Breathing Earth – Susumu Shingus Traum

Regisseur Thomas Riedelsheimer gelingt mit seiner Doku „Breathing Earth – Susumu Shingus Traum“ nicht nur ein feinfühliges Porträt des faszinierenden japanischen Künstlers, sondern auch ein spannender Dialog mit der Natur, den wir im Alltagsleben kaum wahrnehmen. Dieses für uns scheinbar unsichtbare Universum setzt der preisgekrönte Dokumentarfilmer gekonnt in eine fast meditative Bildsprache um. Experimentierfreudig wie sein Protagonist durchbricht er die konventionellen Kategorien unseres begrenzten Sehens. Kino wird dadurch zu einem sinnlichen Erlebnis. Mit seiner Kamera begleitet der Filmemacher den charismatischen Künstler auf seiner Reise quer durch die Welt, um einen Ort für sein umweltfreundliches Kunst-Projekt zu finden.

Webseite: www.breathing-earth.de

Deutschland, UK 2012
Regie: Thomas Riedelsheimer
Kamera: Thomas Riedelsheimer
Schnitt: Thomas Riedelsheimer
Darsteller: Susumu Shingu, Yasuko Shingu
Länge: 93 Minuten
Verleih: Piffl Medien
Kinostart: 27. Dezember 2012

PRESSESTIMMEN:



FILMKRITIK:

Nicht zuletzt seit seiner großartigen Musik-Doku „Touch the Sound“ hat Regisseur Thomas Riedelsheimer ein starkes Faible für Töne. Gleichzeitig reizt den preisgekrönten Kameramann und Cutter immer wieder die Herausforderung scheinbar Unsichtbares zu visualisieren. Das ist dem 49jährigen Münchner erneut meisterhaft geglückt. Die leichte Bö, die das Wassers eines Teiches kräuselt und dabei in flüssiges Silber taucht oder ein Blatt, das sich wie an einem Silberfaden im Wind dreht, entfalten durch ihre Schönheit einen fast meditativen Sog. Seine betörende Mischung aus Konzept, Intuition und Improvisation spürt Phänomene auf, die uns unweigerlich mit der Natur verbinden.

Dramaturgisch eingängig aufeinander aufgebaut fasziniert die exzellente Montage des Bild- und Tonmaterials seines emotional ansprechenden Dokumentarfilms über den japanischen Konzeptkünstler Susumu Shingu. Schnell offenbart sich dabei die unerschöpfliche Energie, Begeisterungsfähigkeit und Inspirationsgabe des „Künstlers des Windes“, der mit seinen Aufsehen erregenden Werken in der ganzen Welt vertreten ist. Sein spielerisches Interesse an der Bewegung der Form ist nach wie vor unbändig. Schon seit vielen Jahren setzt sich der heute 75jährige aus Osaka mit der Energie von Wind und Wasser auseinander.
Er entwirft phantastische Skulpturen, die sich vom Wind tragen lassen, ihn aufnehmen und sich durch ihn auf immer andere Weise verändern. „Die Natur kennt keinen starren Widerstand“, weiß er. Und so machen seine Objekte und Installationen die Kraft der Elemente sichtbar. Mit Stararchitekten wie Renzo Piano, einem Freund, arbeitet der vielfach begabte Shingu zusammen, belebt mit seinen Wind-Skulpturen deren Bauten. Gleichzeitig entwickelt er Bühnenbilder und schreibt Kinderbücher. Mit seiner Kamera begleitet Filmemacher Riedelsheimer den humorvollen, charismatischen Künstler sechs Jahre lang auf seiner abenteuerlichen Reise quer durch die Welt, um einen Ort für sein Kunst-Projekt „Breathing Earth“ – „Atmende Erde“ zu finden.

Denn immer wenn der Wind weht, atmet die Erde, glaubt der sympathische Visionär. Sein Lebenstraum: Ein Dorf, das nur mit natürlichen Energien aus Wind und Sonne betrieben wird als Ort der Inspiration für Künstler, Wissenschaftler und Kinder. Stets auf der Spur von Wind und Wasser sucht er deshalb für diese Begegnungsstätte, zusammen mit seiner Lebenspartnerin Yasuko, Sponsoren und Unterstützer. Seine Überzeugung, dass unser Planet ein herrlicher Ort ist, den wir schützen müssen treibt ihn unermüdlich an. Ganz dem Wunder des Lebens und dem Respekt vor dem Menschen und der Umwelt verpflichtet, strebt er gelassen voran. In unterschiedlichen Ländern, anfangen von Süditalien über Schottland bis hin zu einer kleinen türkischen Insel vor Istanbul scheitert er letztlich mit seinem Anliegen.

Doch dadurch macht der außergewöhnliche Film auch deutlich, dass es keineswegs allein um den Bau eines einzelnen utopischen Dorfes geht. Vielmehr gilt es eine positive Lebensphilosophie der Achtsamkeit im Einklang mit der Natur zu entwickeln. Schließlich betont Susumu Shingu: „Breathing Earth, das sind unsere Handlungen, unser Geist“. Und last but not least ist dieses einmalige Künstlerportrait damit zusätzlich ein Plädoyer gegen alle widrigen Zeitströme seine Träume festzuhalten. Eine berührende, ermutigende Botschaft, die beim Zuschauer ankommt. Versiert unterstreicht die organische Musik des Klangkünstlers Stephan Micus zusätzlich diese elementare Aussage auf kongeniale Art und Weise.

Luitgard Koch