Bad Lieutenant – Cop ohne Gewissen

Das Vorhaben und die Namen der Beteiligten ließen aufhorchen: Autorenfilmer Werner Herzog übernahm die Neuinterpretation von Abel Ferraras düsterem Polizei-Drama „Bad Lieutenant“. In die Fußstapfen Harvey Keitels trat hierbei Oscar-Preisträger Nicolas Cage, der zuletzt nicht immer ein glückliches Händchen bei seiner Rollenauswahl bewies. Nicht so in diesem Fall. Dem Gespann Herzog/Cage gelang ein in vielerlei Hinsicht anderer Thriller, der weniger auf Suspense denn auf dem Wahnwitz seiner Hauptfigur und einer guten Portion Zynismus basiert.

Webseite: www.foxfilm.de

OT: The Bad Lieutenant: Port of Call – New Orleans
Regie: Werner Herzog
Drehbuch: William Finkelstein
Produktion: Ed Pressman
Kamera: Peter Zeitlinger
Musik: Mark Isham
Darsteller. Nicolas Cage, Eva Mendes, Val Kilmer, Alvin „Xzibit“ Joiner
Laufzeit: 122 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
Kinostart: 25.2.2010
Verleih: Fox

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Siebzehn Jahre ist es inzwischen her, seitdem Harvey Keitel in Abel Ferraras Crime-Drama „Bad Lieutenant“ als korrupter, drogenabhängiger New Yorker Cop menschliche Abgründe auslotete. Die Idee, diese Geschichte erneut zu erzählen – mit Hollywood-Star Nicolas Cage in der Hauptrolle und dem Autorenfilmer Werner Herzog auf dem Regiestuhl – mag zunächst recht abenteuerlich anmuten. Immerhin galt Ferraras Vorlage als der nahezu perfekte Film. Tatsächlich ist Herzogs Version dann auch mehr eine zynisch-bittere Ergänzung denn eine bloße Kopie.

Cage spielt Terence McDonagh, einen Ermittler des Morddezernats von New Orleans. Für seinen angeblich heldenhaften Einsatz während der „Katrina“-Katastrophe zum Lieutenant befördert, leidet er seitdem unter starken Rückenschmerzen. Seinen Dienst übersteht er nur noch dank diverser Schmerzmittel. Dass er bei jeder sich bietenden Gelegenheit Kokain konsumiert, kommt erschwerend hinzu. Terence ist ein Wrack, seelisch wie körperlich. Doch all das hält ihn nicht davon ab, die Leitung in einem brutalen Mordfall zu übernehmen. Irgendwer hat unter einer Familie afrikanischer Einwanderer ein regelrechtes Massaker in Auftrag gegeben. Schon bald legen die Indizien eine Verstrickung ins Drogenmilieu nahe, in dem ein gewisser „Big Fate“ (Rapper Xzibit) die Fäden in der Hand hält.

Die Handlung und damit der eigentliche Mordfall sind letztlich nur Staffage. Eigentlich beobachtet Herzog einen Mann bei seinem Versuch, sich nicht in den eigenen Abgründen zu verlieren. McDonagh kämpft gegen seine Drogensucht, gegen alte Wettschulden, gegen das eigene, viel zu große Ego und eine fast schon pathologische Selbstüberschätzung, die ihn immer wieder in Bedrängnis bringt. Auch die überaus komplizierte Beziehung zu seiner Freundin Frankie (Eva Mendes), einer Edel-Prostituierten, für die er sich verantwortlich fühlt, erweist sich als emotionaler Stolperstein. Cages Lieutenant taumelt mehr, als dass er Herr über das Geschehen wäre. Ihm dabei zuzusehen ist trotz des düsteren Themas ungemein unterhaltsam. Vor allem weil Herzog dem 45-jährigen Oscar-Preisträger viele Freiheiten zugesteht und der es ihm sodann mit einer Mischung aus grandiosem Overacting und gespielten Wahnwitz dankt. Cages oftmals deplaziert wirkende Grimassieren scheint auf einen Film wie diesen nur gewartet zu haben.

Immer wieder verlässt Herzog zudem den Pfad üblicher Genrekost. Sei es wenn er nach einer heftigen Schießerei den soeben tödlich Getroffenen einen letzten Tanz aufführen oder McDonagh mit zwei Leguanen gedankenabwesend ins Nichts starren lässt. Die Tier-Metaphorik durchzieht „Bad Lieutenant“ wie Herzogs gesamtes Oeuvre, was nicht zuletzt auch dazu beiträgt, dass seine Neuinterpretation von Ferraras Meisterstück jederzeit unverwechselbar bleibt. Statt auf Suspense und Action vertraut Regie-Veteran Herzog einer für die Sehgewohnheiten des Mainstreams sicherlich nicht immer leicht zugänglichen Mischung aus Sarkasmus und grotesken Brüchen in Ton und Atmosphäre. Gerade die letzte Viertelstunde arbeitet auf ein bemerkenswert mutiges Ende hin, das sich über die oftmals moralinsauren Gesetzmäßigkeiten des Thrillers mit sichtlicher Freude hinwegsetzt.
Marcus Wessel

Terence McDonagh gehört in New Orleans als Detective der Mordkommission an. Während des verheerenden Wirbelsturms “Katrina” rettet er einem Gefangenen das Leben. Er wird daraufhin befördert.

Und er bekommt einen wichtigen Auftrag. Eine farbige Familie wurde bestialisch ermordet. Terence, obwohl durch die Ereignisse um Katrina schwer in Mitleidenschaft gezogen und nur noch mit Schmerzmitteln lebend, nimmt den Auftrag an und findet auch bald den einzigen Zeugen der Untat, den Botenjungen Daryl.

Terence wird jetzt in immer stärkerem Maße drogenabhängig.

Daryl ist bereit, gegen den Drogendealer Big Fate auszusagen, wenn dadurch seine Mutter auf Bewährung aus dem Gefängnis entlassen wird. Aber jetzt ist der Junge als Kronzeuge in Gefahr. Deshalb nimmt Terence ihn ins Schlepptau.

Allerdings stellt sich immer mehr heraus, dass der Detective nur noch bedingt handlungsfähig ist. Also reißt Daryl aus.

Terences Freundin Frankie, eine Edelprostituierte, wird unterdessen von dem brutalen Freier Justin bedroht. Kann Terence sie noch retten, da er doch ständig stärker in den Drogenrausch versinkt?

Schon befindet sich Frankie in ihrem Apartment in der Gewalt von Gangstern, die mit Justin verbündet sind. Sie fordern viel Lösegeld.

Wie wird Terence das Geld auftreiben? Und muss er, um mit Big Fate zu einem Deal zu kommen, diesem Polizeiaktionen verraten?

Es wird immer unentwirrbarer und spannender.

Bei dem Film handelt es sich um einen normalen Thriller- und Krimi-Stoff. Aber es gibt doch Besonderheiten. Zum einen ist der Regisseur Werner Herzog. Das will schon etwas heißen. Er inszeniert ziseliert, eigenwillig, stilvoll. Zum anderen spielt Nicolas Cage den „Cop ohne Gewissen“, eine gute Besetzung mit dem Oscar-Preisträger, auch wenn er hier nicht wie sonst eigentlich immer zu schauspielerischen Höhepunkten aufblüht. Und dann gibt es noch eine schöne darstellerische Beigabe: Eva Mendes, die die Frankie wiedergibt.

Thomas Engel