Auf der Suche nach Ingmar Bergman

Den zahllosen Dokumentationen, Würdigungen, Huldigungen, die im Lauf der Jahre über Ingmar Bergman, einen der ganz großen der Filmgeschichte, gedreht wurden, kann Margarethe von Trotta zwar wenig Sachliches hinzufügen. Ihre Dokumentation „Auf der Suche nach Ingmar Bergman“ überzeugt stattdessen durch einen persönlichen Ansatz, in dem von Trotta die Bedeutung Bergmans für ihr eigenes Schaffen reflektiert.

Webseite: www.weltkino.de

Dokumentation
Deutschland 2018
Regie: Margarethe von Trotta, Felix Moeller, Bettina Boehler
Buch: Margarethe von Trotta & Felix Moeller
Länge: 97 Minuten
Verleih: Weltkino
Kinostart: 12. Juli 2018

PRESSESTIMMEN:

Und dennoch schafft es die wunderbare Montagekunst von Bettina Böhler und Margarethe von Trotta immer wieder, mithilfe der sinfonischen Musik von Bergmans langjährigem Hauskomponisten Erik Nordgren aus der nüchternen Kommentarebene in Bergmans Zauber- und Horrorwelt hinüberzublenden.
Der Tagesspiegel

Auf der Suche nach Ingmar Bergman ist ein faszinierendes Puzzle zu dessen 100. Geburtstag.
Hamburger Abendblatt

Es geht der Münchner Filmemacherin nicht um biographische Daten oder das Gesamtwerk, sondern um ihre Begegnung mit Bergman und seinem Schaffen. Resultat ist das zärtliche Porträt eines gefürchteten und geliebten Menschen, der Kamera-Assistenten und Script-Girls schnell vor die Tür setzte.
Abendzeitung

So entsteht ein faszinierendes Puzzle, ein Wechselspiel aus Innen- und Außenansichten.
Berliner Morgenpost

Solide Würdigung einer Regie-Ikone.
Hamburger Abendblatt

Sichtbar unterstützt durch die Expertise ihres Sohnes Felix Möller, der selbst ausgezeichnete Dokumentarfilme dreht, und die editorische Eleganz der Montagekünstlerin Bettina Böhler, ist der 76-jährigen Dokumentarfilmdebütantin ein wunderbar intimer, bewusst offen gehaltener Blick auf die „Persona Ingmar Bergman“ gelungen.Ehre, wem Ehre gebührt: Das gilt in diesem Film für beide Seiten.
Münchner Feuilleton

Eine persönliche Annäherung und ein liebevolles Porträt einer ambivalenten Figur, die Krisen durchlebte und ein einzigartiges filmisches Erbe hinterließ.
Abendzeitung München

Von Trottas Einblicke in und Gespräche (etwa mit Liv Ullman, Ruben Östlund oder Bergmans Sohn) über den legendären Kollegen aus Schweden sind nicht nur, aber auch für jene Kinogänger erhellend, die mit Ingmar Bergman und seinen Filmen wenig vertraut sind. Und dass sie selbst sich ebenfalls mit einbringt, ist in diesem Fall ein interessanter Zugewinn.
Galore

Eine beeindruckend persönliche Hommage an einen Jahrhundert-Künstler.
Prisma

Margarethe von Trottas Hommage an den von ihr verehrten Ingmar Bergman ist ein sehenswertes, kurzweiliges und eigenwilliges Porträt.
Badische Zeitung

Margarethe von Trotta […] schließt sein Werk und Wesen wunderbar auf. … und wirklich schält von Trotta Facetten in der Vita ihres 2007 gestorbenen „Meisters“ heraus, die man so klar nicht vor Augen hatte. Ausführlich würdigt der Film Bergmans Werk
Halterner Zeitung

„Auf der Suche nach Ingmar Bergman“ ist eine persönliche, sehr sehenswerte Annäherung an den Regie-Altmeister zu seinem 100. Geburtstag.
Die Tagespost

„So ist ihr das Porträt eines in sich zerrissenen Künstlers gelungen, der sich aus Einsamkeit ins Filmemachen flüchtete (…)“
Hannoversche Allgemeine

FILMKRITIK:

Am 14. Juli 2018 hätte Ingmar Bergman seinen 100. Geburtstag gefeiert, ein passender Anlass also für eine neue dokumentarische Würdigung des großen schwedischen Regisseurs, die in diesem Fall aus überraschender Richtung kommt: Noch nie hatte Margarethe von Trotta in ihrer langen Karriere eine Dokumentation gedreht, „Auf der Suche nach Ingmar Bergman“ entstand nun als Auftragsarbeit, bei der von Trotta zusammen mit ihrem Sohn Felix Moeller und ihrer Schnittmeisterin Bettina Boehler Regie führte.
 
Von Trottas Bezug zu Bergman hat zwei Aspekte: Zum einen ist da die Bewunderung für den Filmemacher Ingmar Bergman, den von Trotta Anfang der 60er Jahre, als sie gerade nach Paris gezogen war, entdeckte. Bis dahin hatte sich von Trotta nach eigener Aussage kaum fürs Kino interessiert, war anderen Künsten zugewandt, doch nachdem sie „Das Siebte Siegel“, eines der allergrößten Meisterwerke Bergmans gesehen hatte, war sie dem Kino verschrieben.
 
Minutiös beschreibt sie zu Beginn ihrer Dokumentation die ersten Szenen, in denen der nach Hause kommende Ritter vom Tod überrascht wird, Schach werden die beiden spielen, am von Wellen umtobten Steinstrand, der nahtlos nach Fårö führt, einer vor Stockholm gelegenen Insel, auf der Bergman oft drehte, später lebte und 2007 verstarb. Hier leben einige seiner zahlreichen Kinder, die von Trotta interviewt und zu ihrem nicht immer einfachen Verhältnis zu ihrem berühmten Vater befragt. Er vermisse ihn nie, berichtet da Daniel Bergman, ebenso wenig wie seine Mutter, eine Pianistin, was dann doch einiges über das Verhältnis von Bergman zu seinen eigenen Kindern erzählt. Viel näher scheint ihm seine eigene Kindheit gewesen zu sein, die in zahlreichen Filmen immer wieder Pate für ein Werk stand, das immer wieder autobiographisch, psychoanalytisch war.
 
Regisseure wie Olivier Assayas und Mia Hansen-Love, Stig Bjoerkman und Ruben Oestlund erläutern in kurzen, prägnanten Soundbites, welchen Einfluss Bergman auf die Filmsprache hatte, Ausschnitte aus den bekannteren Bergman-Filmen vervollständigen das Bild, doch von Trotta legt es nicht darauf an, die Karriere Bergmans umfassend darzustellen. Leitfaden scheint stattdessen gewesen zu sein, welche ehemaligen Wegbegleiter sie vor die Kamera bekommen konnte. Liv Ullmann etwa, eine von Bergmans Lieblingsschauspielerin und eine seiner zahlreichen Ehefrauen, aber auch einen ehemaligen Regieassistenten aus dem Münchener Residenztheater, der Bergman assistierte als dieser wegen Steuerproblemen aus seiner Heimat floh. Vielleicht etwas unverhältnismäßig im Mittelpunkt steht dadurch die Münchner Zeit, doch gerade dieses Unausgewogene macht von Trottas Film so persönlich.
 
Was schließlich zum zweiten Bezug zwischen Bergman und von Trotta führt: Als Bergman Mitte der 90er Jahre nach seinen zehn Lieblingsfilmen gefragt wurde, nannte er neben Klassikern wie „Rashomon“, „Andrei Rublev“ oder „La Strada“, auch von Trottas „Die bleierne Zeit.“ Als einziger Film einer Frau und als einziger einer lebenden Person. Durchaus stolz ist von Trotta unübersehbar und auch verständlicher Weise auf diese Nennung, doch gerade solche Momente der Eitelkeit sorgen dafür, dass „Auf der Suche nach Ingmar Bergman“ kein hagiographisches Portrait ist, sondern eine Würdigung von Künstler zu Künstler.
 
Michael Meyns