Atomic Falafel

Im Nahen Osten spielt diese israelisch-deutsch-neuseeländische Koproduktion, eine wilde Parodie auf Kriegstreiberei und Machtgier: Auf der einen Seite stehen drei Teenies – die rebellische Nofar aus Israel, ihr bester Kumpel, der Hacker Meron, und die iranische Rapperin Shahareh; auf der anderen Seite lauern zwei bis an die Zähne bewaffnete Armeen. Mit vereinten Kräften bringen die Drei die waffengeilen Militärs zur Räson und verhindern einen Atomkrieg… Die beängstigende Aktualität des Plots ist vielleicht eine einfache Erklärung dafür, dass so mancher Lacher im Halse stecken bleibt. Doch die etwas rumpelige Teenieversion von „Dr. Seltsam“ besitzt durchaus einigen Charme und könnte vor allem das junge Publikum ansprechen.

Webseite: www.movienetfilm.de

Israel/Deutschland/Neuseeland 2015
Regie und Drehbuch: Dror Shaul
Kamera: Sebastian Edschmid
Darsteller: Alexander Fehling, Mali Levi Gershon, Michelle Treves, Jonathan Cherchi, Will Robertson
Länge: 88 Minuten
Verleih: Movienet
Kinostart: 14.7.2016
 

FILMKRITIK:

Nofar lebt zusammen mit ihrer Mutter Mimi, die mitten in der israelischen Wüste einen Falafel-Imbiss in einem umgebauten Van betreibt. Mimis Produkte mit extrascharfer Sauce sind bei den Soldaten des naheliegenden Militärcamps dermaßen beliebt, dass sie sich schon mal nachts heimlich mit ihren Panzern auf den Weg zum Imbiss machen oder Mimi die Koordinaten schicken, damit sie zwecks Auslieferung der heißen Ware zum Truppenübungsplatz fährt. Derweil plagt sich Nofar mit Schulproblemen – als aufmüpfiger Teenie hat sie es schwer und droht, von der Schule zu fliegen. Was weder Mutter noch Tochter ahnen: Sie sitzen buchstäblich auf dem Pulverfass, denn nur ein paar Meter unter ihnen befindet sich eine geheime Kommandozentrale der israelischen Armee. Dort haben sich hochgradige Militärs versammelt, die einen Atomangriff aus dem Iran erwarten, auf den sie mit furchtbaren Vergeltungsschlägen antworten wollen.
 
Bis dahin klingt diese Story zwar ungewöhnlich, aber einigermaßen logisch – kein Wunder, denn es handelt sich erstmal nur um den Beginn einer hanebüchen verzwickten Geschichte, in der es nebenbei auch noch um erste und zweite Liebe, Whistleblowing, Online-Freundschaften und um eine merkwürdige Allergie geht. Und natürlich um köstliche Falafel.
 
Eine Schar internationaler Schauspieler schmückt den Film, der nicht nur von Dialogwitz und Situationskomik lebt, sondern auch von einem geradezu babylonischen Sprachengewirr, das einen Teil des Charmes ausmacht und durch die deutsche Fassung hoffentlich erhalten bleibt. Mali Levi Gershon spielt taff und sexy die alleinerziehende Mimi, die sich Hals über Kopf ausgerechnet in den Deutschen Oli verknallt, ein Mitglied der Internationalen Atomwaffenkontrollkommission. Alexander Fehling spielt den Oli mit viel Sinn für Humor bis hin zum Slapstick. Die drei Kids sind Michelle Trevis als Nofar, Idan Carmeli als ihr computerkundiger Verehrer Meron und Tara Melter als iranische Rapperin, die via Social Media zu Nofars Freundin und schließlich zur Verbündeten wird.
 
Der israelische Filmemacher Dror Shaul serviert einen knallbunten, herbsüßen Cocktail zum Thema Völkerverständigung, bei dem die Selbstironie ebenso wenig fehlt wie die schonungslose Bloßstellung von Machtgier und Militarismus. Das hätte eine pessimistische Weltschau ergeben können, doch im Mittelpunkt der Handlung steht hier die Jugend und damit auch der Optimismus. Zahlreiche Anleihen bei „Dr. Seltsam oder Wie ich lernte die Bombe zu lieben“ sind nicht nur offenkundig, sondern sicherlich beabsichtigt: Die israelischen Offiziere und Politiker erscheinen ebenso wie ihre iranischen Kontrahenten wie modernisierte Abziehfiguren aus Kubricks Klassiker. Zusätzlich gibt es noch jede Menge Verwicklungen und Nebenhandlungen, die mal mehr, mal weniger logisch die Handlung manchmal eher strecken als bereichern.

Auch wenn statt auf Tiefgang manchmal eher auf Lacher spekuliert wird, so bleibt doch der Eindruck, dass bei aller zur Schau gestellten Absurdität hier ein hoch anständiger Film mit einer ganz eindeutigen Friedensbotschaft ins Kino kommt.
 
Gaby Sikorski