Brick

Ein Film als Experiment. Das auf dem Sundance Filmfestival gefeierte Debüt von Rian Johnson vermischt den Schauplatz einer Highschool mit den Elementen einer klassischen Detektivgeschichte. Im Mittelpunkt steht der Außenseiter Brendan, gespielt von Nachwuchshoffnung Joseph Gordon-Levitt, der sich in einem undurchsichtigen Netz aus Gewalt, falschen Verdächtigungen und heimtückischen Fallen verstrickt. Johnsons unbändiger Drang zur Stilisierung macht aus "Brick" ein ungewöhnliches, aber emotional zuweilen äußerst unbefriedigendes Spiel mit den Zutaten eines Film Noir.

Webseite: www.brickmovie.net

USA 2005
Regie: Rian Johnson
Buch: Rian Johnson
Kamera: Steve Yedlin
Musik: Nathan Johnson
Darsteller: Joseph Gordon-Levitt, Nora Zehetner, Noah Fleiss, Lukas Haas, Matt O’Leary, Emilie de Ravin
110 Minuten
Kinostart: 21. September
Verleih: Senator

PRESSESTIMMEN:

Mit ausgeprägtem Stilwillen, großem Respekt vor den Genre-Regeln des Detektivfilms und feiner Ironie lässt Regisseur Rian Johnson seinen Helden in die natürlich viel zu großen Fußstapfen von Humphrey Bogart und Robert Mitchum treten und verwandelt eine saubere amerikanische High School in einen einzigen Sündenpfuhl.
Der Spiegel

Originelle Mischung aus High-School-Drama und Film Noir, so elegant wie spannend.
KulturSPIEGEL

FILMKRITIK:

Eigentlich hat sich Brendan (Joseph Gordon-Levitt) auf ein Leben als Außenseiter eingerichtet. Nur wenige lässt er an sich heran, nur wenige interessieren sich überhaupt für ihn. Auf der Highschool geht er seinen Mitschüler zumeist aus dem Weg. Mit einem mysteriösen Anruf seiner Ex-Freundin Emily (Emilie de Ravin) soll für ihn alles anders werden. Sie erzählt ihm von einem schweren Fehler, den sie begangen habe. Verschüchtert, ängstlich, verwirrt klingt sie. Noch bevor Brendan weitere Fragen stellen kann, bricht das Gespräch ab. Der Abstieg in die Hölle hat begonnen.

Auf dem Weg dorthin begegnet er vielen Charakteren, die zum festen Inventar eines jeden Film Noir gehören. Egal ob es sich bei diesem um "Die Spur des Falken" oder "Chinatown" handelt. Eine geheimnisvolle Schöne (Nora Zehetner), die Femme Fatale in "Brick", versucht Brendan zu verführen, ein mächtiger Drogendealer namens The Pin (Lukas Haas) hetzt seinen Schläger Tug (Noah Fleiss) auf ihn los.

Das ist eigentlich die Welt eines Dashiell Hammett. Auch ein James Ellroy oder Raymond Chandler dürften sich in einem solchen Universum zu Hause fühlen. Regisseur und Drehbuchautor Rian Johnson überträgt das so vordefinierte und bekannte Koordinatensystem auf den genrefremden Tatort einer gewöhnlichen Highschool. Man würde wohl kaum auf die Idee kommen, dort den Schauplatz dieses tödlichen Crime-Coktails zu vermuten. Doch mit einem simplen Kulissenaustausch ist es für Johnson nicht getan. In Habitus, Wortwahl und Stil orientiert sich "Brick" konsequent an den von Nihilismus durchzogenen Klassikern der Schwarzen Serie.

Das hat zur Folge, dass die im Teenageralter befindlichen Protagonisten reden und handeln, wie es weder in seichten Komödien noch in realistischen Jugenddramen der Fall wäre. Sie verhalten sich von der ersten bis zur letzten Szene atypisch, ihre Gesten erstarren zur Pose, ihre Gefühle wirken fast zwangsläufig unecht. Joseph Gordon-Levitt versucht sich an einer adoleszenten Humphrey Bogart-Kopie. Die Hände tief in der Jackentasche vergraben, der Gang schleppend, die Haltung stets etwas gebeugt. Es fehlen lediglich der Trenchcoat und die Kippe im Mundwinkel, dann wäre das Bild des jungen Sam Spade perfekt. Da ist es nur gerecht, wenn ihm in der Auflösung einer der spärlich gesäten wirklich mitreißenden Szenen zugedacht wird. Im Schnelldurchlauf entwirft der Film hier ein Szenario, dass jedwede Hoffnung vermissen lässt. Für kurze Zeit, so scheint es, kann man Hammetts Herz schlagen hören.

So sehr Johnsons Idee der Charme des Neuen und Unverbrauchten anhaftet, in der Umsetzung stolpert sein ambitioniertes Projekt desöfteren über den erzwungenen Zusammenprall zweier Welten, deren Gemeinsamkeiten sich am besten mit dem Bild einer leeren Menge beschreiben lassen. Film Noir und Jugenddrama wollen so recht nicht zueinander passen. Es entsteht alsbald der Eindruck, Zeuge einer filmisch interessanten Fingerübung zu werden, der es allerdings nie wirklich gelingt, überzeugend eine eigenständige Kriminalhandlung zu etablieren. Bestenfalls ließe sich "Brick" als ungewöhnliche Hommage an die Schwarze Serie klassifizieren. Etwas wenig, wo doch die zitierten Vorbilder einen Abwärtsspirale entfachen, aus der es für niemanden ein Entrinnen gibt. Bei "Brick" fühlt man sich trotz manch eruptivem Gewaltausbruch wohl behütet. Mama und Papa, die nebenan warten und bei Gelegenheit die Getränke servieren, sei Dank.

Marcus Wessel