Bridget Jones Baby

Ohne überschüssige Pfunde kehrt Oscar-Preisträgerin Reneé Zellweger in ihrer Paraderolle als ewig schusselige Single-Britin mit Liebeskummer auf die Leinwand zurück. Auf dem holprigen Weg zur Mutterschaft steckt die sympathische Kultfigur im vollendeten Chaos. Denn die Frage: Wer ist der Vater ihres ungeborenen Kindes kann sie nicht beantworten. Ist es Ex-Freund Mr. Darcy, very british wie stets Colin Firth, oder ihr wilder One-Night-Stand? Und so bleibt die turbulente Liebeskomödie bis zum Schluss spannend. Doch Hugh Grant war gestern, nun ist „Grey's Anatomy“-Star Patrick Dempsey angesagt. Ein wahrer Liebes-Whodunit mit witzigen Dialogen und unverbrauchter Situationskomik, auch wenn das traditionelle Frauenbild nach einer erfrischend amüsanten Berg- und Talfahrt am Ende wieder fröhliche Urständ feiert.

Webseite: www.studiocanal.de

Großbritannien, Irland, Frankreich, USA
Regie: Sharon Maguire
Drehbuch: Helen Fielding, Emma Thompson, Dan Mazer
Kamera: Andrew Dunn
Darsteller: Renée Zellweger, Colin Firth, Patrick Dempsey, Emma Thompson, Jim Broadbent, Gemma Jones, Sarah Solemani, Joanna Scanlan, Sally Philipps, Julian Rhind-Tutt, Shirley Henderson.
Länge: 115 Minuten
Verleih: Studiocanal Filmverleih
Kinostart:  20. Oktober 2016

FILMKRITIK:

Sie ist zurück. Zwölf Jahre warteten ihre Fans auf eine Kino-Fortsetzung von „Bridget Jones“ nach dem Bestsellerroman von Helen Fielding. Ohne überschüssige Pfunde brilliert Oscar-Preisträgerin Reneé Zellweger in ihrer Paraderolle als ewig schusselige Single-Britin samt Liebeskummer erneut auf der Leinwand. Ihr Idealgewicht hat die stets mit ihren Pfunden kämpfende Kultfigur im dritten Teil nun endlich erreicht. Aber ihr Leben ist deshalb noch lange nicht perfekt. „Viele denken: Wenn ich endlich dieses Gewicht erreicht habe, wird mein Leben ganz von alleine wunderbar sein. Aber dein Leben wird nicht automatisch besser sein, bloß weil du jetzt dein Idealgewicht hast“, weiß auch Reneé Zellweger.
 
Diese Botschaft wollte Regisseurin Sharon Maguire an die Frau bringen. Souverän stellt die turbulente Liebeskomödie deshalb das Glücksversprechen durch Traumgewicht in Frage. Doch insgeheim sucht die tollpatschige Ikone des Kultfilms immer noch nach Mr.Right. Da hilft es nichts, dass sie als Producerin einer Nachrichtensendung die Karriereleiter nach oben klettern durfte. Selbst ihre Hauptbeziehung zu einer Flasche Chardonnay hat sie längst aufgegeben. Ihren 43sten Geburtstag feiert sie trotzdem alleine in ihrem verwinkelten Apartment am Borough Market südlich der Themse. Bei ihrer einsamen Party trägt sie immer noch dieselbe rotgemusterte, kindische Pjamahose von früher.
 
Erneut kreuzen sich ihre Wege mit dem versnobten Anwalt und intellektuellen Ex Mark Darcy (Colin Firth). Ausgerechnet auf der Beerdigung von Lebemann Daniel Cleaver (Hugh Grant), ihrem ehemaligen, eitel-überheblichen Chef und Ex-Lover. Zu allem Überfluss taucht Mark dort mit seiner Frau Camilla auf. Nervös versucht Bridget davon abzulenken, dass sie immer noch Single ist. Wenige Tage später schleppt ihre lebenslustige Kollegin Miranda (Sarah Solemani) sie auf ein Open-Air Festival. Und dort landete sie nicht nur völlig overdressed in verschlammten Regenpfützen. In einer neckischen Cinderella Szene hilft ihr ein Charmeur (Patrick Dempsey) aus dem Festival-Matsch.
 
Galant zieht er ihr danach ihren Stöckelschuh wieder an. Kurz darauf endet ihr ausgeflipptes Abenteuer auch im Bett seiner Jurte. Am Morgen danach geißelt sie sich zwar für ihren leidenschaftlichen One-Night-Stand. Doch schon lauert auf der Tauffeier ihrer Freundin die nächste Versuchung: Mr. Darcy. Als Taufpaten kommen sich die beiden wieder näher. Bridget hofft jedoch ohne Folgen. Weit gefehlt. Wochen später ist es soweit. Sie ist schwanger. Und auch ihre taffe Frauenärztin Dr. Rawlings (Emma Thompson) kann ihr beim besten Willen nicht sagen, wer der Vater ist. Ein wahrer Liebes-Whodunit beginnt. Und am Ende buhlen zwei Möchte-gern-Väter um ihre Gunst.
 
Mit witzigen selbstironischen Dialogen, nach wie vor konsequent aus Frauensicht, und stimmiger Situationskomik punktet das Arrangement der rasanten Romantikkomödie erneut. Nicht nur für eingefleischte Fans funktioniert das Setting mit seiner Realitätsnähe. Mit seiner lockeren Art bildet „Grey's Anatomy“-Beau Patrick Dempsey,  als smarter Amerikaner Jack Qwant, das völlige Gegenstück zu Bridgets alter Flamme Darcy. Nicht umsonst verehrt sein weibliches Publikum den ehemaligen Serienstar längst als „McDreamy“. Ein ziemlich harter Konkurrent und überzeugender Rivale. Oscarpreisträger Colin Firth („The King's Speech“)  ist mit seiner Selbstdisziplin, Bescheidenheit und Selbstironie dagegen der Archetypus des stocksteifen Engländers. Nicht zuletzt deshalb bleibt das Väter-Rennen bis zuletzt spannend.
 
Bridgets holprige Reise in die Mutterschaft begleitet zudem Ausnahmeschauspielerin Emma Thompson exzellent. Außerdem feilte die englische Oscarpreisträgerin selbst am Drehbuch, um ihm den rechten, trockenen, britischen Humor zu verpassen. Schließlich ist sie die einzige in der Film-Branche, die sowohl einen Oscar für ihre schauspielerische Leistung als auch für ein Drehbuch gewinnen konnte. Unschlagbar der Frauenarzt-Besuch, bei dem Bridget einen Ultraschall von ihrem ungeborenen Baby machen lässt. Sie bittet Emma Thompson um einen Gefallen – und zwar, nicht nur bei ihrem ersten Besuch mit Mark Darcy, sondern auch beim zweiten mit Jack Qwan so zu tun, als sei das der erste Ultraschall – und der jeweilige Begleiter der Vater. Und so eignet sich Bridget im Wandel der Zeit nach wie vor als weibliche Identifikationsfigur, denn  trotz Feminismus und Postfeminismus trifft der Film einen Nerv beim breiten Frauenpublikum. Denn die Aussicht, alleinerziehende Mutter zu werden, ist so ungefähr der schlechteste soziale Status, den eine Frau in unserer heutigen Gesellschaft bekommen kann – außer alt zu sein.

Luitgard Koch