Blanka

Die elternlose Blanka ist taffer und cleverer als alle anderen Kids, die mit ihr auf der Straße leben. Doch erst durch die Bekanntschaft mit einem Straßenmusiker findet sie heraus, dass es für sie vielleicht noch mehr geben könnte als Klauen, Betteln und den täglichen Kampf ums Überleben. Respekt: Kohki Hasei macht aus dem Schicksal eines Straßenkindes in Manila eine spannende Geschichte, die von Mut und Optimismus handelt. Ohne Rührseligkeit und dennoch mit viel Herzlichkeit ist ihm ein Film gelungen, der kleine und große Cineasten anspricht.

Webseite: blanka.der-filmverleih.de

Italien/Japan/Philippinen
Drehbuch und Regie: Kohki Hasei
Darsteller: Cydel Gabutero, Peter Millari, Jomar Bisuyo, Raymond Camacho, Ruby Ruiz
75 Minuten
Verleih: Der Filmverleih
Kinostart: 29. März 2018

FESTIVALS/PREISE:

2015, Venedig, Internationales Film Festival, Laterna Magica (CGS) Preis, “Sorriso diverso Venezia 2015“, Bester fremdsprachiger Film

2015, International Film Festival Kolkata (Indien), NETPAC Award

2016, International Film Festival Fribourg (Schweiz), Publikumspreis und Festival Grand Prix,

2016, Tel Aviv International Children’s Festival, Internationaler Wettbewerb, 1. Preis

2017, 24. Internationales KinderKinoFestival, Schwäbisch Gmünd KiKiFe: Bester Film, Kinderjury; Bester Film, Filmkritiker-Jury; Bester Film, Fachjury

FILMKRITIK:

Blanka ist ein Waisenkind von vielen, die sich in den Straßen von Manila irgendwie durchschlagen. Sie leben von der Hand in den Mund, verdienen sich mit Bettelei oder Hehlerei ein paar Pesos, sie stehlen Lebensmittel oder auch mal Geldbörsen. Aber Blanka ist die Beste: Gegen sie haben nicht mal die Jungs von der Gang eine Chance, denn Blanka ist stärker, gewitzter, schneller und geschickter als alle anderen. Souverän managt sie ihren eigentlich trostlosen Alltag und träumt davon, sich eine Mutter zu kaufen. Ihr Zuhause ist ein großer Karton, den sie sich ein bisschen hergerichtet hat. Eines Tages lernt sie den blinden Musiker Peter kennen. Der ältere Mann erregt Blankas Aufmerksamkeit, weil er so schön Gitarre spielt, und bald stellt Peter fest, dass seine Einnahmen sich vervielfachen, wenn die kleine Blanka beim Publikum das Geld einsammelt. Er bringt Blanka das Singen bei, und schon bald treten sie für eine ziemlich anständige Gage gemeinsam in einem Restaurant auf. Doch sie werden zu Opfern einer Intrige, ihre Wege trennen sich, und erst als er nicht mehr da ist, wird Blanka klar, wie wichtig ihr Peter war.
 
Kohki Hasei, japanischer Schauspieler und Filmemacher, hat sich für sein Spielfilmdebüt eine schwierige Aufgabe gestellt: Er will das harte Leben des Straßenkindes Blanka realistisch erzählen, ohne dass dabei Humor und Optimismus zu kurz kommen. Das ist ihm gelungen. Die Bilder von den Kindern, die sich jeden Tag das Nötigste erkämpfen müssen und trotzdem voller Lebensfreude lachen können, sind aufrüttelnd und herzergreifend. Dabei beschönigt er nichts. Blanka stiehlt, lügt und betrügt, sie wird keinesfalls verklärt oder als kindliche Unschuld dargestellt. Wie sie sich der Konkurrenz der anderen Kinder auf der Straße erwehrt, hat sehr viel Biss und Witz. Dieses kleine Mädchen ist ein Kind ihrer Zeit: materialistisch und berechnend, aber dennoch auf der Suche nach all dem, was sie nur aus dem Fernsehen kennt und wovon sie nur eine verschwommene Vorstellung hat: Familie, Sicherheit, Liebe. Schon allein, dass sie sich vorstellen kann, eine Mutter für sich zu kaufen, ist entlarvend und zeigt beinahe mehr als alles andere, welches Bild vom Kinderleben sie hat. Hasei erliegt dennoch niemals der Versuchung, auf die Tränendrüsen zu drücken, obwohl es genügend Anlässe dafür gäbe. Er hält einen leichten Ton, die Bildsprache ist flott und urban, bietet aber auch viele Momente des Innehaltens, wie beispielsweise Blankas und Peters Auftritte. Kohki Hasei hat mit Laiendarstellern gedreht, die absolut authentisch spielen – vor allem die kleine Cydel Gabutero als Blanka und der blinde Peter Millari überzeugen in den Hauptrollen dieser einfachen Geschichte: zwei Menschen, beide einsam und auf der Suche nach Zuwendung. Blanka ist dabei die Furchtlose, ein Mädchen mit viel Selbstvertrauen und Spontaneität. Cydel Gabutero spielt mit beachtlicher Courage. Peter Millari als leidgeprüfter Mann Mitte 50 ist dagegen zurückhaltender. Die beiden ergänzen sich gut. Ebenfalls eine wichtige Rolle spielt Manila, wo sich Blanka mit jugendlicher Unbekümmertheit bewegt: ein tosender, ewig lauter Moloch von Stadt, der alle und alles aufzusaugen scheint.
 
Mit zahlreichen Preisen bedacht, kommt der kleine Film nun in Deutschland ins Kino und könnte besonders das ganz junge Publikum ansprechen, aber auch Cineasten, die Manila weniger als touristisches Traumziel, sondern als Monstrum von Stadt kennenlernen möchten und sich für Themen wie Kinderrechte und Kinderarmut interessieren.
 
Gaby Sikorski