Bonjour Sagan

Ein charmantes Künstlerportrait über die berühmt berüchtigte Kult-Autorin Françoise Sagan (Bonjour Tristesse). Sylvie Testud (Jenseits der Stille) überzeugt in der Hauptrolle der französischen Ikone. Darüber hinaus schafft es der Film nur selten, das bewegende Leben der Sagan in entsprechender Weise zu erzählen.

Webseite: www.sagan-lefilm.com

Originaltitel: Françoise Sagan
Frankreich 2008
Regie: Diane Kurys
Drehbuch: Diane Kurys, Martine Moriconi, Claire Lemaréchal
Darsteller: Sylvie Testud, Pierre Palmade, Lionel Abelanski, Jeanne Balibar, Denis Podalydès, Arielle Dombasle
Laufzeit: 117 Minuten
Verleih: Schwarz-Weiss Filmverleih
Kinostart: 08.01.2009

PRESSESTIMMEN:

"Bonjour Sagan" erzählt schmerzlich schön das Leben der Schriftstellerin.
Berliner Zeitung

Eindrucksvolles Biopic über das wilde Leben der berühmt-berüchtigten Autorin Françoise Sagan, getragen durch eine phänomenale Performance von Sylvie Testud in der Titelrolle.
Hamburger Morgenpost

Diane Kurys gelingt ein erfrischendes Frauenporträt, das mit Sprachwitz und intelligenten Dialogen die unbeschwerte Lebensart des französischen Savoir-vivere zelebriert.
Märkische Allgemeine

Diane Kurys schildert Aufstieg und Fall der berühmten Schriftstellerein in einem wilden Episodenreigen von geradezu magischer Intensität.
Berliner Kurier

FILMKRITIK:

Zurückgezogen und verlassen, verbringt Françoise Quoirez das letzte Kapitel ihres Lebens auf ihrem Landsitz. Im September des Jahres 2004 wird das Buch, welches ihr Leben ist, sich für immer schließen. Nicht viel ist geblieben von dem Glanz vergangener Tage. Ihre Süchte und Exzesse haben sie gezeichnet. Und sie ist allein. Die Wegbegleiter ihres Lebens sind fern oder bereits verstorben. Ein Schicksal, das auch sie sehr bald ereilen wird. Sie, das literarische Wunderkind von einst, eine Leitfigur der französischen Frauenbewegung und Ikone der High Society. Sie, Françoise Sagan. 

Im zarten Alter von 18 Jahren und in nur wenigen Wochen, verfasst Françoise ihren Erstlingsroman. „Bonjour Tristesse“ wird zum Bestseller und aufgrund der für die damalige Zeit recht freizügigen Schilderungen ein ebenso großer wie medienwirksamer Skandal. Von heut auf morgen ist die Tochter eines französischen Großindustriellen berühmt und auch berüchtigt. Von den Kritikern zunächst aufgrund ihrer Kühnheit gelobt, werden ihre nachfolgenden Arbeiten zunehmend als „seichte“ Literatur getadelt. Ihre Leser hingegen lieben die unvergleichliche Mischung aus trivialer Situation und existenzieller Wahrheit. Doch nicht allein ihr Schaffen sorgt für Aufmerksamkeit. In ähnlicher Weise ist es ihr Lebensstil, der das Nachkriegsfrankreich provoziert und aufrüttelt. Glücksspiel, schnelle Autos, Alkohol und Drogen sind die ständigen Begleiter ihres unbändigen Lebens und machen sie zur Kultfigur ihrer Generation. Sie stirbt, ohne zu wissen was Glück ist, aber in dem Wissen was Glück war.

Die besten Geschichten schreibt das Leben selbst. Ein häufig zitierter Ausspruch, der bei der Verfilmung eines Künstlerportraits in besonderer Weise zutreffen sollte. Zumal die hier portraitierte Künstlerin als eine der bekanntesten Buchautorinnen in die Geschichte einging. Und als wäre dies nicht Substanz genug, handelt es sich bei Françoise Sagan zu allem Überfluss um eine kontroverse Persönlichkeit, die zwischen Rebellion und Angepasstheit, Freiheitswillen und Drogenabhängigkeit, Liebessehnsucht und Einsamkeit schwankte. All das der Stoff aus dem wahrlich mitreißende Filme gemacht werden. So sollte man meinen, denn tatsächlich ist „Bonjour Sagan“ streckenweise leider alles andere als das.

Sylvie Testud, die bereits in dem Edith Piaf- Portrait „La vie en rose“ mitwirkte und sich hierzulande vor allem durch ihre Performance in Caroline Links „Jenseits der Stille“ in die Herzen der Zuschauer spielte, überzeugt in ihrer Rolle als alternde Kult-Autorin. Ihr zur Seite stehen ein paar wundervolle Nebendarsteller, die ihren Figuren sowie dem Film als solchen Charme und Verve einhauchen. Überdies kratzt „Bonjour Sagan“ jedoch allzu sehr an der Oberfläche und geht nur selten in die Tiefe. Die Kapitel des Lebens von Françoise Sagan werden abgehandelt und teilweise kaum näher beleuchtet. Dabei entsteht ein Erzählrhythmus, dem es immer wieder an flüssigen Übergängen mangelt. Verschiedene Aspekte aus Sagans Biografie werden regelrecht übergangen oder bestenfalls am Rande gestreift. Dazu zählen unter anderem ihr politisches Engagement sowie die Beziehung zu ihrem Sohn. Der Film gewinnt immer dann an Stärke, wenn die Sagan über ihren Manuskripten sitzt und sich selbst aus dem Off zitiert. Wenigstens in diesen Zeilen erlebt man dann die wahre Größe der Autorin.

Gary Rohweder

Als Françoise Quoirez wurde sie 1935 geboren, ihr Künstlername war dann Sagan. Mit nicht mehr als 18 Jahren schrieb sie das berühmte „Bonjour Tristesse“, ein kleines Buch, das weltberühmt wurde. Es scheint, vor allem was die Stellung und Haltung der Frau ganz allgemein anbelangt, seiner Zeit voraus gewesen zu sein. Eine Reihe von Romanen wie etwa „Lieben Sie Brahms?“, „Ein verlorenes Profil“ oder „Brennender Sommer“ folgten.

Vielleicht hätte sie eine Geschichte wie „Bonjour Tristesse“ nie verfassen können, wenn sie nicht auch ein besonderer Mensch gewesen wäre: liebebedürftig, immer in Gesellschaft mit Freunden, großzügig aber auch exzentrisch, zügellos, egoistisch, spielsüchtig, Unmengen von Zigaretten und Drogen konsumierend.

2004 ist Francoise Sagan verstorben.

Der Film erzählt, einiges mit Fiktivem ausschmückend, chronologisch ihr Leben nach: die Zeit ihres ersten Erfolges und das darauf folgende ausschweifende Leben; den schrecklichen Autounfall, der sie beinahe das Leben gekostet hätte; die unglückliche Ehe mit Guy Schoeller; die enge Freundschaft mit Peggy Roche; das Techtelmechtel mit dem Beau Westhoff, aus dem der Sohn Dennis hervorging; das fast geschwisterliche Verhältnis zu Jacques Chazot und Bernhard Frank; die zweite Ehe; der gesundheitliche Verfall in den letzten Lebensjahren; die Einsamkeit.

Viel musste hineingepackt werden in diesen Film, und deshalb ist manchmal der Tiefgang zu kurz gekommen. Und doch ist von der engagiert arbeitenden Regisseurin Diane Kurys alles lebendig und glaubwürdig geschildert. Man nimmt diese Persönlichkeit, ihr Leben, ihr Umfeld, die Höhepunkte und die Tragik mit einigem Interesse zur Kenntnis.

Noch eins: Die beispielsweise aus „Jenseits der Stille“ bekannte Sylvie Testud, die den ganzen Film im Wesentlichen trägt, spielt die  Titelrolle großartig. Jedes andere Adjektiv für diese Leistung wäre zu wenig und falsch. 

Thomas Engel