Brot

Fast jeder isst es, meist jeden Tag: Brot, in all seinen vielen Formen, Arten und Qualitäten. Viel gäbe es über das Grundnahrungsmittel zu sagen, der österreichische Filmemacher Harald Friedl konzentriert sich in seiner Dokumentation „Brot“ auf die Gegenüberstellung von kleinen Handwerksbetrieben und industrieller Herstellung, zwei Methoden, dasselbe herzustellen – zumindest äußerlich.

Website: www.realfictionfilme.de

Dokumentation
Österreich/ Deutschland 2019
Regie & Buch: Harald Friedl
Länge: 94 Minuten
Verleih: Real Fiction
Kinostart: 26. März 2020

FILMKRITIK:

Einstmals wurden die Gefangenen in Kerkerhaft nur von Wasser und Brot ernährt, was auf Dauer sicherlich eine etwas langweilige Ernährung war, aber doch auch zeigt, wie nahrhaft ein Lebensmittel ist, das oft kaum mehr als Beilage oder Basis für allerlei Aufstriche ist. Die Rede ist vom Brot, einem der beliebtesten Produkte der europäischen Küchen. Besonders in Deutschland, wo 2014 das Deutsche Brot mit seinen über 3000 verschiedenen Varianten in den Status eines Unesco-Weltkulturerbes erhoben wurde.

Ob das auch für das Brot vom Discounter gilt? Die im Geschäft, in Elektro-Öfen aufgebackenen Fertigteige? Denn so beliebt das Brot auch ist, immer mehr Menschen kaufen es nicht mehr in kleinen Bäckereien, sondern in möglichst günstigen Ketten oder gleich im Supermarkt.

Zwischen diesen beiden Polen – der individuellen Herstellung im Handwerksbetrieb und der Industrieproduktion in Fabriken – bewegt sich Harald Fridl in seiner Dokumentation „Brot“. Wo dabei seine Sympathien liegen, ist unschwer zu erraten. Es mutet fast schon erotisierend an, wie die Kamera etwa in der Backstube von Christophe Vasseur in Paris den Meister dabei beobachtet, wie er den Teig knetet, die Laibe zuschneidet, mit Mehl bestäubt und von Hand in den Ofen schiebt.

Gegen so viel Handwerk kann die industrialisierte Produktion der Firma Harry-Brot (allein der Name wirkt schon um Längen profaner als der Name von Vasseurs Geschäft: „Du Pain et des Idées“ – „Brot und Ideen“) natürlich nicht mithalten. Hier formen Maschinen den Teig, laufen tausende Klumpen über Fließbänder, werden automatisch in Tüten und Kisten gepackt und anschließend verschickt.

Zum Wohle des Verbrauchers, zumindest was den Geldbeutel angeht. Brot als Industrieprodukt ist um ein oft vielfaches günstiger als das handgemachte. Qualität hat eben seinen Preis mag man da denken, aber der Frage, ob das eine Brot tatsächlich besser ist als das andere, weicht Friedl aus, vielleicht wohlweislich. Ob man sich günstiges oder teures Brot leistet, ist wohl eher eine Frage der Ideologie und vor allem der finanziellen Möglichkeiten.

In vielerlei Hinsicht zu begrüßen ist sicherlich die Herstellung von Bio-Brot, das vom Anbau des Getreides über die Produktion bis zum Handel nicht in erster Linie auf maximalen Profit, sondern vor allem auf Nachhaltigkeit und Fairness ausgerichtet ist.

Doch wie bei so vielen Aspekten unserer kapitalistischen Welt heißt es auch hier: Zeit ist Geld. Wie Friedl immer wieder zeigt, wie die auf traditionelle Weise arbeitenden Bäcker immer wieder betonen, kostet die Herstellung von richtig gutem Brot sehr viel Zeit; und Zeit ist Geld. Man muss es sich leisten können und wollen, vergleichsweise hohe Preise für ein Produkt auszugeben, das oft nur Nebensache ist. Friedls Film zeigt dagegen, dass für manche Menschen Brot weit mehr ist als nur ein Grundnahrungsmittel.

Michael Meyns