Ben Is Back

Julia Roberts spielt in diesem Film von Peter Hedges eine Mutter, die sich eigentlich freuen müsste, dass ihr 19jähriger Sohn Ben die Familie zu Weihnachten besucht. Doch Ben ist drogensüchtig, hat früher sogar gedealt und die Mutter viel zu oft enttäuscht. Und ausgerechnet an Heiligabend holt ihn seine Vergangenheit ein. Anspruchvoller Film, der als leises Drama über eine angespannte Mutter-Sohn-Beziehung beginnt, um dann eine etwas forcierte Thriller-Wendung zu nehmen. Im Mittelpunkt dabei die erschreckende Erkenntnis, dass Jugendliche in den USA viel zu leicht in die Drogenabhängigkeit rutschen. In den beiden Hauptrollen bravourös gespielt.

Webseite: www.tobis.de

USA 2018
Regie: Peter Hedges
Darsteller: Julia Roberts, Lucas Hedges, Kathryn Newton, Courtney B. Vance
Länge: 103 Min.
Verleih: Tobis
Kinostart: 10.1.2019

FILMKRITIK:

Ben ist zurück – Warnung oder Versprechen? So ganz wird das aus den ersten Szenen nicht deutlich. Holly Burns (Julia Roberts) ist jedenfalls hin- und hergerissen, als sie mit ihren drei Kindern die Auffahrt hochfährt und ihr 19-jähriger Sohn Ben, dargestellt von Lucas Hedges („Manchester by the Sea“), vor dem Haus bereits auf sie wartet. Es ist Heiligabend, und eigentlich sollte Ben herzlich willkommen sein. Doch seine Schwester Ivy (Kathryn Newton) reagiert frostig, Stiefvater Neal (Courtney B. Vance) nicht minder. Und dann erfährt der Zuschauer allmählich, warum: Ben ist zurzeit in der Reha. Er ist drogensüchtig, hat früher sogar gedealt. Zu oft hat er seine Mutter, die ganze Familie, enttäuscht. Darum ist Holly ebenso hocherfreut wie zutiefst erschrocken. Sie will an das Gute in ihrem Sohn glauben. Das hält sie aber nicht davon ab, erst einmal alle Rezepte, Tabletten und sogar den Schmuck vor ihm zu verstecken. Und dann passiert’s: Der Hund der Burns’ wird entführt. Wer wohl dahinter steckt? Bens Vergangenheit hat ihn eingeholt, zu viele Menschen im Ort haben mit dem ehemaligen Dealer noch eine Rechnung offen. Und so begeben sich Mutter und Sohn auf eine Reise durch die Nacht, auf der Suche nach dem Hund. 
 
„Ben is Back“ beginnt als leises Drama über eine angespannte Mutter-Sohn-Beziehung, verbunden mit der fatalen Banalität, mit der Jugendliche in den USA in die Drogenabhängigkeit rutschen. Wie vielen anderen amerikanischen Kindern waren auch Ben nach einem Sportunfall schmerzstillende Tabletten verschrieben worden – er wurde abhängig. Nun versucht er ausgerechnet zu Weihnachten, alles richtig zu machen, fürchtet sich aber gleichzeitig zu versagen. Lucas Hedges, der Sohn von Regisseur Peter Hedges (er schrieb bereits die Drehbücher zu „Gilbert Grape – Irgendwo in Iowa“ und „About a Boy“), verkörpert diesen Konflikt brillant und feinfühlig. Fast hat man den Eindruck, als würde ihm eine innere Stimme sagen, dass er es eh nicht schaffen könne und seine Familie nur enttäuschen würde. Warum also nicht einfach mit den Drogen weiter machen? Lucas Hedges macht den seelischen Schmerz seiner Figur spürbar, während Julia Roberts die Zerrissenheit der Mutter überzeugend nach außen trägt. In der zweiten Hälfte nimmt der Film eine Wendung, die ein wenig forciert wirkt. Aus dem Drama ist mit der Entführung des Hundes ein Thriller geworden, dem es um Spannung und Suspense geht, und das verändert die Stimmung des Films. Julia Roberts wird auf einmal zur Glucke, die ihren Sohn unter allen Umständen beschützen will. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass hier zwei Schauspieler ganz groß aufspielen. Und dass es um mehr geht als Spannung, nämlich um ein Land, in dem Jugendliche viel zu leicht an Drogen kommen, in dem Drogenabhängigkeit zu einer nationalen Krise geworden ist, für die es keine Lösung gibt. Es beginnt mit Verständnis für die Betroffenen, Eltern und Kinder. Und der Fähigkeit – einige zutiefst verletzte Nebenfiguren beweisen das – zu verzeihen. Das zeigt dieser Film eindrucksvoll.
 
Michael Ranze