Apollo 11

50 Jahre ist es her, dass der Mensch erstmals den Mond betreten hat. Im Juli jährt sich dieses Ereignis, passend dazu kommt die Dokumentation „Apollo 11“ von Todd Douglas Miller in die Kinos. Es handelt sich aber nicht um eine konventionelle Dokumentation, bei der man mit Interviews und dergleichen rekonstruiert, wie es damals gewesen ist, sondern hier wird das seinerzeit gedrehte Filmmaterial in kuratierter und chronologischer Form aneinandergereiht. Das erlaubt das authentische Gefühl, wie dieser Flug zum Mond und die Landung stattgefunden haben, für jedermann ist dieser Film aber sicherlich nicht, erinnert er in seiner Art doch an das sperrige Space-Night-Programm der dritten Fernsehprogramme.

Webseite: www.pieceofmagic.com

USA 2019
Regie: Todd Douglas Miller
Länge: 93 Minuten
Verleih: Piece of Magic Entertainment
Kinostart: 7. Juli 2019

FILMKRITIK:

Der Film setzt wenige Stunden vor Start der Rakete ein und erzählt dann davon, wie sie abhebt, wie sie zum Mond fliegt, wie Neil Armstrong und Buzz Aldrin mit dem Mondmodul landen und wie sie wieder zur Erde zurückkehren. Das geschah im Verlauf von gut einer Woche und ist hier chronologisch gut geordnet, die unterlassene historische Einordnung macht „Apollo 11“ aber zu einer zwiespältigen Angelegenheit.
 
Zwar kann man argumentieren, dass es authentischer nicht geht und man so praktisch aus erster Hand gezeigt bekommt, wie diese Großleistung zustande gekommen ist, da aber nur Originaltöne vorkommen, ohne dass eine Kommentierung stattfinden würde, ist das oftmals etwas sehr trocken geraten. Zumal die Bilder, die man bietet, zwar durchaus neu sind, aber im Grunde nicht so erscheinen.
 
Todd Douglas Miller konnte für „Apollo 11“ auf bisher unveröffentlichte 70mm-Originalaufnahmen zurückgreifen, die digital bearbeitet wurden, um ein möglichst scharfes Bild zu ergeben. Darüber hinaus wählte er aus über 11.000 Stunden Audiomaterial, was der Zuschauer hören sollte. Aber wenn das die interessantesten Passagen sind, dann kann man sich vorstellen, welche Plackerei die Sichtung dieser zigtausende Stunden Audiomaterials war. Denn in erster Linie geht es hier technisch zur Sache. Nur ganz selten kommt ein wenig Gefühl auf, etwa dann, wenn Neil Armstrong mit dem Präsidenten spricht oder sich am Ende bei all jenen bedankt, die diesen Flug möglich gemacht haben.
 
Der Film möchte den Eindruck vermitteln, wie es gewesen sein muss, 1969 diesem Ereignis live beizuwohnen, aber echtes Gefühl dafür möchte sich beim Sichten des technisch ansonsten schön gemachten Films nicht einstellen. Das geht vielleicht nur, wenn man ein ganz besonders großes Interesse am Weltraum und seiner Erkundung hegt. Für Gelegenheitszuschauer ist diese Reise zum Mond aber etwas zu langatmig geraten.
 
Peter Osteried