Auf brennender Erde

Eine Liebe mit schmerzlichem Ende und Sex, der Schmerzen betäuben soll. Zwei Frauen – gespielt von Charlize Theron und Kim Basinger – durchleben in weit voneinander entfernten Ecken der USA extreme Gefühle und existenzialistische Dramen. Der für den ausgezeichneten Drehbuchautoren Guillermo Arriaga typische Stoff „Auf brennender Erde“ wurde diesmal von ihm selbst verfilmt. Mit bewegendem Schauspiel, spannender Dramaturgie und eindrucksvollen Bildern.

Webseite: www.capelight.de

USA 2008
Regie und Buch: Guillermo Arriaga
Darsteller: Charlize Theron, Kim Basinger, Joaquim de Almeida, Jennifer Lawrence
Länge: 107 Min.
Verleih: Capelight
Kinostart: 26. Mai 2011

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Guillermo Arriaga ist der Drehbuchautor der Iñárritu-Erfolge „Amores Perros“, „21 Gramm“ und „Babel“ – existenzielle Geschichten, durch Schicksal und Drehbuch-Verschachtelung dramatisch ineinander verwoben. „Auf brennender Erde“ ist Arriagas Spielfilmdebüt, das schon 2008 in Venedig mit brennender Ungeduld empfangen wurde. Dabei enttäuschte der Mexikaner auch als Regisseur nicht. Um es vorwegzunehmen: „Auf brennender Erde“ brennt sich mit eindrucksvollen Bildern, mit gewaltigen und auch gewalttätigen Szenen ins Gedächtnis ein. Ein Kino-Erlebnis!

Die verheiratete Gina (Kim Basinger) hat im trockenen, wüstenartigen New Mexico eine leidenschaftliche Affäre mit Nick (Joaquim de Almeida). Da der Weg zwischen ihren Wohnungen zu weit ist und sie einen geheimen Platz für ihre erotischen Treffs brauchen, stellt Nick einen Camping-Wagen irgendwo in die flache Landschaft. Gleichzeitig will es der Zufall, dass sich Ginas Tochter Mariana (Jennifer Lawrence) und Nicks Sohn Santiago (J.D. Pardo) treffen. Mit tragischen Folgen – wir sehen immerhin einen Arriga-Stoff!

In Portland, Oregon, lernen wir Sylvia (Charlize Theron) kennen, äußerlich eine attraktive und erfolgreiche Frau, die ein edles Restaurant in exquisiter Küstenlage leitet. Ihre inneren Verwundungen sehen wir nicht direkt – zum einen straft sie sich selbst mit tiefen Schnitten auf der Innenseite ihrer Schenkel. Auch die schnell wechselnden Männer, mit denen sie flüchtigen Sex hat, sind eher Selbstkasteiung. Doch einer bleibt hartnäckig…

Arriaga erzählt erneut rätselhaft mit verschiedenen Handlungslinien, die erst spät zusammengeführt werden können. Wobei „spät“ ein schwieriger Begriff ist: Die Ereignisse und Figuren sind diesmal nicht nur räumlich, sondern vor allem auch durch die Zeit getrennt. Man ahnt, dass es sich um verschiedene Lebensabschnitte einer Person handeln könnte – das Rätseln bleibt aber bis zum dramatischen Finale ein Teil des Reizes dieses Films.

Durch die Reaktionen der Filmpresse zieht sich seit einer Weile das Argument, man hätte sich an der verschachtelten Erzählstruktur von Arriaga und Epigonen sattgesehen. Ob das auch für ein Publikum zutrifft, dass nicht zig Filme dieser Form im Jahr vorgesetzt bekommt, ist fraglich. Außerdem beklagte die gleiche Presse bei Iñárritus „Biutiful“ gerade das Ausbleiben dieser Struktur. Arriagas „brennende Erde“ hält auf jeden Fall durch diesen dramatischen Trick die Aufmerksamkeit hoch. Vor allem fesselt er aber durch das intensive Spiel von Theron, Basinger & Co. Schuld und Sühnen sind auch hierbei die wiederkehrenden Themen. Die eindrucksvolle Jennifer Lawrence erhielt für die Rolle der jungen Mariana in Venedig verdienterweise den „Premio Marcello Mastroianni“ als Beste Nachwuchsschauspielerin. (Sie ist jetzt auch in „Winter’s Bone“ zu erleben.) Dazu sorgen die eindrucksvollen Bilder des Oscar-Gewinners Robert Elswit („There will be blood“) für satten Augenkitzel. Nicht nur in der zentralen Szene der brennenden Ebene, die für den Film titelgebend ist.

Günter H. Jekubzik

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