Benda Bilili!

Ihre Welt ist zerstört, ihr Leben ist hart, ihre Instrumente sind selbstgebaut oder steinalt. Aber was soll’s? Wenn die Straßenmusiker aus Kinshasa loslegen, geht die Post ab! Eine faszinierende Reise in eine fremde Welt, begleitet von magischen Klängen aus dem Herzen Afrikas.

Webseite: www.koolfilm.de

Dokumentarfilm
Frankreich 2010
Regie: Renaud Barret und Florent de la Tullaye
84 Minuten, OmU
Verleih: Kool Filmdistribution
Kinostart: 19. Mai 2011
 

PRESSESTIMMEN:

Polio-Opfer machen auf selbstgebastelten Instrumenten Straßenmusik, und werden von zwei gefrusteten Franzosen entdeckt, die sie zu internationalem Erfolg führen. Klingt wie ein Märchen? Ist es aber nicht, wie die schwungvolle Dokumentation "Benda Bilili!" zeigt.
SPIEGEL ONLINE

Man muss sie einfach gernhaben, die obdachlosen Musiker aus dem Kongo, die trotz oder gerade wegen ihrer Körperbehinderungen ihr Schicksal in mitreißende Songs fließen lassen. Nie weinerlich, sondern voller Lebensfreude.
STERN

FILMKRITIK:

Mitten in Kinshasa, zwischen Armut und Gewalt, gibt es eine Oase der Hoffnung: Staff Benda Bilili, die Straßenmusiker rund um den Bandleader Ricky. Sie sind Ausgestoßene am Rande einer zerstörten Gesellschaft. Diese Männer, alle im reifen Alter, haben Poliomyelitis überlebt – Kinderlähmung. Auf ihren bizarren Fahrradrollstühlen kurven sie durch die von Kriegen verwundete Stadt, ständig in Bewegung, beseelt von ihrer Musik und angetrieben von einem eisernen Überlebenswillen. In den Texten ihrer Songs mischen sich Pathos und Witz, Weisheit und Leidenschaft. Sie singen mit kratzigen Samtstimmen und spielen auf Instrumenten, die aussehen, als hätten sie mindestens so viel erlebt und überlebt wir ihre Besitzer. Um die verkrüppelten Männer scharen sich die Straßenkinder. Sie schieben die Rollstühle, dafür bekommen sie Nahrung und einen Hauch von Sicherheit, eine Ersatzfamilie. Die Musiker haben nur einen Wunsch: raus aus dem Elend. Sie wollen nicht mehr auf Kartons schlafen, sondern auf Matratzen, in einem Haus statt auf der Straße. Und so unglaublich es klingt: Sie schaffen es.

Am Ende des Films ist die umjubelte kongolesische Band auf Europatournee. Ihren Erfolg verdanken die Musiker zu einem großen Teil den Filmemachern. Sie sorgten dafür, dass die erste CD produziert werden konnte. Diese Einmischung in das Leben der Protagonisten ist nicht unproblematisch, jedoch menschlich leicht nachvollziehbar. Man hat sich kennengelernt, vertraut und hilft einander. Das nennt man Freundschaft. So sollte es eigentlich immer sein – im Leben wie im Film.

Für dieses unkomplizierte Miteinander steht der Straßenjunge Roger. Zu Anfang ist er 13 Jahre alt, ein ernstes Kind mit riesigen, aufmerksamen Augen. Er will Musiker werden, trifft Ricky und bleibt bei der Band. Seine selbstgebaute Gitarre besteht aus einer Milchbüchse, einem Stück Holz als Gitarrenhals und einer einzigen Saite. Er hütet sie wie einen Schatz. Ständig arbeitet er an seiner „Satongé“, er stimmt die Saite, bearbeitet das Holz und schafft eine immer wieder neue, einfallsreiche Optik für die alte Blechdose, die als Corpus dient. Am Ende ist Roger ein junger Mann und derjenige, der mit dem neu gewonnenen Ruhm am wenigsten zurechtkommt.

Dies ist kein typischer, glatter Musikfilm, der in wohlwollender Anbetung seiner Stars verharrt. Bei aller Zuneigung zu seinen Helden wirkt der Film bescheiden und zurückhaltend, sogar sperrig. Das liegt zum einen an den Musikern selbst, die wenig von der fröhlichen Leichtigkeit haben, die allgemein von Künstlern erwartet wird. Außerdem bleibt vieles offen, was nur gelegentlich in den Liedtexten angesprochen wird. Wie ein verirrter Tourist landet man mitten in Kinshasa, dort wo es am scheußlichsten ist, und muss sich zurechtfinden. Doch all das macht den Film noch authentischer, noch anrührender. Man wird in eine fremde, furchtbare Welt hineingeworfen und trifft ausgerechnet dort auf Menschen, die vom Glauben an sich selbst und an eine bessere Zukunft angetrieben werden. Ein kleines Lehrstück über die Macht der Leidenschaft.

Viele Bilder sind unvergesslich. Da ist vor allem der Zoo von Kinshasa, wo in verwahrlosten Käfigen ein paar einsame Tiere überlebt haben. Ein Ort von schrecklicher Symbolkraft. Hier probt Staff Benda Bilili, hier arbeiten sie an ihrem Stil, einem Rhythmus, der direkt in das Herz des Publikums springt und von dort aus in Arme, Beine, Hände und Füße. „Très très fort“ heißt das erste Album. Sehr, sehr stark ist diese Musik. Und ebenso der Film.

Gaby Sikorski

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