell, denn Sara ist schwanger. Das Ziel ist New York, aber natürlich mischt sich Papa Antonio wieder ein und sorgt für deutsch-italienisches Familienchaos im Big Apple. Die beiden Hauptdarsteller und touristisches New York-Flair bringen ordentlich Schwung in die turbulente Komödienhandlung, aber leider kann das Drehbuch trotz einiger hübscher Gags nicht ganz mithalten. Doch mit ihren prächtigen Wortgefechten liefern Christian Ulmen und Alessandro Bressanello unter der routinierten Regie von Sven Unterwaldt (u. a. „Ottos Eleven“) eine gute Grundlage für den Erfolg dieses Sequels.

Webseite: www.antonio-ihm-schmeckts-nicht.de

Deutschland 2016
Regie: Sven Unterwaldt
Drehbuch: Daniel Speck
Darsteller: Christian Ulmen, Mina Tander, Alessandro Bressanello, Maren Kroymann, Peter Prager
Länge: 94 Minuten
Verleih: Fox Deutschland
Kinostart: 18. August 2016
 

FILMKRITIK:

Jan und Sara haben die Hochzeit und die Begegnung mit der italienischen Verwandtschaft mittlerweile einigermaßen verdaut. Zur Freude der Familie erwartet Sara ein Baby, aber erstmal geht Papa Antonio in Rente. Er hat immer noch ein aufmerksames Auge auf seine Tochter und den deutschen Schwiegersohn. Nach außen demonstrieren die beiden Einigkeit, aber trotz großer Liebe kriselt es in der Beziehung, in der Jan immer weniger zu melden hat. Die Mutter und ihr ungeborenes Kind gehen in allem vor. Daher kommt Jan auf die Idee, Sara ihren größten Traum zu erfüllen: ein Flug nach New York als nachgeholte Flitterwochen in trauter Zweisamkeit, endlich mal ohne Familie, mit ein bisschen Romantik und ein bisschen Kuscheln, ehe beide endgültig von der Elternschaft überwältigt werden – so stellt sich Jan die Reise vor. Denn wenn das Baby erstmal da ist, stehen die Chancen für einen Pärchenurlaub auf Jahre hin ziemlich schlecht. Doch der Fluchtversuch des jungen Paares endet schon vor dem Abflug, denn ungefragt offenbart ihnen Saras Vater Antonio, dass er mitkommen wird. Das Chaos steigert sich, als Antonio anstelle von Sara auf dem Platz neben Jan landet und Sara am Boden bleibt, während die Maschine abhebt. Nach der Ankunft in New York lässt sich Antonio nicht mehr abschütteln und genießt mit Jan das Leben im Luxushotel. Von nun an sind Schwiegervater und Schwiegersohn im Hotel das Honeymoon-Paar, für das Jan schon im Vorfeld das volle Programm gebucht hat, vom rosenblättergeschmückten Ehebett über den Stehgeiger beim Frühstück bis zur Kutschfahrt durch den Central Park. Verzweifelt versucht Jan, seine Sara doch noch nach New York zu holen. Antonio macht sich indes auf die Suche nach einem alten Freund aus Kindertagen, der zu unglaublichem Reichtum gelangt sein soll …
 
Nach Motiven des Bestsellers „Antonio im Wunderland“ von Jan Weiler entstand ein Drehbuch, das praktisch alles enthält, was nach offenbar herrschender Meinung ein großes Publikum erfreuen könnte, sofern es öffentlich-rechtlich kompatibel und politisch korrekt ist. Aus der reinen Männerstory wurde eine Pärchengeschichte inklusive hochschwangerer Frau mit allem Drum und Dran, daher auch, wie erwartet, mit einer Geburt zum versöhnlichen Ende. Die Schwangerschaft dient dabei als schier endlos sprudelnde Quelle von Witzen, von denen viele durchaus schon längere Zeit beliebt sind. Auch das Missverständnis, bei Jan und seinem Schwiegerpapa handele es sich um ein Liebespaar, wird allzu gern und bis weit übers Limit bedient. Glücklicherweise sind zumindest einige der besten Gags aus der Vorlage geblieben, so Antonios hochkomische Differenzen mit dem US-Immigration-Office.
 
Durch die flagranten Änderungen an der Vorlage kommt nicht nur die innere Logik, sondern auch beinahe jeglicher Tiefsinn abhanden, der aus dem Buch eine witzige und einigermaßen anspruchsvolle Lektüre macht. Hier geht es kaum mehr um spannende Charaktere, um kulturelle Besonderheiten und daraus folgende Verwicklungen, sondern vorrangig um Slapstick und eine teilweise ziemlich rabiate Situationskomik. Jan bleibt anfangs nur die Rolle eines leicht bescheuerten Tollpatsches. Ihm gelingt es nicht einmal, dem Hotelpersonal gegenüber den Irrtum aufzuklären, er sei mit dem alten Zausel an seiner Seite liiert. Ein paar schöne Überraschungen gibt es dennoch. Christian Ulmen macht aus Jan im Verlauf der turbulenten Handlung einen Mann am Rande des Nervenzusammenbruchs und wird dabei immer komischer. Alessandro Bressanello, der „neue“ Antonio nach Lino Banfi, entpuppt sich als extrem leidenschaftlicher Schauspieler, dem zu viel nicht genug ist. Er ist ein Freund lauter Töne und wilder Gesten. Gemeinsam reißen die beiden Vollblutmimen die Geschichte an sich und springen dermaßen rasant durch den Plot, dass die Ungereimtheiten kaum noch auffallen. Das macht dann richtig Spaß, und schon aus diesem Grunde ist der Film für Fans eines gewissen Brachialhumors durchaus empfehlenswert.
 
Gaby Sikorski