Broadway Therapy

Vor über 40 Jahren schuf Peter Bogdanovich mit „Is' was, Doc?" einen Klassiker, für seine aktuelle Screwball-Comedy schickt die 75-jährige Regie-Ikone nun eine hochkarätige Starbesetzung ins Rennen, die auf der Theaterbühne die amourösen Verwicklungen ihres realen Lebens nachspielt– und umgekehrt. Owen Wilson gibt den berühmten Regisseur, der mit einem hübschen Call-Girl anbändelt. Das wiederum eine Rolle bei ihm möchte. Was allerdings der eifersüchtigen Gattin missfällt. In die freilich der Hauptdarsteller seit langem heftig verliebt ist. Beim Festival von Venedig hat der Kinosaal getobt bei dieser turbulenten Farce. Erst recht, als zum Schluss eine ziemlich coole Kult-Figur mit einem Überraschungsauftritt Nachhilfe in Filmgeschichte gibt – wer? Wird natürlich nicht verraten! 

Webseite: www.broadwaytherapy.de

OT: She's funny that way
USA/Deutschland 2014
Regie: Peter Bogdanovich
Buch: Peter Bogdanovich, Louise Stratten
Darsteller: Imogen Poots, Jennifer Aniston, Owen Wilson,
Lucy Punch, Rhys Ifans
Länge: 93 Minuten
Verleih: Wild Bunch Germany
Kinostart: 20. August 2015
 

FILMKRITIK:

Das hübsche Callgirl Izzi (Imogen Poots) kann ihr Glück kaum fassen: 30.000 Dollar bekommt sie am Morgen danach überraschend vom verliebten Kunden Arnold (Owen Wilson) geschenkt. Die Bedingung für das moralische Angebot des berühmten Theaterregisseurs: Die Lady soll ihr Lotter-Leben ändern, den schnöden Escort-Job für alle Zeiten an den Nagel hängen und sich fortan auf ihre wahren Werte besinnen. Noch ahnt der galante Gönner nicht, dass Izzi, von der großen Schauspielkarriere träumend, sich wenig später für eine Rolle in seinem neuen Broadway-Stück bewerben wird – ausgerechnet für den Part der Prostituierten. Arnold will, nein: muss das unbedingt verhindern, schließlich spielt seine Ehefrau Delta (Kathryn Hahn) die Hauptrolle in dem Stück. Die ahnungslose Gattin ist jedoch völlig begeistert von der fidelen Casting-Kandidatin, noch euphorischer reagiert Joshua, der Autor des Stückes, der sich sofort unsterblich in Izzi verliebt und sie zum Abendessen einlädt. Seine Freundin Jane (Jennifer Aniston), eine neurotische Psychotherapeutin, muss er deswegen versetzen. Diese platzt vor Wut und lässt sich zum Trost von ihrem neuen Klienten, einem alten Richter und fanatischen Ex-Kunden von Izzi, zum Essen einladen – just in jenes Lokal, wo auch das andere Pärchen speisen möchte.
 
Wie es das Schicksal und ein perfides Drehbuch wollen, werden sich beim Edel-Italiener an diesem Abend zufällig noch weitere illustre Gäste einfinden: Ein Detektiv, den der eifersüchtige Richter auf Izzi angesetzt hat, und der sich als Vater von Joshua entpuppt. Regisseur Arnold samt noch immer ahnungsloser Ehefrau. Sowie Hauptdarsteller Seth Gilbert (Rhys Ifans), der seit langem in Delta verliebt ist und fatalerweise vom Techtelmechtel ihres untreuen Gatten weiß. Unter solch widrigen Bedingungen hält die romantische Gemütlichkeit nicht lange vor. In der Restaurant-Arena fliegen die Fetzen sowie ein paar Gläser. Kaum haben sich die Beteiligten ein bisschen beruhigt, ertönt der Gong zur zweiten Runde. Allem Chaos zum Trotz wird das Broadway-Stück zähneknirschend weitergeprobt: The show must go on!
 
Köstliche Komödien gehören zur Königsklasse der Filmkunst. Zu den Kronjuwelen zählen dabei allemal die Screwball-Comedys. Capra, Lubitsch, Wilder lassen Cineasten-Augen bis heute leuchten, zumal würdige Nachfolger rar gesät sind. Schließlich erfordert das Timing echte Präzisionsarbeit, die Dialoge den Feinschliff von Diamanten und als Akteure bedarf es charismatischer Rampensäue mit sensibler Ader. Wie so etwas auch heute bestens funktioniert, beweist Regie-Veteran Peter Bogdanovich mit makelloser Souveränität. Der Altmeister weiß genau, wie man möglichst absurde Verwicklungen erst harmlos einfädelt, um die ahnungslosen Akteure danach in emotionale Fallen zu schicken. Je mehr sie darin zappeln, desto enger zieht sich die Schlinge zu – sehr zur Schadenfreude des Publikums, dem obendrein ein hübsches Stadtbild von New York geboten wird.
 
Von Owen Wilson weiß man nicht erst seit Woody Allens Midnight in Paris, wie gut ihm solche Typen liegen. Auch Rhys Ifans zieht erwartungsgemäß mit Bravour die Register des sympathischen Schlitzohrs und umschwärmten Frauenverstehers. Nicht minder talentiert die Damen-Riege: Ex-Friends“-Lady Jennifer Aniston gibt die durchgeknallte Psycho-Tante mit spürbarem Vergnügen, derweil die junge Imogen Poots sich in diesem erfahrenen Ensemble mit erstaunlicher Leichtigkeit halten kann – gerade so wie Issy selbst. Um es mit dem Originaltitel zu sagen: Sie ist witzig auf diese Art!

Dieter Oßwald
 

Owen Wilson verfällt in Peter Bogdanovichs neuestem Film als Theater-Regisseur und Frauenheld dem verführerischen Escort-Girl Imogen Poots, die auf eine Karriere als Schauspielerin hofft. Kompliziert wird es, als die junge Frau eine Rolle in dessen aktuellem Stück erhält: nicht nur, dass die eifersüchtige Frau des Regisseurs ebenfalls mitspielt, auch die männlichen Mitstreiter verfallen reihenweise der hübschen Aktrice. Auch wenn der auf die Spitze getriebene Versuch des Films, wirkich jederzeit witzig sein zu wollen, nicht immer passt, funktioniert "Broadway Therapy" aufgrund seiner ausgewogenen Mischung aus hohem Tempo, spritzig-bissigen Dialogen und mitreißendem Ensemble sehr gut als Hommage an die klassischen Screwball-Komödien.

Broadway-Regisseur Arnold (Owen Wilson) stürzt sich trotz seiner Ehe mit Delta (Kathryn Hahn) von einer emotionslosen Affäre in die nächste. Beim hübschen Edel-Escort-Girl Izzy (Imogen Poots) ist aber plötzlich etwas anders: Arnold mag die charismatische Frau, die von einer Karriere als Schauspielerin träumt. Bald merkt er: er ist verliebt und will mehr als nur eine kurze Liebschaft. Er bietet ihr 30 000 Dollar, um ihren "Nebenjob" aufzugeben. Kompliziert wird es, als Izzy eine Rolle in Arnolds neuem Bühnenstück erhält. Bald kommt es zu einem Chaos der Gefühle: erst verliebt sich der Autor des Stücks, Joshua (Will Forte), in Izzy und dann spielt auch noch Arnolds Frau die Hauptrolle. Als wäre das nicht genug, stellt sich bald heraus, dass Joshuas Freundin auch noch Izzys Therapeutin ist.

"Broadway Therapy" ist die erste Spielfilm von Peter Bogdanovich seit "The Cat's Meow" von 2001. In den letzten Jahren war der Filmemacher, der in den 70ern durch Klassiker wie "Is` was Doc" oder "Paper Moon" zu einem wichtigen Vertreter des "New Hollywood" wurde, in erster Linie als Darsteller tätig. "Broadway Therapy" entstand Mitte 2013 größtenteils in New York City und vereint die gestandenen Hollywood-Größen Owen Wilson und Jennifer Aniston mit der aufstrebenden britischen Schauspielerin Imogen Poots ("28 Weeks later", "A long way down").

"Broadway Therapy" will vor allem eine Hommage an die klassischen Komödien Woody Allens sowie die legendären Screwball-Filme der 30er-Jahre sein. Zu weiten Teilen gelingt Bogdanovich dieses Unterfangen auch bravourös. Das beginnt schon bei der starken Hauptdarstellerin Imogen Poots, die klar im Zentrum des Films steht und so ziemlich allen Männer, denen sie im Film begegnet, den Kopf verdreht. Bei ihr kann man verstehen wieso: Sie bringt liebenswürdige, aber nie zu überzogene Naivität mit einnehmender Schönheit und viel Glanz zusammen. Aus ihrer Sicht entspinnt sich die turbulente Handlung des Films. Gleich zu Beginn sieht man, wie sie einer Reporterin ein Interview gibt und über ihre Anfänge als Schauspielerin berichtet.

Auf darstellerischer Ebene überzeugt neben Poots in erster Linie Rom-Com-Queen Jennifer Aniston als neurotische, überdrehte und völlig überforderte Seelenklempnerin, die eine solche aufgrund ihres fragilen Seelenlebens selber dringend nötig hätte.

Darüber hinaus stimmen die Bissigkeit und Akzentuierung der Dialoge: immer wieder liefern sich Männer und Frauen – eben ganz Screwball-like – schmissige Wortgefechte sowie hitzige verbale Duelle. Bogdanovich entfacht ein Geschlechterkampf-Feuer erster Güteklasse, ganz im Stile von Woody Allen oder auch Billy Wilder. Das Tempo ist konsequent hoch und auch die körperbetonen Sketche – vor allem Ohrfeigen werden kräftig verteilt – verliert der Regie-Altmeister nicht aus den Augen. Diese lassen immer wieder an klassischen Slapstick á la Blake Edwards ("Der rosarote Panther") denken. Darüber hinaus enthält "Broadway Therapy" viele gut getimte Running Gags, wenn etwa Arnold von seiner Vielzahl an Eroberungen immer wieder gesagt bekommt, wie sehr er durch seinen selbstlosen – und im Falle von Izzy auch hohen finanziellen – Einsatz, doch deren Leben verändert habe.

Dass "Broadway Therapy" als Verbeugung vor Komödien-Klassikern und dem goldenen Screwball-Zeitalter Hollywoods außerordentlich gut funktioniert, steht somit außer Frage. Wieso es nicht zum ganz großen Wurf reicht aber auch: dafür ist "Broadway Therapy" insgesamt nicht gelöst und befreit genug. Es fehlt ihm an Leichtig- und Lässigkeit. Allzu oft will der Film bemüht und mit aller Gewalt witzig sein, immer noch einen Lacher mehr fabrizieren und noch eins draufsetzen.  Auf diese mit Hilfe der Brechstange servierten Witze, ironischen Anspielungen und zotigen Scherze hätte man daher lieber verzichtet.

Björn Schneider