Berlin, I Love You

Städte der Liebe heißt die Kurzfilm-Reihe, der der französische Produzent Emmanuel Benbihy vor Jahren initiierte. Nach Stationen in Paris, New York, Tiflis und Rio de Janeiro heißt es nun „Berlin, I Love You“. Verbindendes Thema der Kurzfilme sollen die Liebe und Berlin sein, doch weder dem einen noch dem anderen wird diese bunte Mischung wirklich gerecht.

Webseite: berlin-i-love-you.de

Deutschland 2018
Regie & Buch: Dianna Agron, Peter Chelsom, Fernando Eimbecke, Justin Franklin, Dennis Gansel, Dani Levy, Daniel Lwowski, Josef Rushak, Stephanie Martin, Claus Clausen, Massy Tadjedin, Til Schweiger
Darsteller: Keira Knightley, Helen Mirren, Robert Stadlober, Toni Garrn, Mickey Rourke, Diego Luna, Jim Sturgess, Luke Wilson, Veronica Ferres, Sibel Kekilli
Länge: 120 Minuten
Verleih: Warner Bros.
Kinostart: 13 Juni 2019

FILMKRITIK:

Anfang der Nuller Jahre entstand die Idee, die nun das Markenzeichen Städte der Liebe geworden ist: Natürlich in Paris, der sprichwörtlichen Stadt der Liebe, entstand 2006 „Paris, je t'aime“. In jedem der 20 Arrondissements spielt ein Kurzfilm, inszeniert von internationalen Starregisseuren wie den Coen Brüdern, Olivier Assayas, Tom Tykwer, Wes Craven, Alfonso Cuarón oder Gus van Sant. Ein paar unbekanntere Regisseure waren zwar auch dabei, doch generell war das Niveau der Episoden überdurchschnittlich hoch. Vor allem aber gelang jedem Regisseur ein ganz eigener, spezieller Blick auf Paris. Ähnliches ließ sich auch über den Nachfolger „I Love New York“ sagen, vermutlich auch über die weiteren Episoden, denn sowohl in Rio de Janeiro als auch in der georgischen Hauptstadt Tiflis führten vor allem einheimische Regisseure Regie, auch ein Hauptgrund, weswegen diese Filme nicht so bekannt wurden wie die aus New York und Paris.
 
Der fünfte Teil der Reihe setzt sich nun zwischen die Stühle, denn weder kann „Berlin, I Love You“ mit internationalen Star-Regisseuren protzen, noch bietet er Kurzfilme von vielen interessanten deutschen Regisseuren oder jungen Nachwuchskräften. Das Ergebnis ist dementsprechend merkwürdig: Ein von Klischees über Leben und Lieben in der deutschen Hauptstadt geprägter Blick, Episoden, die mal an den touristischsten Orten der Stadt spielen, mal an so austauschbaren wie Bar und Zimmer eines Luxushotels, so dass nichts in der Episode ahnen lässt, wo man sich befindet.
 
Mit Mickey Rourke und dem deutschen Model Toni Garnn inszeniert Til Schweiger diese Episode und ist im weitesten Sinne der bekannteste deutsche Regisseur, der hier dabei ist. Auf internationaler Seite ist da vor allem der Brite Peter Chelsom zu nennen, der mit einer Episode vertreten ist, in der ein Expat mit einem sprechenden Auto konfrontiert wird. Ein wenig mehr Lokalkolorit atmen Episoden, in denen die Flüchtlingsproblematik thematisiert wird oder das queere Lebensgefühl Berlins beschworen wird. In den Überleitungen zwischen den einzelnen Episoden ist schließlich Robert Staldober als einsamer Engel auf der Suche nach Liebe zu sehen, der mit seinen überdimensionalen Flügeln zwar unverhohlen an einen der berühmtesten Berlin-Filme überhaupt, Wim Wenders „Himmel über Berlin“, gemahnt, aber damit immerhin mehr mit der Stadt an sich zu tun hat als viele andere Momente.
 
Schade, dass es die Produzenten nicht gewagt haben, mehr wirklich aus Berlin stammenden Regisseuren die Möglichkeit zu geben, Seiten der Stadt aufzuzeigen, die nicht in jedem Reiseführer auftauchen, die nicht die offensichtlichste Assoziation bedienen. So ist „Berlin, I Love You“ am Ende ein nicht wirklich schlechtes, aber allzu willkürliches Potpourri aus Orten und Geschichten geworden, die oft weniger, mal mehr mit Berlin zu tun haben und das Bild der Hauptstadt hoffentlich nicht nachhaltig prägen werden.
 
Michael Meyns