Bobby

In bester Robert Altman-Manier zeigt Emilio Estevez ein Abbild Amerikas und seiner sozialen Probleme. Schauplatz ist das Ambassador Hotel in Los Angeles am 4. Juni 1968, dem Tag, an dem Bobby Kennedy ermordet wurde. Und mit ihm starb nicht nur der aussichtsreiche Kanditat für die amerikanische Präsidentschaft, sondern auch – so will es zumindest der überaus idealistische Film – die Hoffnung einer ganzen Generation auf ein menschliches Amerika. Man kann dieses Sentiment naiv finden, der Kraft des Films dagegen kann man sich nur schwer entziehen.

Webseite: http://bobby.kinowelt.de

USA 2006
Buch und Regie: Emilio Estevez
Darsteller: Harry Belafonte, Laurence Fishburne, Emilio Estevez, Heather Graham, Anthony Hopkins, Helen Hunt, William H. Macy, Lindsay Lohan, Demi Moore, Martin Sheen, Christian Slater, Sharon Stone, Elijah Wood, Freddy Rodriguez
117 Minuten, Format 1:2,35
Verleih: Kinowelt
Kinostart: 8.3.2007

PRESSESTIMMEN:

Mit einem der großartigsten Ensembles der letzten Jahre (darunter Harry Belafonte, Demi Moore, Anthony Hopkins und Sharon Stone) gelingt dem Regisseur Emilio Estevez ein bewegendes Zeitporträt.
Der Spiegel

In Emilio Estevez’ Film taucht Bobby Kennedy nur in den Nachrichtensendungen auf. Was dieser Mord für eine Gesellschaft bedeutete, die dank Bobby an Aufbruch glaubte, an das Ende eines sinnlosen Krieges, zeigt Estevenz an den Menschen drumherum. Künstler, Hotelangestellte, Wahlkampfhelfer, Gäste – er verwebt ihre kleinen beruflichen  und privaten Krisen zum vielschichtigen Mosaik einer Gesellschaft, die Frieden und Gerechtigkeit will und den Traum brutal zerstört wird. Ihn unterstützt dabei eine Crew von Schauspielern, wie es sie so hochkarätig kaum in einem Hollywoodfilm gegeben hat.
Brigitte

FILMKRITIK:

In den 80er Jahren war Emilio Estevez – Sohn von Martin Sheen – als Schauspieler ein Teil des so genannten Brat Packs und drehte erfolgreiche Teeniefilme, in den letzten Jahren jedoch verschwand er völlig von der Leinwand. Schon 1986 drehte er seinen ersten eigenen Film und kämpfte jahrelang um die Realisierung dieses Traumprojekts. Man merkt wie viel Herzblut in Bobby steckt, wie viel dieser Film Emilio Estevez bedeutet, aber auch, dass er an die Grenzen seiner künstlerischen Möglichkeiten gegangen ist und bisweilen auch darüber hinaus. Kaum ein filmisches Genre ist schließlich so schwierig und komplex wie ein Episodenfilm, der nicht nur zahlreiche einzelne Handlungsstränge verbinden will, sondern mit seinen kleinen Geschichten einen Abriss des großen Ganzes abliefern will.

In Bobby ist das ein Bild der amerikanischen Gesellschaft am Ende der 60er Jahre, eines Jahrzehnt, das mit Flower Power und Bürgerrechtsbewegung so hoffnungsvoll begann, sich jedoch durch Rassenunruhen, der Radikalisierung der Studentenbewegung und der oft übermäßig brutalen Reaktion des Staates, dem Vietnamkrieg und nicht zuletzt der Ermordung von John F. Kennedy, Malcolm X und Martin Luther King zu einer Ära entwickelte, die die amerikanische Nation spaltete wie nie zuvor.

Anhand von gut zwanzig Figuren – die fast ausnahmslos von bekannten Hollywood-Akteuren gespielt werden – entwirft Estevez sein Zeitpanorama. In diesen Geschichten spiegeln sich Themen, die zwar typisch für die Zeit waren, letztlich aber zeitlos sind: Drogen, Rassismus, der Versuch der Einberufung zum Militär zu entgehen, politischer Idealismus, enttäuschte Hoffnungen in die Versprechungen der freien Liebe. Viele dieser kleinen Episoden sind geprägt von persönlichen Enttäuschungen, von vergeudeten Leben, Träumen, die im Alltagstrott aus den Augen verloren wurden. Und auch wenn es in den meisten Fällen nicht explizit gesagt wird: Für die meisten dieser Figuren fungiert Bobby Kennedy als Symbol des Wandels, der Hoffnung auf ein anderes, besseres Leben.

Immer wieder sieht man auf Fernsehern im Bildhintergrund Ausschnitte von charismatischen Reden Kennedys, sieht man Menschen aller Rassen, die den jungen Senator enthusiastisch feiern und im scharfen Kontrast dazu den offensichtlich weniger attraktiven, konservativen Nixon. Vor allem das Wissen, dass ein paar Monate nach der Ermordung Kennedys mit Richard Nixon ein Mann Präsident werden sollte, der Amerika noch tiefer in den Abgrund riss, führt zur Stilisierung Kennedys als fast schon messianische Figur. Ob die Hoffnung, die damals in Bobby Kennedy gesteckt wurde, gerechtfertigt war, ist eine hypothetische Frage, die der Film erst gar nicht stellt. Er ist fest in dem sehr amerikanischen Glauben verhaftet, dass eine charismatische Person die Geschicke einer ganzen Nation zum besseren verändern kann. Aus diesem Antrieb heraus hat Emilio Estevez seinen Film realisiert und seine Intentionen bisweilen allzu offensichtlich in die einzelnen Episoden eingeflochten. Doch auch wenn man dem Idealismus dieser Haltung skeptisch gegenüber steht, kann man sich der Kraft, die Bobby auszeichnet. nur schwer entziehen.

 

Michael Meyns

 

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4. Juni 1968, Ambassador Hotel. Es ist die Zeit der amerikanischen Primeries, der Vorwahlen. Zur Zeit ist Kalifornien an der Reihe. Und wer Kalifornien gewinnt, hat gute Aussichten, im November US-Präsident zu werden. Am Abend oder in der Nacht, je nach Wahlausgang, soll der erwartete Sieg von Robert Kennedy gefeiert werden.

Die Vorhut der Kennedy-Mannschaft ist bereits mit den Vorbereitungen beschäftigt. Doch auch sonst tut sich viel in dem Hotel. Eine Sängerin mit ihrem Mann ist da, die mehr trinkt als sie singt. Eine junge Frau ist bereit, ihren Freund in einer völlig unfeierlichen und unspektakulären Zeremonie schnellstens zu heiraten, damit der Mann nicht nach Vietnam eingezogen werden kann. Die Friseurin des Hotels wird von ihrem Mann, einem der Hotelmanager, mit einer Schönen aus der Telefonvermittlung betrogen. Der Portier des Ambassador wird von seinem alten Vorgänger besucht. Zwei junge Kerle aus dem Kennedy-Team machen ihre ersten Rauschgifterfahrungen. Eine junge tschechische Journalistin will vom Präsidentschaftskandidaten ein Interview für die kommunistische Parteizeitung „Rude Pravo“. Auch beim Küchenpersonal geht es rund.

Dann, es ist bereits Nacht, kommt Robert Kennedy an. Er will sich über seinen Wahlsieg freuen, in einer Rede Amerika eine bessere Zukunft verheißen, vor allem zwischen arm und reich eine Brücke schlagen, mit seinen engsten Freunden zusammen sein. Doch daraus wird nichts. Von einem Fanatiker wird er erschossen – nur vier Monate nach Martin Luther King. Eine für Amerika verhängnisvolle Nacht.

Dem Autor und Regisseur Emilio Estevez ging es darum, die Menschen, denen Kennedy eine bessere Zukunft versprach, zu zeigen, wichtige Originalaufnahmen und Redenausschnitte, beispielsweise über die Aufhebung der Rassentrennung, also Kennedys eigentliche Botschaft, einzublenden und schließlich die Tragik des Attentats selbst zu schildern.

Das ist in überzeugender Weise geschehen. Die Mischung stimmt; eine gute Montage war dabei wesentlich. Emilio Estevez hat insgesamt eine historisch, politisch und nicht zuletzt menschlich bemerkenswerte Arbeit abgeliefert.

Dass bedeutende Darsteller wie Anthony Hopkins, Harry Belafonte, Sharon Stone, Demi Moore, Martin Sheen (der Vater des Regisseurs), Christian Slater, Helen Hunt, Ashton Kutcher, Lindsay Lohan und viele andere dabei waren, erhöht natürlich den Wert des Films sowieso.

Ein geschichtlich und menschlich bedenkens- und sehenswerter Streifen.

Thomas Engel