Astronaut Farmer

Träumen muss erlaubt sein. Und wo, wenn nicht im Kino, ist dies am besten möglich. Die Independentfilmbrüder Michael und Mark Polish lassen in „Astronaut Farmer“ Billy Bob Thornton als amerikanischen Landwirt zum Ausflug ins All schreiten. Trotz uneingeschränkter Unterstützung seiner Familie, wenn im Land der unbegrenzten Möglichkeiten Träume zur Gefahr für die Nation werden, hört der Spaß auf. Mit augenzwinkernder Ironie und einer großen Sympathie für Außenseiter geben die Polish-Brothers in ihrem surreal märchenhaften Film aber nicht klein bei.

Webseite: www.astronaut-farmer.de

USA 2007
Regie: Michael Polish
Buch: Mark und Michael Polish
Mit: Billy Bob Thornton, Virginia Madsen, Max Thieriot, Bruce Dern, Tim Blake Nelson und Bruce Willis
104 Minuten
Verleih: Koch Media GmbH/Vertrieb: Neue Visionen
Kinostart am 27.12.07

PRESSESTIMMEN:

Ein leicht versponnener, märchenhafter und elegant fotografierter Film, der, getragen von einem überzeugenden Hauptdarsteller, intensiv an die Kraft von Lebensträumen gemahnt. – Sehenswert.
film-dienst

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FILMKRITIK:

Nein, die Erde ist nicht verseucht. Das Charles Farmer (Billy Bob Thornton) in einem Raumfahrerschutzanzug und behelmt durch die Landschaft reitet, ist für ihn Ausdruck seines größten Traumes und zugleich Trainingseinheit für denselben. Farmer will mit einer selbstkonstruierten Rakete – ein Nachbau einer 1960er Atlas Mercury, die damals tatsächlich eingesetzt wurde – einen Ausflug in den Weltraum unternehmen. Seit seiner Kindheit träumt er davon, am Vehikel dazu bastelt der auch beruflich als Farmer arbeitende Hobbyastronaut in einer seiner Scheunen. Die Familie (darunter Virginia Madsen als Frau und Bruce Dern als Großvater) steht uneingeschränkt hinter diesem Projekt.

Problematisch wird es, als Farmer Charles den zum Allausflug notwendigen Brennstoff ordert. 10.000 Liter Sprit, da wittern FBI und CIA terroristische Motive und rücken auf der einsam gelegenen Farm in Texas an – und mit ihnen die sensationshungrigen Medienvertreter. Die Flugbehörde droht gar, eine Rakete auf die Farm zu richten, sollte der offenbar Verrückte sich dem Startverbot widersetzen. Ihre Argumentation: „Wir sind geübt darin, Leute umzubringen, die Träume haben.“ Charles Farmer aber hält trotz der inzwischen nicht mehr nur lebens-, sondern aufgrund aufgelaufener Schulden mittlerweile auch existenzbedrohlichen Situation an seinem Traum fest.

Natürlich übersteigt das Vorhaben die Dimension eines auf eigene Faust realisierbaren Traumes. Es ist daher klar, dass die Grenzen des Realen schon mit der Geschichte selbst überschritten sind, die Story also mehr von symbolischem Gehalt ist. Als unabhängige Filmemacher wissen Mark und Michael Polish nur zu gut, wie schwer es ist, eigene Projekte zum Fliegen zu bringen. Für sie sicher ein Glücksfall ist nun, dass mit Billy Bob Thornton ein Big Player im Hollywoodgeschäft mit an Bord ist und dabei nicht nur den Astronaut Farmer mit großer Glaubhaftigkeit spielt, sondern durch seine Person auch eine gewisse Zugkraft entwickelt. Dies äußert sich unter anderem auch in der Mitwirkung anderer Darsteller wie Virginia Madsen, Bruce Dern, Tim Blake Nelson und dem im Abspann unerwähnten Bruce Willis.

Die Prominenz ist neben der liebevoll rührigen und – auch das sehr angenehm – nicht vorhersehbaren Geschichte der eine Trumpf von „Astronaut Farmer“. Die brillanten Bilder mit einem manchmal etwas übertrieben goldenen Glanz und die bis ins Detail ausgetüftelten Kulissen sind ein weiterer. So wie sich die NASA dafür blamieren würde, vollbrächte ein Heimwerker tatsächlich ähnliches wie die mit Millionenbudgets ausgestattete Raumfahrtbehörde, so triumphieren hier die Polish-Brüder mit ihrem surrealen Märchen über Hollywood.

Thomas Volkmann