Bach in Brazil

Der Titel von Ansgar Ahlers Komödie verrät schon alles: "Bach in Brazil" ist eine typische Culture-Clash-Komödie, die möglichst große Gegensätze kreiert, auf das durch den Kontrast Komik entsteht. Das gelingt hier nur sehr bedingt, allzu klamaukig ist der Ton, allzu einfältig der Blick auf die unterschiedlichen Kulturen.

Webseite: www.bachinbrazil.de

Deutschland 2015
Regie: Ansgar Ahlers
Buch: Ansgar Ahlers, Soeren Mening
Darsteller: Edgar Selge, Franziska Walser, Pablo Vinicius, Aldri Anunciacao, Marilla Gabriela, Stepan Nercessian
Länge: 92 Minuten
Verleih: NFP
Kinostart: 24. März 2016
 

FILMKRITIK:

Als Jugendliche waren sie beste Freunde, doch dann trennten sich die Lebenswege von Marten und Karl. Während Karl nach Brasilien auswanderte, führt Marten (Edgar Selge) inzwischen eine eher trostlose Existenz. Als Musiklehrer versucht er, wenig interessierten Schülern klassische Musik nahezubringen, besonders seinen geliebten Bach. Seine eigene Karriere als Musiker hat er nach Karls Weggang beendet, obwohl er durchaus talentiert das Euphonium spielte, ein Blechblasinstrument. Davon ist inzwischen nicht mehr viel zu hören: Beim neu ausgerichteten Bückeburger Bachfestival stößt er auf wenig Gegenliebe, doch da flattert ein Brief ins Haus: Sein alter Freund Karl meldet sich nach 42 Jahren wieder, doch es ist kein Lebenszeichen, im Gegenteil. Karl ist in seiner brasilianischen Wahlheimat gestorben und hat Marten etwas ganz besonderes vermacht: die Originalabschrift eines Notenblatts von Bach, angefertigt von dessen Sohn Johann Christian. Die Sache hat nur einen Haken: Um die Erbschaft anzutreten, muss Marten selbst nach Brasilien reisen. Auf Drängen einer Kollegin rafft sich der Stubenhocker schließlich auf und macht sich auf die Reise nach Ouro Preto, das mit seiner barocken Altstadt wie für Bach geschaffen scheint. Dort wird ihm Horn und Notenblatt gestohlen, doch der findige Straßenjunge Fernando (Pablo Vinicius) hilft dem seltsamen Fremden aus der Patsche. Bald ist Marten Musiklehrer im örtlichen Waisenheim und versucht, den brasilianischen Jugendlichen Bach beizubringen. Doch nicht etwa auf traditionellen Instrumenten versuchen sich die Jugendlichen am deutschen Klassiker, mit Trommeln, Congas und anderen einheimischen Instrumenten verknüpfen sie Samba und Klassik. Das könnte auch den feinen Herrschaften beim Bachfestival gefallen, denkt sich Marten – und so beginnt eine Gruppenreise zurück nach Deutschland.
 
Im Ansatz erscheint Ansgar Ahlers alliterationsfreudige Verknüpfung von Bach-Bückeberg-Brasilien als gar keine schlechte Idee. Auch das die Gegensätze zwischen den Kulturen und den beiden Hauptfiguren Marten und Fernando überdeutlich herausgestellt werden, ist nachvollziehbar. Doch schon hier beginnen die Probleme: Es mag ja durchaus richtig sein, den Deutschen ein eher zugeknöpftes, zurückhaltendes Wesen zu konstatieren, wohingegen die Brasilianer voller Energie, Lebensfreude und Offenheit durch die Welt gehen. Viel entscheidender sind jedoch die Nuancen der individuellen Menschen, doch genau dafür ist in "Bach in Brazil" kein Platz.
 
Mit breitestem Strich erzählt Ahlers seine Geschichte und greift dabei gerade in seiner Darstellung Brasiliens auf oberflächlich wirkende Klischees zurück: Armut, Kleinkriminalität und konstante Lust an Fußball, Tanzen und Samba: Auf diese Stereotypen ist Brasilien hier reduziert. Der Versuch, die oft etwas trockene Welt der klassischen Musik mit brasilianischem Schwung aufzupeppen ist zwar ein im Ansatz interessantes, vielversprechendes Konzept, doch in der Umsetzung scheitert "Bach in Brazil" an seiner allzu plakativen, vor allem auf Klamauk bauenden Gegenüberstellung unterschiedlicher Kulturen.
 
Michael Meyns