Beginners

Vor sechs Jahren hat der amerikanische Independent-Regisseur Mike Mills mit „Thumbsucker“ schon einmal einen Film vorgelegt, in dem die Protagonisten auf einer Suche nach sich selbst waren, sich durch ihre Unsicherheit aber auch selbst im Wege standen. Auch in „Beginners“ findet sich dieses Motiv wieder. Ewan McGregor spielt einen jungen Mann, der Abschied von seinem 80-jährigen Vater nehmen muss, gleichzeitig aber auch noch dessen späten Lebenswandel sowie die Bekanntschaft zu einer reizenden Französin zu verarbeiten hat. So grüblerisch die Geschichte sich gibt, so humorvoll ist Mills die Konfrontation mit den Irrungen und Wirrungen, Überraschungen und Enttäuschungen seines Helden geglückt. Auch Christopher Plummer und Mélanie Laurent haben am guten Eindruck großen Anteil.

Webseite: www.beginners-film.de

USA 2010
Regie: Mike Mills
Darsteller: Ewan McGregor, Christopher Plummer, Mélanie Laurent, Goran Visnjic
105 Minuten
Verleih: Universal Pictures
Kinostart: 9.6.2011

PRESSESTIMMEN:

Der Film erzählt zwei Geschichten, eine in Rückblenden und eine nach vorn… Wie Regisseur Mills diese beiden Geschichten ineinander verschränkt, wie er sie auflädt mit Einfällen, Narreteien und Gefühlsausbrüchen, das verleiht seiner Komödie einen geradezu sensationellen Charme… Mills Bilder, Worte und sein Ton haben eine Leichtigkeit, die „Beginners“ meilenweit erhebt über die üblichen Romantic Comedies aus Hollywood.
DER SPIEGEL

Manchmal erlebt man im Kino einen unerwartet perfekten Moment, der sich direkt ins Herz brennt. So wie bei "Beginners" mit Ewan McGregor und Melanie Laurent. Weil der Film eine originelle, aber nicht bemühte Geschichte erzählt über einen Grafiker, der nach dem Tod seines Vaters ein wenig aus der Welt geworfen ist, bis er sich in eine schöne, melancholische Französin verliebt. Fortan versucht er herauszufinden, wie man glücklich wird. Ein vollkommener kleiner Film, der uns allen Hoffnung gibt für diese komplizierten Sachen wie: das Leben. Und: die Liebe.
So melancholisch und schön wie "Beginners" hat schon lange kein Film mehr die Liebe gezeigt. Ich bin total verzaubert.
BRIGITTE

Einer dieser leuchtenden kleinen Filme, die zu sehen glücklich macht.
PRINZ

Leichtfüßig und warmherzig – feinstes Erzählkino.
TV Digital

Eine Tragikomödie mit Lieblingsfilmpotenzial.
COSMOPOLITAN

FILMKRITIK:

Hermann Hesses manchmal etwas überstrapazierter Ausspruch vom Zauber, der jedem Anfang inne wohnt, lässt sich auch auf Mike Mills neuen Film übertragen. Zauberhafte Anfänge widerfahren dabei der von Ewan McGregor gespielten Figur des in der Grafikbranche tätigen Oliver und dessen Vater Hal (Christopher Plummer). Hal ist 75 Jahre alt, als er seinem Sohn eröffnet, schon seit den Anfängen seiner Ehe schwul zu sein. Jetzt aber sei Schluss mit dem Versteckspiel. Für Hal beginnt ein zweiter Frühling. Einen Freund hat er auch schon, vom Alter her etwa ähnlich alt wie Oliver. Für den ist die Situation nicht leicht.

Und sie wird es auch fünf Jahre später nicht, als sein Vater an Krebs erkrankt und stirbt. Nun kommt zur nach wie vor für ihn nicht einfachen Vergangenheitsbewältigung auch noch Trauerarbeit. In der spontanen und offenherzigen Französin Anna (Mélanie Laurent) findet Oliver in dieser Phase aber eine Person, an die er sich anlehnen – und nun selbst das Gefühl eines neuanfänglichen Zaubers spüren kann.

Die Geschichte von Oliver und seinem sich erst auf seine alten Tage zu seiner Liebe zu Männern bekennendem Vater hat Mike Mills selbst erlebt. Hinzugedichtet hat er die Beziehung Olivers zu Anna. Stark an „Beginners“ ist, wie echt der Film und die Schauspieler sich in diesem steten Wechselbad der Gefühle bewegen, ohne dass ihr Verhalten und ihre Reaktionen aufgesetzt, plump oder kitschig wirken würden. Wie schon in „Thumbsucker“, Mills Regiedebüt aus dem Jahr 2005, werden im Umgang der Figuren miteinander immer wieder Wahrheit und Offenheit gefordert. Dies bedingt jedoch auch, sich und seine Position eindeutig zu kennen.

Das Grüblerische, In-sich-Gekehrte in der Figur Olivers verdeutlicht Mills mit Rückblenden in dessen Kindheit. Diese Erinnerungen helfen Oliver zu verstehen, warum sich seine Eltern früher eben so und nicht anders verhalten haben. Indem er Bilder in der Werbeclipästhetik vergangener Zeiten in rascher Abfolge zwischenschneidet, bzw. die verschiedenen Zeitebenen miteinander verbindet, gelingt es Mills, zum einen vom Ernst seiner Themen auf amüsiert-unterhaltsame Weise abzulenken. Er gibt zum anderen aber auch ein Gefühl für den Wandel der Gesellschaft und eine zeitliche Einordnung wichtiger politischer Ereignisse. Humor beweist er aber auch mit jenem kleinen Hündchen, das Oliver von seinem Vater erbt und das quasi in Sprechblasen bestimmte Situationen kommentiert.

„Beginners“ gelingt das Kunststück, Geschichten über tragische Lebensmomente mit hoffnungsvollen Liebesbeziehungen zu koppeln. Mitentscheidend sind aber in ganz besonderem Maße die Darsteller. Ewan McGregor meistert das Dilemma seiner gefühlsüberwältigten Figur mit Schmetterlingen im Bauch auf glaubhafte Weise. Mélanie Laurent, seit Tarantinos „Inglourious Basterds“ ein bekanntes Gesicht auf der Leinwand, spielt ganz umwerfend und natürlich, ist spontan und ehrlich, der richtige Charakter also, um den in seinen Gefühlen erstarrten Oliver locker zu machen. Und Christopher Plummer füllt seine Rolle als der auf seine alten Tage quietschfidele, dann aber sterbenskranke Papa auf großartige Weise aus. Dem kraft- wie humorvollen und berührenden Film ist ein zauberhafter Erfolg an der Kinokasse zu wünschen.

Thomas Volkmann

Hal Fields war 45 Jahre verheiratet, bis seine Frau starb. Sie war Jüdin, er homosexuell. Doch er verbarg diese Neigung all die Jahre. Es muss keine leichte Zeit gewesen sein.

Jetzt ist Hal über 70. Aber er beginnt ein neues Leben, gedeiht noch einmal, blüht auf. Er kleidet sich „standesgemäß“, geht auf Partys, trifft sich mit schwulen Kollegen seines Alters. Allerdings stirbt er nach fünf Jahren an Krebs.

Für seinen Sohn Oliver öffnet sich eine neue Welt, nachdem der Vater sich geoutet hat. Aber die beiden lieben sich. Als der Vater gehen muss, fällt der Sohn monatelang in ein tiefes Loch.

Kann die Französin Anne ihn aus seinem Schmerz befreien? Hal hatte Oliver vorgemacht, wie er seine Freundin lieben könne. Einfach haben es Anne und Oliver aber nicht. Sie kämpfen genau so viel, wie sie sich lieben. Und doch muss und wird es irgendwann gehen.

Eine auf dem wahren Leben von Regisseur Mike Mills fußende Geschichte. Drei zusammengefügte Filmteile sind zu erkennen: die 60er Jahre – mit den Rückblenden zum früheren Leben Hals mit seiner Gattin; die rebellische gesellschaftspolitische Situation jener Zeit – symbolisiert beispielsweise durch die eruptiven Graffitis, die Oliver spontan an Hauswände malt; und als dritte Story das nicht unproblematische Verhältnis zwischen Oliver und Anne – u. a. geprägt durch Olivers tiefe und lange Trauer.

Es ist ein sehr persönlicher Film geworden, aber auch ein stiller, gefühlvoller anrührender. Vielleicht nicht jedermanns Sache, doch für viele einnehmend.

Übrigens sind schauspielerische Spitzenleistungen zu sehen. Christopher Plummer, darstellerische Ikone und endlich wieder auf der Kinoleinwand, liefert einen Superpart. Ihm gleich tun es Ewan McGregor – sehr gut – als Oliver Fields sowie Melanie Laurent als Anne.

Thomas Engel