Bo und der Weihnachtsstern

Bald weihnachtet es wieder sehr und da bleibt das passende Kinoprogramm natürlich nicht aus, im Optimalfall in Form von Filmen für die ganze Familie. Das Animationsabenteuer „Bo und der Weihnachtsstern“ aus dem Hause Sony schlägt in exakt diese Kerbe und verpackt den Weihnachtsmythos in eine turbulent-besinnliche Fabel rund um einen Esel und seine Tierfreunde, die der schwangeren Maria und ihrem frisch angetrauten Josef auf dem Weg zur Geburt des Jesuskinds beistehen. Das funktioniert als kurzweiliger Kinospaß, der technisch zwar nicht auf dem neuesten Stand ist, dafür aber das Herz am rechten Fleck trägt.

Webseite: www.boundderweihnachtsstern.de

OT: The Star
USA 2017
Regie: Timothy Reckart
Sprecher/innen: Steven Yeun, Keegan-Michael Key, Aidy Bryant, Gina Rodriguez, Zachary Levi, Christopher Plummer, Ving Rhames
Laufzeit: 86 Min.
Verleih: Sony
Kinostart: 7. Dezember 2017

FILMKRITIK:

Nazareth, 9 Monate vor Christus: Ein junger Esel muss tagtäglich in einer Mühle schuften. Dabei zieht es das Tier in die weite Welt, noch mehr, als ein neuer, besonders heller und großer Stern am Himmelszelt erscheint. Sein Traum ist es, gemeinsam mit der pfiffigen Taube Dave Teil der königlichen Karawane zu werden. Nach geglückter Flucht aus den Fängen des Müllers landet der Esel in der Obhut der jungen Maria, die ihn auf den Namen Bo tauft. Maria hat kurz zuvor den Handwerker Josef geheiratet und erwartet ein ganz besonderes Kind: den Sohn Gottes.
 
Unterdessen suchen drei Weise aus dem Morgenland auf ihren Kamelen Felix, Cyrus und Deborah nach dem Messias, um ihm Gold, Myrrhe und Weihrauch zu überbringen. Als König Herodes vom „neuen König“ erfährt, hetzt er einen Häscher mit den bösartigen Hunden Thaddeus und Rufus auf Maria. Nun liegt es an Bo, Dave und dem Schaf Ruth, die liebliche Maria zu beschützen, die mit ihrem Gatten auf dem Weg zu einer Volkszählung in Bethlehem ist.
 
Der kindgerechte Animationsfilm rüttelt nicht an den Grundfesten der biblischen Weihnachtsgeschichte, sondern schildert diese lediglich aus der Perspektive von Tieren und garniert das Geschehen mit reichlich Humor. Wenn Maria in der Auftaktszene von einer himmlischen Erscheinung erfährt, dass sie den Sohn Gottes austragen soll, erklärt der Engel die unbefleckte Empfängnis ganz lapidar: „Bei Gott ist kein Ding unmöglich.“ Und als einer der Weisen aus dem Morgenland dem neugeborenen Jesus Weihrauch schenkt, hofft er, dass der Junge damit etwas anfangen kann: „Ich weiß nie, was ich schenken soll.“
 
Ein Teil des Humors entsteht, weil das Publikum den Ausgang des Abenteuers bereits kennt. So streiten sich die Kamele der Weisen regelmäßig, ob sie zu einer Babyparty oder einer Geburtstagsfeier unterwegs sind – oder, wie Deborah mutmaßt, vielleicht sogar den neuen König der Christenheit suchen. Dass alle drei recht haben, sorgt für ein wissendes Schmunzeln im Kinosaal.
 
Ansonsten setzt der Debütregisseur Timothy Reckart auf viel Slapstick, darunter turbulente Kettenreaktionen und tollkühne Verfolgungsjagden, die im Finale einen spannenden Höhepunkt erreichen. Die etwas kargen Animationen lassen hier und da Detailreichtum vermissen, geben aber ein stimmiges Gesamtbild ab. Für besinnliche Momente sorgen bei allem Trubel andächtige Weihnachtslieder wie „Whose child is this?“ oder der feierliche Titelsong „The Star“ von Mariah Carey.
 
Die interessanteste unter den menschlichen Figuren ist Josef. Anders als die gutherzig-naive Maria tritt er mürrisch auf und zeigt sich von der Aufgabe, den Messias aufzuziehen, verständlicherweise überfordert. Die erste Geige spielen aber natürlich die Tiere, allen voran der titelgebende Esel Bo und die Taube Dave. Wie die Freunde ihren lang gehegten Traum, mit der königlichen Karawane durchs Land zu ziehen, über Bord werfen, um Maria und Josef beizustehen, markiert den emotionalen Kern des Abenteuers. Sehr knuffig ist das Schaf Ruth, deren starker Herdentrieb die Themen Freundschaft und Zusammenhalt plastisch in die Handlung einbringt. Der oft ins Bild gerückte Weihnachtsstern, dessen plötzliches Erscheinen alle Tiere fasziniert, sorgt derweil regelmäßig für innere Einkehr und die gewünschte Weihnachtsstimmung.
 
Christian Horn