Beware of Mr. Baker

Er ist ebenso bekannt für seine musikalische Genialität, wie für seine Exzentrik: Ginger Baker, legendärer Schlagzeuger von Bands wie Cream und Blind Faith, ebenso legendär für seine feuerroten Haare und Drogenexzesse. Diesem Berserker nähert sich Jay Bulger in seiner Dokumentation „Beware of Mr. Baker“ und zeichnet ein abwechslungsreiches Leben nach.

Webseite: www.bewareofmrbaker-derfilm.de

USA 2012 – Dokumentation
Regie, Buch: Jay Bulger
Länge: 92 Minuten
Verleih: NFP, Vertrieb: Filmwelt
Kinostart: 19. Dezember 2013

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Beware of. Mr. Baker – Vorsicht vor Mr. Baker. So steht es auf einem Schild an der Einfahrt zu Ginger Bakers Haus in Südafrika. Und so beginnt Jay Bulgers Dokumentarfilm dann auch mit einer Szene, in der der alternde, längst weißhaarige Musiker dem Regisseur mit seinem Gehstock die Nase blutig schlägt. Grund für die Auseinandersetzung scheint die Absicht des Regisseurs gewesen zu sein, auch noch andere Menschen über Ginger Bakers Leben zu interviewen: Ex-Frauen, ehemalige Weggefährten und Bandkollegen, entfremdete Kinder.

Und da Ginger Baker findet, dass nur er selbst über sein Leben urteilen sollte, musste sich der Regisseur dann am eigenen Leib von der Vitalität seines Subjekts überzeugen. Keine Selbstverständlichkeit, denn die meiste Zeit sitzt Baker müde und verfallend in seinem Sessel, die Sonnenbrille auf der Nase, und erinnert sich mehr oder weniger an die vielen Eskapaden seines Lebens, die man durchaus als Spur der Verwüstung bezeichnen kann.

Als Peter Edward Baker wurde er 1939 in London geboren und begann schon in jungen Jahren mit dem Schlagzeugspiel. Seine erste erfolgreiche Band war die „Graham Bond Organization“, bei der er zum ersten Mal auf Jack Bruce traf. Zusammen mit Eric Clapton formten Baker und Bruce die 60er Jahre Supergruppe „Cream“, die sich nach nur zwei Jahren gigantischen Erfolgs auflöste. Zu groß scheinen die Reibereien zwischen Bruce und Baker gewesen zu sein, an deren Gründe sich fast ein halbes Jahrhundert später niemand mehr so recht zu erinnern scheint. Heroin, Tabak, Alkohol und vermutlich diverse andere Drogen haben bei den inzwischen alternden Helden offenbar gnädigerweise den Mantel des Vergessens über einstige Querelen gelegt, so dass sich Jay Bulger notgedrungen mit eher verklärten Geschichten aus der Vergangenheit abfinden muss. Zahlreiche Weggefährten erinnern sich an Bakers furioses Trommelspiel, zahllose selbst legendäre Schlagzeuger – von Stewart Copeland (The Police), über Nick Mason (Pink Floyd) bis hin zu Lars Ulrich (Metallica) – schwärmen von Bakers Spiel und dem enormen Einfluss auf die Musikgeschichte.

Nach Cream spielte Baker in diversen anderen Bands, deren Lebensdauer meist sehr begrenzt war. Offenbar hielt es niemand länger mit ihm aus, was ebenso für seine inzwischen drei Ex-Frauen gilt, mit denen er diverse Kinder hat, die mit einer Mischung aus Belustigung und Aversion über einen Vater erzählen, der nur selten zu Hause war.

Neben zahlreichen Interviews fügt Bulger animierte Sequenzen ein, die Episoden aus Bulgers Leben bebildern, vor allem aber zahlreiche Aufnahmen von Konzerten. Und vor allem die sind es, die die ansonsten unterhaltsame, aber auch konventionelle Dokumentation sehenswert machen. Egal ob er mit Clapton und Bruce auf der Bühne steht, in Afrika in der Band des Afro-Pop-Pioniers Fela Kuti spielt oder minutenlange Drumsolos zum Besten gibt: Ein faszinierender Musiker war Ginger Baker in jeder Lebenslage. Ob er trotz oder wegen seines vorsichtig ausgedrückt schwierigen Wesens so erfolgreich wurde, diese Frage bleibt allerdings auch nach „Beware of Mr. Baker“ unbeantwortet.

Michael Meyns