Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt

Die Apokalypse als leise Komödie und romantisches Roadmovie. Damit ist das Regiedebüt von Lorene Scafaria so etwas wie der unterhaltsame Gegenentwurf zu Lars von Triers Endzeit-Tristesse „Melancholia“. Steve Carell und Keira Knightley finden vor dem Hintergrund des drohenden Weltuntergangs zu einer ungewöhnlichen Schicksalsgemeinschaft zusammen. Das Resultat ist aus vielerlei Gründen beachtlich und äußerst humorvoll und vor allem mutig zu Ende erzählt.

Webseite: www.aufdersuche-film.de

OT: Seeking a friend for the end of the world
USA 2012
Regie & Drehbuch: Lorene Scafaria
Musik: Jonathan Sadoff, Rob Simonsen
Darsteller: Steve Carell, Keira Knightley, Martin Sheen, Adam Brody, Melanie Lynskey
Laufzeit: 101 Minuten
Kinostart: 20.9.2012
Verleih: UPI

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Was tun, wenn die Welt untergeht? Mit dieser zugegeben nicht alltäglichen Frage werden auch der brave Versicherungsangestellte Dodge (Steve Carell) und seine Ehefrau Linda (Nancy Carell) konfrontiert. Während Dodge alle Ängste in sich hineinfrisst, nimmt seine Frau auf der Stelle Reißaus. Ohne lange nachzudenken lässt sie ihren Mann sitzen. Für diesen ist der plötzliche Single-Status fast ein größerer Schock als das nahende Armageddon. Auch die Aufmunterungsversuche seiner Freunde samt wilder Partys und Drogenexzesse können ihn nicht wirklich auf andere Gedanken bringen. Erst als ihn ein Brief seiner High-School-Flamme Olivia erreicht, schöpft Dodge neuen Lebensmut. Ihm wird klar, dass er alles versuchen muss, um Olivia wiederzusehen.

Auf dieser angesichts sich ausbreitender Unruhen nicht ganz ungefährlichen Mission begleitet ihn seine Nachbarin Penny (Keira Knightley). Obwohl die junge Frau schon länger in der Wohnung gegenüber lebte, sind sich beide kaum einmal begegnet. Auch Penny hat ein Ziel. Nach einem heftigen Streit mit ihrem Freund hat sie beschlossen, die wenigen Tage, die unserer Erde noch bleiben, bei ihrer Familie in England zu verbringen. Dodge verspricht, ihr bei diesem Vorhaben zu helfen, wenn sie ihn im Gegenzug nur mitfahren lässt. Es ist der Beginn eines apokalyptischen Roadmovies, bei dem sich die beiden Reisenden schon bald näherkommen sollen. Dabei geschieht die Annäherung auf eine ähnlich charmante Weise wie seinerzeit zwischen Bob und Charlotte in „Lost in Translation“. Der Altersunterschied tritt auch hier schnell in den Hintergrund.

Aus der Schicksalsgemeinschaft entwickelt sich vor der Kulisse des unmittelbar bevorstehenden Weltuntergangs eine besondere Beziehung, die zunächst nur über stille Blicke und Gesten funktioniert. So unterschiedlich beide auch sind – Dodge scheint als der Prototyp des pflichtbewussten, grauen Nobodys beinahe unsichtbar, Penny ist hingegen extrovertiert, manchmal laut und unüberlegt in ihren Aktionen –, finden sie doch am Ende auf einem äußerst berührenden Umweg zueinander. Regisseurin Lorene Scafaria, die zugleich das Drehbuch zu „Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt“ verfasste, scheute erfreulicherweise nicht vor einer gefühlvollen, – manche werden vermutlich sagen kitschigen – Auflösung zurück. Mit dem Ausgang ihres Regiedebüts stellt sie aber auch ihren Mut unter Beweis. So bleibt sie ihrem Endzeitszenario bis zuletzt ohne nennenswerte Abstriche treu.

Bis die Welt jedoch untergeht, wird es für Dodge, Penny und den Zuschauer nie langweilig. Trotz der nicht unbedingt unbeschwerten Ausgangslage gibt es unerwartet viel zu lachen und zu schmunzeln. Vor allem ein herausragender Steve Carell bringt in der Rolle des braven, viel zu lange angepassten Jedermanns das Publikum schnell auf seine Seite. Über ihn zieht uns Scafaria in ihren warmherzigen, leisen und dabei ungemein einnehmenden Film, der nicht zuletzt als Komödie ziemlich gut funktioniert. Es sind darüber hinaus die vielen kleinen Einfälle, mit denen sie ihre ungewöhnliche Reisegeschichte auskleidet und für die man „Auf der Suche…“ in bester Erinnerung behält. Gerade wenn die Apokalypse anklopft, ist man zusammen weniger allein.

Marcus Wessel

Ein über 100 Kilometer breiter Asteroid nähert sich der Erde. Er wird auf ihr aufprallen. Die Versuche, ihn abzulenken, schlugen fehl. Das heißt mit anderen Worten, dass der Untergang der Erde bevorsteht. Nur noch wenige Tage.

Dodge ist ein seriöser, sich zurückgezogen gebender Mensch. An dem Tag aber, an dem bekannt wurde, dass die endgültige Katastrophe nicht mehr abzuwenden ist, wird er von seiner Frau verlassen.

Im gleichen Haus wohnt Penny. Sie ist aus anderem Holz geschnitzt, umtriebig, extrovertiert, anscheinend ein wenig flatterhaft. Sie hat für Dodge bestimmte, falsch zugestellte Post zu lange aufgehoben. Nach drei Monaten erst übergibt sie sie Dodge.

Ein Brief von Olivia ist dabei Dodges alte Liebe. Er will sie besonders jetzt nach Erhalt des Briefes unbedingt noch einmal sehen. Also auf!

Penny will, bevor es für immer zu spät ist, unverzüglich zu ihren Eltern.

Wegen der bevorstehenden Apokalypse brechen in der Stadt Unruhen aus. Dodge und Penny müssen fliehen. Jeder will noch seinen Plan verwirklichen. Von Liebe ist (noch) nicht im Geringsten die Rede.

Was die beiden unterwegs erleben, Dramatisches oder Lustiges, macht den größten Teil der Handlung des Films aus. Am Ende sind sie ein Paar. Doch nicht lange. Der Weltuntergang wird nicht aufzuhalten sein.

Was tut man, wenn man weiß, dass nur noch kurze Zeit bleibt – beispielsweise aufgrund einer tödlichen Krankheit? Was tut man als einzelner? Was tut, wenn dies für mehrere oder viele gilt, die Gemeinschaft? Das ist der interessante (eigentlich auch originelle) Focus dieses Films. Mehrere typische Verhaltensweisen, außergewöhnliche Situationen und Kurzschlussreaktionen werden denn auch geschildert, nicht wirklich tiefgreifend oder umfassend, aber wenigstens ansatzweise.

Ansonsten geht es (vorhersehbar) um eine aufblühende, aber wegen der Katastrophe eher traurige Liebesgeschichte.

Die allerdings erhält eine Menge Leben durch die Art und Weise, wie Keira Knightly und Steve Carell dies zeigen. Besonders die Rolle der Penny ist Keira Knightly aufs beste geglückt.

Thomas Engel