Bedways

Die junge Regisseurin Nina will mit den beiden jungen Berliner Schauspielern Hans und Marie ein filmisches Experiment wagen, bei dem echter Sex ein zentrales Thema sein soll. Der Drehort ist eine Berliner Wohnung, in der sich die drei beteiligten Personen in der intensiven Vorbereitungsphase an das Projekt herantasten. Doch bei den Probeaufnahmen treten bereits erste Probleme auf, denn die Aussicht auf die realen Sexszenen überfordern alle Beteiligten. Rolf Peter Kahl setzt sinnliche Lust und intellektuelle Reflexion in ein funktionierendes Spannungsverhältnis

Webseite: www.bedways.de

Deutschland 2010
Regie und Buch: Hans Peter Kahl
Darsteller: Miriam Mayet, Matthias Faust, Lana Cooper, Laura Tomke
Länge: 76 Min.
Verleih: Reverse Angel Pictures/ Neue Visionen
Kinostart: 3.6.2010
 

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Erotik und Sex in der Kunst – was in der Literatur, aber auch in der Fotographie und in der Malerei längst als Themenfelder akzeptiert wird, gestaltet sich im Film immer noch schwierig. Vor allem, wenn die Regie bewusst auch explizite Sexszenen einsetzt, wird die Grenze zum pornographischen Film fließend. Rolf Peter Kahl erweist sich in seinem Film als Grenzgänger, wobei ihm in seinem Film-im-Film-Drama weniger der Tabubruch interessiert, als das Psychogramm derer, dies sich vor und hinter der Kamera einer solchen Gradwanderung unterziehen.

Ausgangslage des Experiments ist eine Dreierkonstellation. Die junge Filmemacherin Nina (Miriam Mayet) startet in einem heruntergekommenen, unbewohnten Berliner Apartment mit den beiden Schauspielern Hans (Matthias Faust) und Marie (Lana Cooper) Probeaufnahmen für einen Liebesfilm. Noch besteht das Skript nur aus vagen Skizzen, während der Proben soll das Projekt mehr Gestalt annehmen. Fest steht nur, dass ein Film über Liebe und echten Sex gedreht werden soll. Um sich an die Sexszenen heranzutasten, entwickelt jeder der drei Beteiligten eine eigene Strategie. Aber die Versuche, das Ganze mit einer professionellen Distanz anzugehen, scheitern bereits im Ansatz, weil sich die Gefühle doch nicht ausblenden lassen. So reagiert Marie verletzt, wenn Hans seine Befindlichkeiten scheinbar nur auf die Sorge um die eigene Erektion während der Sexszene reduziert. Nina wiederum scheint mit dem Film auch eine lange zurückliegende flüchtige Begegnung zu Hans verarbeiten zu wollen.

Rolf Peter Kahl („99Euro-Films“) inszeniert den Film auf HD-Format als Kammerspiel. Ein Psychodrama über Liebe und Sex als Mittel der Kommunikation. Angesiedelt ist die Geschichte im Milieu des Berliner Undergrounds. Die Independent-Band Sissimetall liefert dazu u.a. mit einem Liveauftritt den dynamischen Soundtrack. Die Lust am Experiment zeigt sich im Film ebenso wie das Wissen um die Wahrscheinlichkeit des Scheiterns. Damit wird der Film auch zum Sinnbild einer krisengeschüttelten Stadt, in der alles möglich, aber am Ende wenig machbar scheint.

Norbert Raffelsiefen

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